Pro und Kontra Abfindung: So entscheidet man richtig

Unter Topmanagern wird die Abfindung manchmal als der „goldene Handschlag“ bezeichnet. Wenn ein Manager seinen Arbeitsvertrag vorzeitig auflöst, erhält er dafür im Gegenzug eine hohe Abfindung. Nicht selten ist von Beträgen im siebenstelligen Bereich die Rede. Als Arbeitnehmer fragt man sich da, ob solche Summen gerechtfertigt sind. Trotzdem mag es Fälle geben, in denen eine einvernehmliche Trennung besser ist. Was also muss man rund um die Abfindung wissen und welchen Irrtümern sollte man als Arbeitnehmer auf keinen Fall erliegen?

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Welche Vor- und Nachteile hat eine Abfindung?

Die Zahlung einer Abfindung hat unter bestimmten Umständen sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer Vorteile. Vor allem als Arbeitnehmer sollte man aber auch die Nachteile kennen, um sich im Zweifel fundiert für oder gegen ein Abfindungsangebot entscheiden zu können.

Für den Arbeitgeber kann das Angebot einer Abfindungszahlung sinnvoll sein, wenn eine Kündigung aussichtslos oder mindestens schwierig erscheint. Wenn also der Arbeitnehmer nach der Kündigung Klage einreicht, sollte man sich überlegen, ob ein gerichtlicher Vergleich mit Abfindungszahlung nicht die bessere Alternative ist. Denn ob eine Kündigung letztendlich wirksam ist oder nicht, ist für den Laien oft schwer zu beurteilen.

Fachleute bezeichnen die Abfindung gerne auch als „Lösegeld“, denn der Arbeitgeber kauft sich dadurch letztlich von seinem Arbeitnehmer frei. Für den Mitarbeiter bringt es den Vorteil, dass er ein Arbeitsverhältnis beenden kann, dass sich anderenfalls im weiteren Verlauf sehr unangenehm gestalten könnte. Insbesondere dann, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen dem Vorgesetzten und dem Arbeitnehmer gestört scheint.

Die Abfindungshöhe richtet sich nach Dauer der Betriebszugehörigkeit und beträgt in der Regel ein halbes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr. Die endgültige Summe ist aber letztlich Verhandlungssache.

Der Aufhebungsvertrag als Möglichkeit

Ist der Arbeitgeber unsicher, ob seine Kündigung wirksam sein wird oder will er von vornherein eine gerichtliche Auseinandersetzung vermeiden, kann ein Aufhebungsvertrag gegen Abfindung die geschicktere Variante sein. Hierbei bietet der Arbeitgeber die Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegen Abfindung an. Der Arbeitnehmer verzichtet auf eine Kündigungsschutzklage und erklärt sich mit der einvernehmlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum festgelegten Zeitpunkt einverstanden. Allerdings darf der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nicht durch Drohungen dazu bewegen, den Arbeitsvertrag aufzuheben.

Täuscht der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter arglistig, kann so ein Vertrag zur Aufhebung des Arbeitsverhältnisses angefochten werden. Wird die Abfindung nicht rechtzeitig gezahlt, kann die Aufhebung des Arbeitsverhältnisses auch dann noch scheitern, wenn der Vertrag bereits unterschrieben ist. Auch Form- oder Formulierungsfehler können einen solchen Vertrag rechtlich unwirksam machen. Deshalb sollten beide Seiten bei Bedarf die Unterstützung durch einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht in Anspruch nehmen.

Die häufigsten Irrtümer über die Abfindung

Mit dem Gedanken an eine Abfindung sind häufig einige Irrtümer verknüpft. Beispielsweise besteht in Deutschland kein grundsätzlicher Rechtsanspruch auf eine Abfindung bei Kündigung. Dieser ist nur unter sehr eng gefassten Voraussetzungen gegeben. Etwa dann, wenn bei betriebsbedingten Kündigungen Abfindungszahlungen durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Sozialplan festgelegt sind.

Ein weiterer Irrtum rankt sich um die Besteuerung der Abfindung. Die gezahlte Summe unterliegt zwar nicht der Sozialversicherung, doch es fällt  Einkommenssteuer an. Wenn eine Abfindung aufgrund eines Aufhebungsvertrages gezahlt wird, greift eine Sperrzeit bei der Zahlung des Arbeitslosengeldes. Sie gilt in den ersten 12 Wochen nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Wer übrigens Missstände im Betrieb als Auslöser nimmt, die Abfindung in die Höhe zu treiben, betreibt ein gewagtes Spiel. Der Arbeitgeber könnte dieses Verhalten im schlimmsten Fall als Nötigung auslegen und dann mit einer fristlosen Kündigung oder einer Strafanzeige reagieren, die vor den Gerichten sogar Bestand hätten.

28.03.2017

Bild: fizkes | shutterstock.com

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