Ich war jung und brauchte das Geld …

„Money makes the world go round“, sangen Sally Bowles alias Liza Minelli und Emcee alias Joel Grey in dem legendären Musicalfilm „Cabaret“. Eine einfache  und leicht nachvollziehbare Botschaft, auch, wenn sie nicht jedem gefallen hat. Das war 1972, sechs Jahre nach der Uraufführung am Broadway 1966.

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Was hat sich seither geändert?

Wer jung ist, der hat in aller Regel mehr Wünsche als Geld zur Verfügung, sie sich auch zu erfüllen. Gerade diejenigen, die eine akademische Ausbildung absolvieren, hängen auf Jahre hinaus am (Geld-)Tropf: an dem des Bafög-Amtes, an dem der Eltern. Und sie ergänzen ihr knappes Budget mit Jobs aller Art, gegebenenfalls auch mit solchen, die ein paar Jahre später unter „Jugendsünde“ abgeheftet und verschwiegen werden. Denn sie waren jung und brauchten das Geld. Damit wird seit jeher vieles begründet und auch entschuldigt.

In den mittleren Jahren hat man Familie, vielleicht Wohneigentum, auch Kinder. Die kosten! Der Kredit will bedient werden (und auch die Miete muss man bezahlen), dazu Auto, Urlaub, ab und zu zum Essen gehen, Kleidung, ein Hobby, das Geld verschlingt.

Es kommt, wie es leider allzu oft kommt: Die Ehe geht zu Bruch, die Aufteilung der Vermögenswerte muss vorgenommen werden und schnell stellt sich heraus, dass das, was vorher ganz gut für die Familie gereicht hat, sich nun als sehr begrenztes Häuflein Geld herausstellt. Der Unterhalt für die Kinder reißt riesige Löcher in die (zumeist) männliche Kasse. Dass das Armutsrisiko für alleinerziehende Frauen gerade mit kleinen Kindern enorm ist, ist wirklich nichts Neues. Wenn dann noch eine neue Familie gegründet wird vom Unterhaltszahler …

Es geht auf die Rente zu. Man überprüft seine Rentenbescheide, seine einschlägigen Versicherungen, all das, was man zur Vorsorge getroffen hat, um die gesetzliche Rente aufzubessern. Dabei stellt man fest: So dolle ist das nicht!

Money makes the world go round!

Arbeitnehmer heute sehen das anders. Jedenfalls dann, wenn man den Ergebnissen so mancher Umfrage trauen kann. Man sei doch eher an Spaß an der Arbeit und einem guten Betriebsklima interessiert. Dann noch an selbstbestimmtem Arbeiten und Work-Life-Balance. Geld? Das kommt irgendwo weiter hinten.

Das Einkommen des Partners sei lediglich 62 Prozent der Deutschen egal, sagt eine andere Umfrage. Und fast 29 Prozent der Paare streiten sich immer wieder wegen ihrer Finanzen. Ein Fünftel der befragten Frauen würde sich wünschen, dass der Freund oder Ehemann mehr verdient als sie selbst – und das vielleicht sogar deutlich.

Im April dieses Jahres berichtete Eurosport über das Dilemma von Mats Hummels, Spieler beim BVB unter der Überschrift „Geld oder Liebe“. „Jeder weiß, wie sehr es mir in Dortmund gefällt, aber dass ich auch möchte, dass wir eine schlagkräftige Truppe und eine schlagkräftige Herangehensweise haben“, wurde der Nationalspieler vom „kicker“ zitiert. Andererseits Manchester United. Der englische Rekordmeister wollte 45 Millionen Euro für ihn locker machen und stellte eine üppige Gehaltserhöhung in Aussicht. Dabei: Schlecht verdient Herr Hummels beim BVB mit Sicherheit auch nicht.

Wer sind sie also, diese Menschen, die auf Freizeit, auf selbstbestimmtes Arbeiten und gutes Betriebsklima setzen und dafür auch auf Geld verzichten würden? In welchen Berufsfeldern findet man sie? Haben sie schon alles? Aufgrund einer vermögenden Familie im Hintergrund? Oder verdienen sie im Moment so viel, dass 10 000 Euronen mehr oder weniger pro Jahr keine Rolle spielen? Und wie viel muss man verdienen, damit das so ist?

Fragen über Fragen!

Ihre Sabine Kanzler

Bild: Martina TR | flickr.com | CC by 2.0 | Ausschnitt

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