Das Kreuz mit der Gerechtigkeit

Ein sprödes Thema in diesem Monat! Und ein schwieriges noch dazu, die Sache mit der Gerechtigkeit. Denn was ist schon „gerecht“? Oder wer? Die Götter? Auf alle Fälle schon mal nicht die griechischen. Wie jeder weiß, ging es auf dem Olymp ziemlich turbulent zu und nicht nur Göttervater Zeus nebst Gattin Hera waren bekannt für ihre zeitweilige Launenhaftigkeit!

gerechtigkeit

Oder die gute Fee, der König aus dem Märchen, die als Retter auftreten, die Gerechtigkeit siegen lassen und sicherstellen, dass die Protagonisten nach viel erlittenem Unrecht glücklich leben bis an ihr Lebensende?

Und was sagt uns die Bibel zum Thema „Gerechtigkeit“? Das hängt davon ab, ob wir ins Alte Testament oder ins Neue Testament schauen. Der „gerechte Gott“ ist eher im Alten Testament zu finden, das Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ ist beispielsweise kein Beleg für Gerechtigkeit, sondern eher für Barmherzigkeit.

Selbst der Blick auf die Philosophen und ihre Gedanken zum Thema hilft nicht wirklich weiter. „Gerechtigkeit“ ist ein großes Wort, ein großer Anspruch. Keiner soll bevorzugt, niemand darf benachteiligt werden. Wer das konkretisieren will, in den Alltag als Handlungsmaxime überführen will, tut sich schwer.

Und nun auch noch das Thema „Lohn“! Besser noch: gerechter Lohn. Ein philosophisches Thema, ein politisches, ein wirtschaftspolitisches. Und ein aktuelles: Kita-Streik, Post-Streik, Lokomotivführer-Streik. Alle wollen ihn, den gerechten Lohn für ihre Arbeit. Aber wollen auch alle die wirtschaftlichen Folgen tragen?

Der Duden sagt uns, das Wort „Lohn“ sei „mittelhochdeutsch, althochdeutsch lōn“ und würde ursprünglich  „(auf der Jagd oder im Kampf) Erbeutetes“ bedeuten. Lohn wird demnach also nicht gewährt, sondern muss durch die Anstrengung des Jägers gewonnen werden. Kann es gerecht sein, dass dem einen ein stattlicher Hirsch übern Weg läuft und dem anderen nur ein halb verhungertes Kaninchen? Auf die heutige Zeit bezogen in Form eines Jobs, für den es den Mindestlohn gibt!

Manch einer wird sagen „Ja, das ist gerecht! Für einfache Tätigkeiten kann man eben nicht das große Geld verdienen. Schließlich haben sich die, die gut verdienen, auch entsprechend geplagt, jahrelang auf Einkommen verzichtet. Und jetzt übernehmen sie Verantwortung, arbeiten viel und setzen sich hohen Belastungen aus. Wer viel leistet, der soll auch mehr verdienen. Gerne auch viel mehr. Alles andere wäre ungerecht!“ Solche Überzeugung legt den Grundstein für Auseinandersetzungen.

Nun heißt es, für die Milliennials (die Generation Y) habe Arbeit nur noch sekundär mit Geld zu tun. Da gehe es primär um Selbstverwirklichung, Sinnstiftung und nicht zuletzt um Spaß. Wäre also mit diesen soften Faktoren eine Diskussion um Gerechtigkeit beim Lohn zu führen. Je mehr Spaß, je mehr Selbstverwirklichung, umso größer die Bereitschaft, weniger Lohn zu bekommen? Es wäre doch nur gerecht, dass diejenigen, die unter härteren – fremdbestimmten – Bedingungen arbeiten, einen monetären Ausgleich dafür bekommen, oder?

Glauben Sie daran, dass jemand dieser Argumentation folgen würde? Der Klassiker der deutsche Literatur, Goethes Faust, bringt es auf den Punkt: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!“

Es steht zu befürchten, dass das, was als „gerechter Lohn“ empfunden wird, weiterhin im Auge des Betrachters liegt. Des in der tiefen seines Herzens oft egoistischen Betrachters. Der gesamtgesellschaftliche Konsens, wie unterschiedliche Tätigkeiten monetär zu bewerten sind, wird nicht vom Himmel fallen. Er muss verhandelt werden, in den Unternehmen, letztendlich aber von uns allen als Gesellschaft. Vielleicht ist das Ergebnis dieser Verhandlungen ja irgendwann wenigstens annähernd gerecht!

27.05.2015

Bild: Images Money | flickr.com | CC by 2.0 | Ausschnitt

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