Rechtsanspruch auf Heimarbeit in den Niederlanden

Ob der Arbeitgeber nun will oder nicht – in den Niederlanden haben Beschäftigte seit Juli 2015 einen Rechtsanspruch auf Heimarbeit. Jeder, der also die eigenen vier Wände dem Büro-Arbeitsplatz vorzieht, darf seiner Tätigkeit Zuhause nachgehen, das berichtet der Spiegel online. Zwar müssten Beschäftigte nach wie vor einen Antrag bei ihrem Arbeitgeber einreichen, abgelehnt werden könne der jedoch nur, wenn schwerwiegende Dienst- oder Betriebsinteressen entgegen stehen.

Rechtsanspruch auf Heimarbeit

Rechtsanspruch auf Heimarbeit – Beweislast liegt beim Arbeitgeber

Das heißt, dass Unternehmen müsse nachweisen, dass der Betrieb durch eine Beschäftigung im Home Office zusammenbrechen würde. Die Beweislast liegt damit vollständig beim Arbeitgeber, der zeigen müsse, dass die Heimarbeit beispielsweise zu schweren Sicherheitsrisiken führe, zu unlösbaren Problemen in der Dienstplanung oder untragbaren finanziellen Schäden.

Dies gelte etwa bei bestimmten Berufszweigen, in denen die Heimarbeit grundsätzlich nicht durchführbar sei. Wie etwa für die Putzfrau oder den Busfahrer. Für Linda Voortmann, die grüne Parlamentsabgeordnete, ist die Neuregelung ein „wohl einmaliger Schritt für Arbeitnehmer“. Denn das Gesetz stärke die Position von Arbeitnehmern und ermögliche „einen Ausgleich zwischen Arbeit und Privatleben“.

Skepsis auf Seiten der Arbeitgebervereinigung

Doch nicht überall stößt die Gesetzesänderung auf Begeisterung. So spricht die Arbeitgebervereinigung VON-NCW gar von „einem Ärgernis“. Der Rechtsanspruch auf Heimarbeit sei überflüssig, da Arbeitnehmer bereits die Möglichkeit zur Telearbeit hätten und derlei Absprachen eine Angelegenheit zwischen Chef und Angestellten sei.

Noch ist unklar, wie viele Arbeitnehmer von der Neuregelung profitieren werden. Zwischen 2008 und 2012 nahm der Anteil derjenigen Mitarbeiter, die im Home Office arbeiten, von 27 auf 32 Prozent zu. Damit gibt es mehr Heimarbeiter als in anderen europäischen Ländern. Anders hierzulande, wo der Anteil der Beschäftigten im Home Office abnimmt und aktuell bei 12 Prozent liegt.

Sorgen, die Produktivität betreffend, seien jedenfalls unbegründet, so Nick van der Meulen von der Rotterdam School of Management gegenüber Spiegel online: „Wir merken, dass Leute zu Hause genauso produktiv sind und manchmal sogar noch mehr arbeiten, um ihre Produktivität zu beweisen“.

15.04.2015

Bild: Lukas Bieri | pixabay.com

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