Arbeitswelt

Ausbildung versus Studium

In den kommenden Wochen sind viele Gymnasiasten großen Prüfungsstress und –ängsten ausgesetzt. Sie müssen in drei Fächern schriftlich und in einem Fach mündlich bestehen, dann haben sie das Abitur in der Tasche. Und danach beginnt der Ernst des Lebens wie es ja so schön heißt und ein neues Kapitel beginnt. Es stellt sich die Frage, was mache ich nach dem Abitur?

Abiturienten stehen eine Vielzahl an Möglichkeiten bereit

Worin der Ernst des Lebens besteht, hängt von der Berufswahl des Abiturienten ab. Hierbei stehen ihm grundsätzlich zwei Bildungswege offen. Die Allgemeine Hochschulreife befähigt ihn an einer Universität seiner Wahl ein Studium aufzunehmen.

Er kann dabei aus den vom Hochschulkompass erfassten 7.252 Studiengängen mit Bachelorabschluss an ungefähr etwa 350 deutschen Hochschulen in 165 Orten auswählen (Stand: 12. April 2013). Fachliche Angebote liegen in den Bereichen der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Humanmedizin, Mathematik und Naturwissenschaften, Sprach- und Kulturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften.

Von A wie Änderungsschneider bis Z wie Zweiradmeachaniker

Möchte der Schulabgänger anstelle eines Studiums lieber eine Lehre beginnen, stehen ihm 345 anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland zur Verfügung (Stand: 1. August 2012). Das Berufsangebot reicht von A wie Änderungsschneider bis Z wie Zweiradmechaniker. Üblicherweise findet die Ausbildung dual statt, das heißt der Auszubildende lernt praktische Fertigkeiten in seinem Ausbildungsbetrieb und theoretisches Wissen in der Berufsschule kennen.

Dem einen oder anderen Abiturienten fällt es schwer sich für ein Studium oder eine Ausbildung zu entscheiden.

Vorteil Studium – Nachteil Ausbildung

Die Vorteile des Studiums gegenüber einer Ausbildung sind ein größerer Entscheidungsfreiraum, was die inhaltliche Richtung betrifft. Der Student muss eine bestimmte Anzahl an Punkten erreichen, die er über verschiedene Seminare, Vorlesungen und Übungen sammelt. In diesem Bereich kann er in gewissem Umfang frei wählen, welche Veranstaltungen er besuchen möchte und welche für ihn nicht wichtig oder interessant sind. Beim Studium kann sich der Student die Zeit etwas freier einteilen. Bei Vorlesungen besteht keine Anwesenheitspflicht und weil die Dozenten ihre Vortragsfolien auf einer Plattform für die Studenten zur Verfügung stellen, kann der Student ab und zu eine Vorlesung versäumen. Während der Ausbildung hat der Auszubildende keinen Einfluss auf die Fächerwahl und inhaltlichen Schwerpunkte in der Berufsschule. Er muss sowohl im Betrieb als auch in der Schule anwesend sein.

Mit einem Studienabschluss werden bessere Einstiegs- und Karrierechancen prognostiziert. Laut einer im Jahr 2011 erstellten Gehaltsstatistik liegt der Mittelwert eines Unternehmensberater mit abgeschlossenem Studium bei 43.500 Euro im Jahr. Ein Personalsachbearbeiter ohne Studium verdient dem entgegen 22.775 Euro. Beide Berufe sind sich in ihrem Tätigkeitsschwerpunkt jedoch sehr ähnlich. Der Status eines abgeschlossenen Studiums ist demnach höher, als es bei einer Ausbildung der Fall ist.

Nachteil Studium – Vorteil Ausbildung

Für ein Studium müssen finanzielle Mittel aufgebracht werden. Es fallen halbjährlich Semesterbeiträge an (zum Beispiel in Berlin rund 270 Euro für Verwaltungskosten und das Semesterticket für öffentliche Verkehrsmittel). Außerdem ist der Student dazu verpflichtet alleine für Arbeitsmaterialien aufzukommen.

Dem Auszubildenden müssen die Arbeitsmittel vom Ausbildungsbetrieb kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Er erhält eine monatliche Vergütung, die von Ausbildungsjahr zu Ausbildungsjahr etwas ansteigt. Allerdings gibt es weniger gut und sehr gut bezahlte Lehrstelle. Ein angehender Hotelfachmann verdient beispielswiese im ersten Ausbildungsjahr um die vierhundert bis fünfhundert Euro brutto. Ein angehender Informatikkaufmann erhält dagegen etwa zweihundert Euro mehr. Die Ausbildungsvergütung ist neben persönlichen Interessen und Fähigkeiten ein Auswahlkriterium für die Karriereplanung.

Für das Studieren werden vom Studenten viel Eigenverantwortung und Organisationstalent abverlangt. Er erhält nicht wie in einer Ausbildung Anleitung und Führung, sondern muss sich seinen Stundenplan selbst zusammenstellen, sich alleine für Kurse und Prüfungen an-/abmelden sowie um die Anrechnung seiner besuchten Veranstaltungen kümmern.

Ein Studium vermittelt eher theoretisches Wissen. In einer Ausbildung wird durch das duale System, also das Zusammenwirken von Ausbildungsbetrieb für die Praxis und die Berufsschule für die Theorie, ein Ausgleich geschaffen. Der Auszubildende erhält klar definierte Aufgaben und hat bei Problemen eine Ansprechperson.

Sowohl als auch

Was sich nun lohnt, ob Studium oder Ausbildung, hängt von der sozialen, finanziellen Situation und dem eigenen Berufswunsch ab. Wie so oft im Leben gibt es das Für und Wider einer Sache. Und es muss ja nicht ausschließlich entweder Lehre oder Studium heißen. Viele Jugendliche entschließen sich nach beendeter Ausbildung für ein Studium oder möchten nach dreijährigem Studium praktische Erfahrungen über eine Ausbildung sammeln. Beide Wege fördern die persönliche Entwicklung des Jugendlichen und bereiten ihn auf das Berufsleben vor.

Abschließend sei noch auf das duale Studium hingewiesen. Dabei handelt es sich um eine Mischform aus Ausbildung und Studium. Der Student erhält eine monatliche Vergütung, eine Art Stipendium, von seinem Arbeitgeber, mit dem er einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen hat. Während der semesterfreien Zeit arbeitet er im Betrieb und lernt dort die praktischen Vorgänge kennen.

Berlin, 16.04.2013

Bild: Marianne J. / pixelio.de

2017-01-10T15:36:38+00:00 24. Oktober 2016|Arbeitswelt|