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Mehrfachbeschäftigung – warum wir alle zu viel arbeiten

Der Wunsch nach Flexibilität, Work-Life-Balance und mehr Zeit für die persönlichen Interessen wird immer größer, darüber können wir täglich Beiträge lesen. Doch während wir uns Berichte ansehen, in denen es um mehr Freizeit bei gleichem Gehalt geht, sieht die Realität immer noch ganz anders aus. Laut einer Erhebung der Bundesagentur für Arbeit ist die Anzahl der Arbeitnehmer mit Mehrfachbeschäftigung weiterhin steigend. Im Jahr 2017 waren es bereits 3,26 Millionen Menschen, die mehr als einen Job haben – Tendenz steigend. Doch warum wollen wir mehr Freizeit und arbeiten in der Realität tatsächlich immer mehr?

Mehr Freizeit kostet Geld

Wir wollen frei sein, wir wollen das tun, was uns interessiert und wir möchten uns immerzu weiterentwickeln. Dies sind Wünsche der Generationen y und z. Doch wie realitätsnah sind diese Wünsche tatsächlich? In Stellenausschreibungen sind Worte wie Flexibilität, Work-Life-Balance und Weiterbildung meist hervorgehoben. Was jedoch bringt mir die Work-Life-Balance in meinem Hauptjob, wenn ich nebenbei einen weiteren Job annehmen muss und so zum Arbeitnehmer mit Mehrfachbeschäftigung werde? Der naheliegendste Grund für diesen Trend liegt auf der Hand: das liebe Geld. Weniger arbeiten, bedeutet auch weniger Gehalt. Die Lebenskosten steigen, also braucht es eine Mehrfachbeschäftigung, um meinen kreativen Lebensstil tatsächlich beibehalten zu können. Doch es gibt auch noch weitere Gründe für die steigende Anzahl an Arbeitnehmern mit Mehrfachbeschäftigung.

Gründe für Mehrfachbeschäftigung in der heutigen Zeit

Der Wunsch nach Flexibilität und nach Weiterbildung ist neben dem Wunsch nach einem guten Verdienst ausschlaggebend. Die Freiheit unserer Generation, das machen zu können, was man will, sorgt dafür, dass man seltener zufrieden ist. Wie das mit dem Trend der Mehrfachbeschäftigung zusammenpasst?

Dies zeigen die Gründe dafür deutlich auf:

  • besseres Gehalt durch Mehrfachbeschäftigung
  • Variation an unterschiedlichen Aufgaben bei mehreren Jobs
  • höhere Anzahl an unterschiedlichen Kollegen, um das eigene Netzwerk auszubauen
  • Weiterentwicklungsmöglichkeiten bei unterschiedlichen Arbeitgebern

Der Wunsch nach Freiheit und Weiterentwicklung

Diese Gründe zeigen auf, dass die Mehrfachbeschäftigung deshalb weiterhin ansteigt, weil dies den Wünschen unserer Generation so nahe kommt. Wer verschiedene Jobs macht, lernt sowohl unterschiedliche Menschen kennen und hat darüber hinaus vielfältige Aufgaben. So kann ich mit drei Teilzeitjobs den Bereich Marketing, Vertrieb und Redaktion kennen lernen, ohne dass dafür eine Stelle geschaffen werden oder vorhanden sein muss. Mein Bedarf nach viel Input und der Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln und dazu zu lernen, wird gestillt. Klingt gut, ist das aber auch tatsächlich so?

Mehr Fehlzeiten in der Realität

Der Anstieg der Fehlzeiten durch Mehrfachbeschäftigung zeigt auf, dass der Wunsch nach Abwechslung zwar da ist, aber letztendlich oftmals eher dazu führt, dass die Fehlzeiten enorm ansteigen. Wer gleich drei Jobs hat, der trifft auf unterschiedliche Menschen, ist einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt und muss sein Zeitmanagement sehr gut im Griff haben. Die Zahl der Fehltage stieg laut einer Auswertung des Bundesgesundheitsministeriums von 2012 bis 2016 von 19,97 Millionen auf 30,53 Millionen im Jahr. Ist es da ein Wunder, dass viele Multijobber irgendwann aufgrund von Überlastung zusammenbrechen?

Titelbild: fotolia.com; artiemedvedev

5. März 2019|Arbeitswelt|