Arbeitswelt

Mit der Bewerbung bis in die Financial Times

Über Bewerbervideos mag man denken, was man will. In erster Linie zählen immer noch die Fakten, die aus dem Anschreiben und dem Lebenslauf, aus Zeugnissen oder Zusatzqualifikationen hervorgehen. Schließlich geht es vor allem darum, dass Bewerber fachliche Qualifikationen erfüllen müssen und nicht mit oberflächlicher Selbstdarstellung über qualitative Lücken hinwegtäuschen. Nicht umsonst gibt es die Diskussion um anonymisierte Bewerbungen, die sich im Sinne der Gleichstellung auf das Wesentliche, eben die fachlichen Voraussetzungen konzentrieren.

Und so sind die meisten Bewerbungsvideos im Allgemeinen fehlplatziert, bewirken selten die gewünschte Reaktion, sondern wirken für die Personaler im schlimmsten Fall belustigend und führen damit auf kürzestem Weg zum Ausschluss. Umso ungewöhnlicher, dass es Matthew Epstein mit seiner Webseite www.googlepleasehire.me und seinem darauf enthaltenen Bewerbungsvideo zur Webberühmtheit geschafft hat.

Hintergrund für seine ungewöhnliche Maßnahme ist, dass er nach eigener Aussage unbedingt bei Google als Produktmanager arbeiten und das Personalmanagement auf diese Weise von seinen Qualitäten überzeugen will. Die große Portion Selbstironie die er an den Tag legt, bei der er sogar seine Hose runterlässt, ist lediglich eine gut gemachte Fassade, die er in den Dienst seiner eigenen Werbekampagne stellt, um seine Qualitäten als Produkt Manager unter Beweis zu stellen. Quod erad demonstrandum.

Wie ernst er es tatsächlich meint, zeigt sich dann auch innerhalb der letzten Minute, in der er die Masquerade fallen lässt und persönlich Klartext redet. Laut dem Internetblog Teccrunch hat Google auch bereits reagiert. Das zeigt, dass er zumindest die Aufmerksamkeit des Internetriesen gewonnen hat. Dass ein Bewerbungsvideo allerdings alleine nicht reicht, zeigt die Tatsache, dass ihm seitens Google mitgeteilt wurde, dass er bitte den offiziellen Bewerbungsweg gehen möchte. Am Ende zählen eben doch wieder Fakten. Ob er tatsächlich angestellt wird und vom wem am Ende bleibt abzuwarten.

2017-04-19T09:19:31+00:00 24. Oktober 2016|Arbeitswelt|