Arbeitswelt

Mobile Recruiting: Die Vor- und Nachteile

Die Weiterfahrt der S-Bahn verzögert sich mal wieder. Gegenüber sitzt ein junger Mann, der angestrengt auf sein Smartphone starrt. Längst kein ungewöhnliches Bild. Aber statt das neueste Trend-Spiel auszuprobieren, könnte er ebensogut gerade eine Bewerbung abschicken.

„Mobile Recruiting“ ist derzeit in aller Munde und könnte die Stellenbesetzung über kurz oder lang ordentlich umkrempeln. Eine Entwicklung, die angesichts der Zahlen, die der Internet-Gigant Google bereits vor zwei Jahren veröffentlichte, wenig überraschend erscheint. Demnach sind Smartphones nicht nur ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens, sondern haben vor allem auch das Verhalten der Nutzer nachhaltig verändert.

Google-Studie zur Smartphone-Nutzung

Der Google-Studie zufolge greifen 64 Prozent aller Nutzer täglich auf das Internet zu und können sich nicht vorstellen, das Haus ohne ihr mobiles Endgerät zu verlassen. Eine logische Schlussfolgerung, wenn man bedenkt, dass das Smartphone längst nicht mehr nur zum Spielen oder dem Schreiben von E-Mails verwendet wird, sondern etwa auch ganz selbstverständlich zum Shoppen.

Daraus schließt Google im Rahmen der Studie folgerichtig, dass Unternehmen ihren Nutzern für Mobiltelefone optimierte Websites bieten müssen, um ihre Kunden besser zu erreichen. Aber gilt dies nicht auch für Bewerber? Müssen sich Unternehmen nicht auch in puncto Rekrutierung vermehrt um die mobile Erreichbarkeit ihrer Karriereseiten bemühen?

Mobile Recruiting noch umstritten – vor allem bei Bewerbern

Auch wenn das Mobile Recruiting noch umstritten ist, die Akzeptanz jedenfalls wächst vor allem bei Unternehmen. Die Studie Recruiting Trends des Jobportals Monster.de zeigt, dass der Personalbedarf nicht nur insgesamt steigt, sondern auch die Bedeutung mobiler Medien bei der Stellenbesetzung.

Etwa sechs von zehn Unternehmen finden die Ansprache von Kandidaten über mobile Endgeräte sinnvoll. Dahingehend hat knapp ein Viertel die Karriere-Website optimiert. Jedes zehnte Unternehmen stellt Apps für die Stellensuche zur Verfügung. Auf Seiten der Bewerber ist die Skepsis zum Teil noch ausgeprägt. Einer Befragung der Hochschule Heilbronn und des Softwareherstellers Softgarden zufolge können sich 67 Prozent der Bewerber nicht vorstellen, sich per Smartphone zu bewerben.

Unternehmen müssen den mobilen Bewerbungsprozess optimieren

Dokumente zusammenzustellen, ein Anschreiben zu formulieren und abzuschicken erledigen die meisten noch auf dem Laptop. Auf die Unternehmen kommt dementsprechend noch ein gutes Stück Arbeit zu, um die mobile Bewerbung für potentielle Kandidaten attraktiver zu machen, gerade weil der Bedarf steigt und neue Methoden der Rekrutierung erschlossen werden müssen. Dazu gehören nicht nur optimierte Websites oder Apps für die Stellensuche, sondern auch einfach auszufüllende, standardisierte Online-Bewerbungsformulare sowie vorgefertigte Formulare für den Lebenslauf, die das Hochladen eines eigens angelegten Dokuments unnötig machen.

Auch die Öffnung hinsichtlich beruflicher Netzwerke könnte den mobilen Bewerbungsprozess erleichtern, beispielsweise, indem – vorerst wenigstens – ein Link zum Xing-Profil genügt. Immerhin schaut sich bereits jeder fünfte nach Stellen auf seinem Smartphone um, Potential hat das Mobile Recruiting also durchaus. Sorgen die Unternehmen insgesamt für die Optimierung der Prozesse, könnte die mobile Bewerbung schon bald so selbstverständlich sein wie Surfen oder Spielen, auch in der S-Bahn.

Siehe auch: Recruiting Trend Studie 2014: Jobwachstum birgt Probleme

Bild: Janitors| flickr.com | CC by 2.0 | Ausschnitt

2017-03-24T13:38:12+00:00 24. Oktober 2016|Arbeitswelt|