Arbeitswelt

Steuervorteile für Vielfahrer

Wer beruflich viel unterwegs ist, kann Reisekosten jetzt wieder in größerem Umfang steuerlich geltend machen. Von den Neuerungen profitieren aber nicht nur Außendienstler, sondern auch Führungskräfte wie Gebiets- oder Vertriebsleiter, die mehrere Filialen betreuen. Doch auch die Unternehmen profitieren. Für sie wird die Abrechnung von Reisekosten in Zukunft erheblich einfacher. Der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC) empfiehlt, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um alle Vorteile auszuschöpfen.

Dienstreise statt Pendlerpauschale – was ändert sich konkret?

Bisher ging die Finanzverwaltung bei wechselnden Einsatzorten auch von mehreren regelmäßigen Arbeitsstätten aus. Für Fahrten mit dem Privat-Pkw konnten Arbeitnehmer aufgrund dessen auch nur die Pendlerpauschale von 30 Cent pro Entfernungskilometer als Werbungskosten geltend machen. Wurde für die gleiche Strecke ein Dienstwagen verwendet, fiel für alle Fahrten zwischen Wohnung und den regelmäßigen Arbeitsstätten zusätzlich Lohnsteuer an.

In mehreren Entscheidungen hat der Bundesfinanzhof zuletzt klargestellt, dass Arbeitnehmer maximal eine regelmäßige Arbeitsstätte haben. Diese wird dadurch bestimmt, wo der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit des Arbeitnehmers liegt. Fahrten zu anderen Arbeitsstätten hingegen gelten als Dienstreise.

Vorteile für Arbeitnehmer

Statt nur die Pendlerpauschale abzusetzen, können Arbeitnehmer für Dienstreisen mit dem Privatwagen jetzt jeden gefahrenen Kilometer – also Hin- und Rückfahrt – steuerlich geltend machen. Darüber hinaus lösen Dienstreisen mit dem Firmenwagen keine Lohnsteuer aus. Außerdem lassen sich auch noch Verpflegungskosten von bis zu 24 Euro täglich geltend machen.

Vorteile für Arbeitgeber

Dadurch dass die komplizierte Abgrenzung zwischen Anfahrten und Dienstfahrten entfällt, wird die Lohnbuchhaltung erheblich vereinfacht.

Die Änderungen im Reisekostenrecht gelten für alle steuerlich nicht veranlagten Zeiträume. Deshalb empfiehlt Bilanzbuchhalterin und BVBC-Präsidiumsmitglied Angelika Hilgers, dass Vielfahrer gegen nicht bestandskräftige Steuerbescheide Einspruch einlegen sollten. In jedem Fall aber sollten die Neuerungen in der Steuererklärung 2011 berücksichtigt werden.

Ständig unterwegs? Zusätzliche Vorteile für Vielfahrer

Nach Auskunft der BVBC-Spezialistin Hilgers, sind die Steuervorteile vor allem dann besonders hoch, wenn „Arbeitnehmer den Fiskus davon überzeugen können, dass sie gar keine regelmäßige Arbeitsstätte haben. Kurzbesuche in der Firmenzentrale für Absprachen oder Meetings gelten nicht als Fahrten zur regelmäßigen Arbeitsstätte.“

Sobald der Arbeitnehmer 20 Prozent seiner vereinbarten Arbeitszeit oder einen ganzen Tag pro Woche in einer betrieblichen Einrichtung verbringt, unterstellt der Fiskus allerdings eine regelmäßige Arbeitsstätte.

Entscheidend ist ein plausibler Nachweis gegenüber dem Finanzamt. „Wichtig ist vor allem eine systematische Zeiterfassung“, betont BVBC-Expertin Hilgers. „Der Tätigkeitsumfang an allen Einsatzorten sollte exakt dokumentiert werden.“ Von Vorteil ist eine enge Abstimmung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Klare arbeitsvertragliche Regelungen oder Zusatzvereinbarungen überzeugen auch kritische Finanzbeamte.

Quelle:
BVBC

Bildquelle:

view7 / photocase.com

 

2017-03-24T15:28:16+00:00 24. Oktober 2016|Arbeitswelt|