Arbeitswelt

Wissenschaftliche Studie zum Multitasking: Fehlerquote erhöht sich

Das Telefon klingelt und in 5 Minuten beginnt das nächste Meeting, da könnte man ja nebenbei noch diese E-Mail beantworten und schon einmal die Unterlagen für die Präsentation zusammenstellen. Alles gleichzeitig natürlich. Multitasking nennt sich das heute, was für viele zum beruflichen Alltag gehört wie die dritte Tasse Kaffee noch vor neun Uhr.

Für den Begriff selbst gibt es zwar keine einheitliche wissenschaftliche Definition, aber gemeinhin versteht man unter Multitasking das Erledigen von mehreren Aufgaben zur gleichen Zeit.

Ist Multitasking effizient?

Man könnte versucht sein, zu argumentieren, dass diese Form des Arbeitens viel produktiver und effizienter sei und dass die täglichen Aufgaben anders gar nicht zu bewältigen seien. Dabei sind sich viele Wissenschaftler seit langem einig, dass dem nicht so ist. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Die Autorin Xenia Weißbecker-Klaus hat das Multitasking im Hinblick auf Auswirkungen und Fehlerverarbeitung untersucht – mit ernüchternden Erkenntnissen. Unter anderem ergaben die Untersuchungen, dass Multitasking nicht zeitsparend ist. Ganz im Gegenteil führen die kognitiven Anforderungen gleichzeitig zu erledigender Aufgaben zu Zeitverlust. Zugleich gehen Ressourcen verloren und es wurden Qualitätseinbußen und sowohl physiologische als auch psychische Fehlbeanspruchungen beobachtet.

Fehler werden unter Zeitdruck nicht erkannt

An der Studie nahmen zwei erwerbsfähige Altersgruppen zwischen 20 und 35 Jahren sowie 50 und 60 Jahren teil, um auch altersspezifische Effekte zu untersuchen. Den Probanden wurde eine visuell-manuelle Computeraufgabe und gleichzeitig eine auditiv-sprachliche Entscheidungsaufgabe. Währenddessen wurden die Parameter hirnelektrischer Aktivität ausgewertet um festzustellen, ob die simultane Verarbeitung zweier aufmerksamkeitsintensiver Prozesse möglich -und vorteilhaft- ist.

Besonders hinsichtlich der Fehlererkennung ist das Multitasking mit Risiken verbunden. So ergab die Studie, dass die Teilnehmer unter dem Druck mehrere Aufgaben gleichzeitig und unter Zeitdruck lösen zu müssen, Fehler zum Teil nicht erkannten und dementsprechend auch nicht korrigierten.

Für den Arbeitsalltag bedeutet dies, dass Multitasking häufiger zu Fehlern führen könnte, die unter bestimmten Voraussetzungen wie etwa Zeitdruck nicht oder nicht rechtzeitig erkannt und behoben werden. Zwischen den älteren und jüngeren Teilnehmern gab es übrigens nur wenige Unterschiede. Alles in allem scheint das gute alte „eins nach dem anderen“ dann doch irgendwie die bessere Lösung zu sein.

Quelle: „Multitasking und Auswirkungen auf die Fehlerverarbeitung – Psychophysiologische Untersuchung zur Analyse von Informationsverarbeitungsprozessen“; Xenia Weißbecker-Klaus; 1. Auflage; Dortmund/Berlin/Dresden; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2014

Bild: stoneysteiner | flickr.com | CC by 2.0 | Ausschnitt

2017-01-10T15:36:43+00:00 24. Oktober 2016|Arbeitswelt|