Bewerbungscoach
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Erfolgskonzept bei der Jobsuche

Liebe Frau Kanzler-Magrit, Sie unterstützen Berufseinsteiger und Personen, die sich neu orientieren und weiterbilden möchten, bei der Jobsuche, helfen bei arbeitsbedingten Krisen und beraten sie. Nach Beendigung einer Ausbildung oder eines Studiums stellt sich die Frage nach der beruflichen Perspektive. Nach einem Erfolgskonzept für die Zukunft. Wo möchte ich arbeiten? Für welche Position oder Art von Arbeit bin ich qualifiziert?

Wie gestaltet man die Jobsuche?

Ihr Buch „Die perfekte Bewerbung: Das persönliche Erfolgskonzept bei der Jobsuche“ widmet sich genau solchen Fragestellungen. Rund um das Thema Bewerbung, persönliche Bestandsaufnahme, Karriere und Krisenmanagement finden hier sowohl Berufsanfänger als auch Führungskräfte Antworten.

• Inwiefern ist gerade Ihr Buch anderen Ratgeberbüchern für Bewerbungen und die Jobsuche vorzuziehen?

Es gibt viele Informationsmöglichkeiten: Im Internet, in Zeitungen, in Büchern. Mein Eindruck ist, dass oftmals eine einzige Wahrheit verkauft wird, wie man im Bewerbungsverfahren erfolgreich ist. Das hat schon oft etwas von „Rezepten“, die empfohlen werden. Das stimmt meiner Erfahrung nach aber so einfach nicht. Dazu sind Menschen und Situationen zu verschieden.

Mein Ansatz ist es, dass es keine Patentrezepte gibt, wie man seine Bewerbungen, wie man sein ganzes Berufsleben erfolgreich gestalten kann. Deswegen auch der zweite Teil des Titels, der betont, dass es um ein persönliches Erfolgskonzept gehen muss. 

Derjenige ist klug beraten, der so etwas wie ein Gesamtkonzept für seine berufliche Entwicklung hat. Schließlich hat man in der Regel nicht nur einen einzigen Arbeitgeber und eine einzige Position in seinem Leben. Manch Jobsuchender steht am Anfang seines Berufslebens, mancher im letzten Drittel. Der eine ist hervorragend qualifiziert, der andere hat eher eine gebrochene Berufsbiografie.

Grundlage allen Handelns muss sein, dass man weiß, wo man steht. Auf dieser Analyse fußen alle weiteren Überlegungen zum eigenen Erfolgskonzept auf dem Arbeitsmarkt. Das bedeutet auch, dass man an seiner Bewerbung arbeiten soll und muss. Und genau diesen Ansatz habe ich in meinem Buch verfolgt und das Ganze durch Informationen rund um Themen des Arbeitsmarktes ergänzt.

• Mit meinen 24 Jahren habe ich einen Bachelorabschluss in Slawistik. Nachdem ich nun drei Jahre studiert habe, entschied ich mich für eine Berufsausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation. Wenn ich damit fertig bin, habe ich das 26. Lebensjahr überschritten und will voll in das Berufsleben einsteigen. Trotz Praktika und Aushilfstätigkeiten während des Studiums und der zweijährigen Lehre stelle ich mir den Einstieg schwierig vor, weil mir ja eigentlich Berufserfahrungen fehlen. Oder wie sehen Sie das?

Oh, das ist ein großes Thema. Aber ich versuche es mal in Kürze! Wenn Sie mit der Ausbildung fertig sind, dann haben Sie mit dem Bachelor und der Kauffrau für Bürokommunikation zwei sehr unterschiedliche Qualifikationen erworben. Sie unterscheiden sich inhaltlich und im Niveau – Lehre und akademischer Abschluss. Bevor Sie anfangen zu suchen, sollten Sie sich darüber klar werden, wie Sie das verbinden wollen, inhaltlich und argumentativ – wo also ganz grob gesprochen die Reise hingehen soll und wo ein potenzieller Arbeitsmarkt für Sie existiert. Erst dann geht es darum, einen Einstieg zu suchen. Da haben Sie immerhin den Vorteil, neben einem eher „brotlosen“ Abschluss konkrete Erfahrungen und Kenntnisse aus einem Unternehmen mitzubringen.

• Mit „brotlos“ meinen Sie jetzt den Bachelor? In Ihrem Buch gehen Sie ja auch auf das Thema Arbeitsmarkt ein. Wie etabliert sich der Bachelorabschluss in Unternehmen?

Damit meine ich nicht den Bachelor an sich, sondern den Bachelor in einem Sprach- und Literaturstudium. Geisteswissenschaftler haben tendenziell das Problem, einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden. Dafür gibt es keine Berufsbilder. Jemandem mit einem Bachelor in Ingenieurwissenschaften oder in betriebswirtschaftlicher Richtung traut man eher einen Berufseinstieg in der entsprechenden Branche zu.

• Und wenn ich nun mit Hilfe Ihres Buches mein Erfolgskonzept analysiert habe, wie geht es dann weiter? Im Internet gibt es eine Vielzahl an Jobbörsen. Wie finde ich den passenden Anbieter für meine Suchanfrage? Worauf muss ich achten?

Das hängt davon ab, welche Art von Stelle Sie suchen. Und auch wo Sie suchen. Der Markt an Portalen hat sich in den letzen Jahren enorm zersplittert und zu den großen Jobbörsen sind eine Menge kleiner und/oder inhaltlich spezialisierter hinzugekommen. salesjob ist ja ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche in Richtung Vertrieb spezialisierte Jobbörse. Um sich in das Thema einzulesen, würde ich Ihnen wirklich mein Buch empfehlen. Ein ganzes Kapitel ist diesem Thema gewidmet und dort von einem Gastautor verfasst, dessen Spezialgebiet das ist.

• Was erwartet mich, wenn ich mich direkt bei einer Personalberatung bewerbe und nicht bei einem Unternehmen?

Kurz gesagt: Eine Personalberatung arbeitet im Auftrag eines Arbeitgebers, der ein Honorar dafür bezahlt. Sie vertritt also in erster Linie die Interessen des Auftraggebers und nicht die des Bewerbers. Das wird von vielen Bewerbern oft falsch eingeschätzt. Aber natürlich ist eine professionell arbeitende Personalberatung auch an einer guten Zusammenarbeit mit Bewerbern interessiert.

Sie haben in einem ersten Schritt durch eine gute und aussagekräftige Bewerbung den Personalberater zu überzeugen. Nur dann, wenn der Sie grundsätzlich für qualifiziert und geeignet  für die ausgeschriebene Stelle hält, wird er Sie dem einstellenden Unternehmen für ein Vorstellungsgespräch vorschlagen. Im Grunde ist so etwas ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren.

• Was muss ich dann vorher konkret bei meiner Bewerbung beachten? Gehören Angaben über meine Interessen und Hobbies, Berufe der Eltern und Geschwister in meinen Lebenslauf? Ist es von Vor- oder Nachteil ein Foto mitzuschicken?

Fangen wir mit der Familie an: Sie sind erwachsen und Sie bewerben sich, nicht Ihre Familie. Eltern und Geschwister sollten nur Schüler bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle erwähnen. Ein Foto ist heute kein Pflichtbestandteil einer Bewerbung mehr. Trotzdem ist es in Deutschland noch absolut üblich, eines mitzuschicken. Wenn man eines mitschickt, sollte man allerdings schon ein professionelles vom Fotografen nehmen, keinen noch so gut gelungenen Schnappschuss aus dem letzten Urlaub!

Beim Thema Hobby/Interessen scheiden sich die Geister. Ich gestehe, ich bin kein Fan davon, die in den Lebenslauf aufzunehmen. Der Hauptgrund liegt darin, dass niemand weiß, wie der Empfänger die Angaben dort interpretiert, welche Schlüsse er für die berufliche Qualifikation aus diesen Angaben zieht. Ich lese zum Beispiel gerne und viel. Ohne eine Literaturliste meiner letzten 10 Bücher sagt das überhaupt nichts aus, denn niemand weiß, ob ich irgendwelche Schnulzen, alle Literaturpreisträger der letzten 10 Jahre oder vorwiegend Homer, Goethe und Schiller lese!

Eine Bewerbung sollte in erster Linie auf das eingehen, was in der Stellenanzeige beschrieben und gefordert wird. Sie sollte also „aussagefähig“ sein, wie es immer so schön heißt. Grundlage dafür ist eine sorgfältige Analyse der Anzeige! Und ein guter Lebenslauf, der ist das Kernstück der Bewerbung!

• Wie kann ich das Anschreiben so gestalten, dass es wirklich aussagekräftig ist und nicht nur diese Standardsätze „Ich bin zuverlässig und hilfsbereit. Mit mir gewinnen Sie eine … Person.“ enthält?

Der von Ihnen hier genannte Satz ist typische „Bewerbungsprosa“! Jeder schreibt im Anschreiben nur Gutes über sich. Oder würden Sie, selbst wenn es stimmen würde, schreiben „Ich bin unzuverlässig, egoistisch und auch ein bisschen faul!“?
Die Konsequenz: Lassen Sie solch allgemeine Aussagen weg! Überlegen Sie sich, was Sie dem Empfänger mitteilen möchten. Möglichst konkret und auf die Stelle bezogen, auf die Sie sich bewerben! Denken Sie immer daran, dass der nachvollziehen können muss, was Sie behaupten! Und machen Sie sich klar, dass es „nur“ um einen Brief geht und nicht um einen Deutschaufsatz oder ein Werk gehobener Dichtkunst. Das ist den meisten Empfängern lieber als schöne, aber leider inhaltsleere Sätze!

• Nehmen wir an, dass ich mit meiner Ausbildung fertig bin, meine Bewerbung in einem Unternehmen angenommen wurde. Nun steht mir ein Vorstellungsgespräch bevor. Jeder Arbeitgeber hat seine Vorstellungen, wie der zukünftige Arbeitnehmer sein sollte. Doch grundlegend sind die „Soft Skills“. Was genau ist damit gemeint?

Der ideale Arbeitnehmer ist in seinem Fachgebiet gut einsetzbar. Er verfügt dazu über die notwendigen Kenntnisse, hat passende Erfahrungen. Darüber hinaus bringt er die „Tugenden“ eines Arbeitnehmers mit. Außer Pünktlichkeit, Fleiß und Zuverlässigkeit sind in einschlägigen Veröffentlichungen Skills benannt wie Initiative, Eigenverantwortlichkeit, Teamfähigkeit, Lernbereitschaft, Frustrationstoleranz etc., also Eigenschaften und Einstellungen, die unter dem Sammelbegriff „Soft Skills“ zusammengefasst werden. In der Literatur zum Thema geht man überwiegend davon aus, dass dazu in erster Linie folgende fachübergreifende Kompetenzen und Einstellungen zählen:

  • Initiative
  • Eigenverantwortung
  • unternehmerisches Denken und Handeln
  • Fleiß und Selbstdisziplin
  • Lernbereitschaft
  • Teamfähigkeit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Empathie / die Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen
  • Belastbarkeit
  • Konfliktfähigkeit
  • Offenheit
  • Reflexionsfähigkeit

Diese Kompetenzen und Fähigkeiten werden sowohl in einer Ausbildung, im Studium sowie im richtigen Berufsleben erworben und weiter entwickelt. Ein nicht enden wollender Prozess. Nicht nur für Berufseinsteiger, sondern auch für Fach- und Führungskräfte ist es wichtig, sich Gedanken über die gegenwärtige Berufssituation zu machen. Ist man noch zufrieden mit der Arbeit? Kann man sich dort weiterentwickeln oder genügt das Erreichte? Oder will man sich gegebenenfalls neu orientieren? Um Stress und Problemen bei zukünftigen Jobsuchen vorzubeugen, lohnt es sich, das hier vorgestellte Buch zur Hand zu nehmen und zu lesen. Sich mit den dort vorgestellten Themen auseinander zu setzen und ein eigenes Erfolgskonzept zu entwickeln. In diesem Sinne danke ich Ihnen, Frau Kanzler-Magrit für Rede und Antwort.

Mit Frau Kanzler-Magrit unterhielt sich unsere Auszubildende Anne Lobach.


cover

Die perfekte Bewerbung: Das persönliche Erfolgskonzept bei der Jobsuche

Von Sabine Kanzler
2011. Mit CD-ROM (Checklisten und Arbeitsblätter). 282 S.: Klappenbroschur
Vahlen ISBN 978-3-8006-3792-8
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Bild oben:
Hartmuth Bendig / pixelio.de

24. Oktober 2016|Bewerbungscoach|