Bewerbungscoach
  • Die französischen Nationalfarben: Bleu, Blanc, Rouge.

Frau Kanzler: Ich kann nur wenig Schulfranzösisch – was kann ich in der Bewerbung angeben?

Frau Kanzler: Ich habe eine Stelle gefunden, in der neben sehr guten Englischkenntnissen auch sehr gute Französischkenntnisse gefordert werden. Das Englisch ist kein Problem, da bin ich ziemlich fit. Allerdings ist Französisch nicht meine starke Seite. Über drei Jahre Schulfranzösisch bin ich mit meinen Kenntnissen nicht wirklich hinausgekommen. Meinen Sie, es ist schlimm, wenn ich an diesem Punkt im Lebenslauf ein bisschen übertreibe?

Antwort:

Man kann an diese Frage ja unterschiedlich herangehen. Einmal eher oberflächlich („Kann mir einer einen Strick draus drehen, wenn ich meine Kenntnisse übertreiben?“) und einmal etwas grundsätzlicher („Was passiert eigentlich, wenn ich den Job bekomme?“). Fangen wir mit der oberflächlichen Variante an.

Natürlich kann Ihnen letztendlich nichts passieren. Sie fälschen ja kein Zeugnis. Und wenn Sie Glück haben, dann ist im Vorstellungsgespräch auch niemand dabei, der, sozusagen „live und in Farbe“ Ihre Kenntnisse im Gespräch überprüft. Vielleicht bekommen Sie dann den Job. Und wenn Sie dort dann derart überzeugend sind, dass man Sie auch mit den mangelhaften Kenntnissen behalten will, dann freuen Sie sich!

Und jetzt etwas grundsätzlicher:

Es hat ja seinen Grund, warum Sie im Englischen fit sind und warum Sie seit der Schule Ihre Französischkenntnisse vernachlässigt und nicht weiter ausgebaut haben. Ich schließe daraus, dass Sie weder ein „Sprachfreak“ sind, der Sprachen um ihrer selbst willen lernt, noch dass Sie ein Naturtalent sind, dem Sprachen einfach so zufliegen.

Wenn die Stelle so konzipiert ist, dass der Stelleninhaber regelmäßige Kontakt zu Franzosen hat, dann sage ich Ihnen massive Probleme voraus. Beim gesprochenen Wort mogelt man sich im Englischen vielleicht noch so durch, aber mit nicht regelmäßig praktiziertem Französisch verstehen Sie in aller Regel – speziell am Telefon! – nichts von dem, was Ihnen der Gesprächspartner mitteilen will. Und auch im Schriftlichen wird es aufgrund der komplexen grammatikalischen Strukturen der französischen Sprache eng. Nachschlagen im Wörterbuch führt da nicht weit, allein schon wegen der Unübersichtlichkeit französischer Verbformen inklusive der Zeitenfolge.

Auf die englische Sprache ausweichen bei den Kontakten nach Frankreich? Eher wenig erfolgreich. „Der Franzose“ spricht nämlich nicht zwingend ebenso gut Englisch wie Sie, schon gar nicht, wenn er 35+ ist! Und falls das Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben wollen, ein französisches Unternehmen ist mit deutschen Niederlassungen, dann der Hinweis: Sie können in einem französischen Unternehmen nicht wirklich „etwas werden“ ohne zumindest gute Sprachkenntnisse.

Also: Entscheiden Sie, ob Sie mogeln wollen oder ob Sie auf die Bewerbung verzichten. Oder ehrlich zu Ihren rudimentären Kenntnissen stehen wollen in der Bewerbung und abzuwarten, ob die vielleicht nicht doch genügen.

Bild: Sabine Kanzler

2017-06-27T13:47:03+00:00 27. Juni 2017|Bewerbungscoach|