Bewerbungscoach

Im Anschreiben den Titel vergessen

Anschreiben konkret

Frau Kanzler – Ich habe soeben bemerkt, dass ich bei der Anschrift und auch bei der Anrede den Titel der Personalchefin vergessen habe. Soll ich ihr jetzt noch ein E-Mail mit einer Entschuldigung schicken oder das Ganze lieber auf sich beruhen lassen.

Antwort:

Ihre Frage erinnert mich an eine äußerst komische Begebenheit zu Zeiten, als man Bewerbungen noch standardmäßig  in Mappen und großen Briefumschlägen verschickte:

Ein Herr vor mir am Schalter war fast schon dabei, seine Bewerbungen zu frankieren, als er plötzlich zur Seite trat und anfing, hektisch alle Umschläge aufzureißen und die Adressen auf den Anschreiben mit denen auf den Umschlägen zu vergleichen. Auf meine Frage, was denn passiert sei, meinte er, er wäre ganz plötzlich nicht mehr sicher gewesen, seine Anschreiben den richtigen Empfängern zugeordnet zu haben.

Im konkreten Fall war wohl alles ok und außer dem Neukauf von 10 großen Umschlägen war kein Schaden entstanden. Wenn man vom unterdrückten Lachen der Umstehenden mal absieht.

Heute mit dem Versand per Mail läuft es irgendwie wirklich schlecht, wenn man etwas vergisst. Einmal auf „senden“ gedrückt ist die Bewerbung weg. Endgültig und nicht mehr rückholbar.

Sie haben im konkreten Fall den akademischen Titel vergessen in der Anrede.

Wenn Sie Pech haben, treffen Sie auf jemanden, für den Details wie Titel, namentliche Ansprache (anstatt „Sehr geehrte Damen und Herren“) und korrekt geschriebenen Namen sehr wichtig sind und der nach deren Vorhandensein (oder in Ihrem Fall: nach deren Fehlen) Bewerbungen vorsortiert, bevor er an deren inhaltliche Bewertung geht.

Wenn Sie Glück haben, dann legt der Empfänger darauf nicht so großen Wert, dass er dadurch Ihre Bewerbung von vorn herein mit einem Minuspunkt versieht.

Wenn Sie noch mehr Glück haben, dann sind Sie für die Stelle der Traumkandidat, dem man so manchen Fehler in der Form seiner Bewerbung nachsieht.

In den beiden letztgenannten Fällen ist es egal, ob Sie versuchen, mit einer Folgemail diesen Faux pas auszubügeln oder nicht. WENN Sie es aber auf alle Fälle tun wollen, dann sollten Sie es schnell tun (sofort also, nicht erst am nächsten Tag!) und Sie sollten es kurz machen: nicht breittreten, sondern einen Zweizeiler mit einer Entschuldigung und einer diesmal korrekten Anrede!

Ob das aber im ersten Falle wirklich helfen würde? Man weiß es nicht!

29.11.2016

Bild: Odua Images/shutterstock.com

2017-02-27T15:09:28+00:00 21. Februar 2017|Bewerbungscoach|