Sabine Kanzler - Karrierecoach

Das Erscheinungsbild von Alphatierchen … [Teil 2]

Eigentlich müssten sie ja kein Problem sein, die Alphatiere. So ein echter Leitwolf beispielsweise ist für das Rudel verantwortlich, an dessen Spitze er sich setzt. Er ist der Stärkste und somit auch das kräftigste, erfahrenste und aktivste Tier der Gruppe. Wäre das auch bei den Menschen immer so, dann wäre ja alles wunderbar. Oder doch wenigstens akzeptabel.

Dann wären in dieser Person mit der Alphaposition Kompetenz, Intelligenz, die nötige Ausbildung, Durchsetzungsstärke versammelt – alles wunderbar! Und wenn man dann noch nachlesen kann, dass Langzeitbeobachtungen an frei lebenden Wölfen zeigen, dass die Leittiere zwar die primäre Führungsaufgabe erfüllen, aber nur situationsbezogen autoritär auftreten und ansonsten in einem sehr vielfältigen sozialen Gefüge leben, dann hätte man ja (ins menschliche Leben übertragen) schon fast den idealen Vorgesetzten.

Aber das Leben, es ist oft nicht so. Und solche Persönlichkeiten werden auch selten mit dem Begriff „Alphatierchen“ beschrieben. Eher mit Begriffen wie „charismatische Führungspersönlichkeit“.

„Alphatierchen“ sind eher die, die sich nach außen vor allem durch ungetrübtes Selbstvertrauen und eine große Klappe auszeichnen. Die ihre Macht, die zu einer Führungsrolle nun mal dazu gehört, nicht in erster Linie zum Zwecke der Aufgabenerfüllung nutzen, sondern sich durch sie korrumpieren lassen, die denken, alles zu wissen und zu können, also unfehlbar zu sein. Und die keinen kompetenten Mitarbeiter auf Augenhöhe neben sich haben mögen.

Dabei ist das Revier – die Aufgaben und Themen im Unternehmen – normalerweise doch groß genug, so dass jeder seinen Platz finden könnte, ohne dem anderen ins Gehege zu kommen.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, es geht nicht darum, ob jemand seine Führungsrolle eindeutig und ausgeprägt wahrzunehmen, so etwas ist absolut in Ordnung. Aber natürlich stellen sich auch Fragen.

Die eine ist: Wievielte Alphatiere kann ein Unternehmen verkraften?
Die andere: Was tut der Mitarbeiter, der sich in einem solchen Umfeld bewegen will und muss.

Ganz wichtig: die räumliche und hierarchische Entfernung zum Alphatier und die Dicke des eigenen Felles. Kurz zusammengefasst lässt sich sagen „Je weiter und je dicker, desto besser.“ Aber so viel Glück hat nicht jeder!

Ebenso bedeutsam: die eigene hierarchische Stellung in Bezug zum Alphatier. Ist man ihm direkt nachgeordnet, dann ist das nicht wirklich schön. Dann trifft einen unter Umständen das Gewitter, man muss die Sache ausbaden oder zumindest die Angelegenheit wieder in Ordnung bringen.

Ganz, ganz schwierig: Man ist selber Alphatier und trifft auf ein anderes. Und wenn das dann noch der eigene Chef ist … Dann muss man einfach wissen, dass manche Kämpfe nicht zu gewinnen sind. Entweder Sie arrangieren sich (manchmal hilft ein gemeinsamer „Feind“, gegen den man sich verbünden kann) oder man räumt das Feld. Denn vor das erfolgreiche Kämpfen mit anschließendem Verjagen hat das Schicksal das deutsche Arbeitsrecht gesetzt – mit seinen Gestaltungen von Arbeitsverträgen, Kündigungsschutzklagen, Auseinandersetzungen um Abfindungen etc.

Die gute Nachricht zum Schluss: Natürlich hat es so ein Alphatier auch schwer. Es lebt ständig in der Gefahr, von einem jüngeren, stärkeren aus seiner Position vertrieben zu werden. Man hat also nicht nur seinen Job zu machen, sondern gleichzeitig die Konkurrenz auf Abstand zu halten.

Manchmal kann übrigens auch eine unerwartete Reaktion eine Wende in den Beziehungen bringen, mindestens das Einhalten eines Sicherheitsabstandes, der das Arbeiten miteinander möglich macht. Dazu folgende wahre Geschichte …

Eine inhaltliche Auseinandersetzung eskaliert und endet mit dem eisigen Satz des vorgesetzten Alphas

„Ich glaube, Herr XYZ, wir müssen uns trennen!“ Die Antwort? „Ach, wohin wollen Sie sich denn versetzen lassen?“ Verblüffung … Schweigen … Verlassen des Raumes. Das war’s und die Arbeit ging weiter. Verlassen Sie sich bitte aber nicht darauf, dass das immer klappt!

Wollen Sie nach all diesen Überlegungen wirklich selbst ein Alphatier werden? Denken Sie gut drüber nach, es wird anstrengend!

In diesem Sinne eine friedliche restliche Adventszeit!

Ihre
Sabine Kanzler

Lesen Sie auch Teil 1.

09.12.2010

2017-01-10T15:38:19+00:00 24. Oktober 2016|Sabine Kanzler - Karrierecoach|