Sabine Kanzler - Karrierecoach

Die Entschuldigung des Bewerbers

Heute rede ich hier Tacheles, also wappnen Sie sich!

Wenn man im Internet Foren durchstreift, die sich mit dem Thema „Jobsuche“ befassen (vorzugsweise solche, in denen nicht unter Echtnamen gepostet wird), trifft man auf lauter Opfer des Arbeitsmarktes. Sie bekommen ihre Unterlagen mit nichts sagenden Absagen zurück und das, obwohl sie doch auf die ausgeschriebene Stelle zu fast 100% gepasst hätten. Die Unterlagen seien in Ordnung, kann man immer wieder lesen. Es entsteht der Eindruck, der Bewerber könne „nichts dafür“, wenn er nicht erfolgreich sei.

Dabei fiele mit ein oder zwei sorgfältigen Blicken in die Bewerbungsunterlagen und die dazu gehörige Stellenanzeige dem geschulten Beobachter schon manches auf.

Die „großen“ Dinge: Auf die Anforderungen der Anzeige wird nicht eingegangen, die geforderten Voraussetzungen fehlen, die Gehaltsvorstellungen sind absolut unpassend. Die „kleinen“: Die Bewerbung ist schlampig erstellt, es wimmelt von Rechtschreibfehlern (beispielsweise) – und nein, wir reden hier nicht von einem Helferjob am Bau, da ist die Beherrschung der Rechtschreibregeln wirklich nicht so wichtig; wir reden vom akademisch ausgebildeten zukünftigen Manager, der sich so bewirbt.

Hier ist ein „Ich kann nichts dafür“ schnell entkräftet. Der Beweis liegt schwarz auf weiß auf dem Tisch.

Ganz anders bei denjenigen, die es ins Vorstellungsgespräch schaffen. Kein Außenstehender hat’s gesehen oder gehört – und die Teilnehmer sind schweigsam oder erzählen nur ihre Sichtweise der Angelegenheit.

Nun ist es völlig normal, nicht nach jedem Gespräch eine Zusage des Unternehmens zu erhalten. Aber ist es ebenso normal, sieben oder acht Gespräche zu führen, ohne dass es in einem einzigen zu einem Vertragsangebot kommt? Ist es normal, dass praktisch jede Bewerbung zu einer Einladung führt, aber kein Gespräch zu einer Zusage?

Die Gespräche hätten doch in angenehmer Atmosphäre stattgefunden, die Stimmung sei gut gewesen, man habe sich gut „verkauft“.

Ungläubiges Staunen, wenn man die andere Seite, die Unternehmensvertreter, hört. Der Bewerber habe nichts übers Unternehmen gewusst, zu keiner Frage auch nur einigermaßen konkret geantwortet. Man wisse jetzt nach dem Gespräch weder etwas darüber, wie bisher sein konkreter Arbeitsalltag aussah, noch, wie er sich die neuen Arbeitsabläufe im Unternehmen vorstelle. Fachliche Aussagen? Fehlanzeige. Ein einziges Herumgeeiere. Ob er überhaupt gewusst habe, in welchem Unternehmen für welche Art Job er das Gespräch gehabt habe? Keine Ahnung. Auf alle Fälle vertan’ne Zeit! Warum, um Himmels willen, könnten sich Bewerber nicht wenigstens die Website des Unternehmens als Vorbereitung gründlich durchlesen? Das sei doch nicht zu viel verlangt …

Und der Vertreter des einstellenden Unternehmens macht sich vermutlich weitere Gedanken, etwa in dieser Art …

  • Wenn jemand so auftritt, dann will er entweder nicht konkret antworten oder er kann es nicht oder er merkt nicht, dass er ständig ausweicht.
  • Wenn er nicht konkret sein will, dann stellt sich die Frage, warum das so ist.
  • Wenn er es nicht kann, dann fehlen ihm das entsprechende Wissen und / oder die passenden Erfahrungen.
  • Wenn er jedoch gar nicht merkt, was er da macht, dann hat er ein grundlegendes Kommunikationsproblem. Für unseren Job, bei dem es genau auf diese Fähigkeit ankommt, ist er also nicht geeignet. Wenn wir uns den beim Kunden vorstellen …

Und wenn diese Gedanken fertig gedacht sind, dann sagt er ab:

„Sehr geehrter Herr …

vielen Dank für Ihre Bewerbung und das angenehme Gespräch, das wir mit Ihnen führen durften. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben. Das Profil eines anderen Kandidaten passte besser zu den Anforderungen der Stelle …“

Die Reihe von Geschichten, wie es zu Absagen kommen kann, wird fortgesetzt. Schauen Sie einfach wieder rein!

Viele Grüße
Ihre
Sabine Kanzler

16.08.2011

2017-03-30T12:41:01+00:00 24. Oktober 2016|Sabine Kanzler - Karrierecoach|