Sabine Kanzler - Karrierecoach

Kosmetik

Der Ausdruck Kosmetik stammt aus dem Altgriechischen, das Verb kosméo hat die Bedeutung von „ordnen“, „schmücken“. Wikipedia meint, es ginge bei Kosmetik um „Körper- und Schönheitspflege bzw. die Erhaltung, Wiederherstellung oder Verbesserung der Schönheit des menschlichen Körpers“. Der Duden macht es kürzer. Er bezeichnet Kosmetik als „die Kunst des Schmückens.“

Nun wird Kosmetik nicht nur in Bezug aufs eigene Aussehen betrieben. Man schmückt auch gerne die eigene Vita ein wenig aus, wenn es an die Selbstdarstellung bei der Jobsuche geht. Denn schließlich heißen die Unterlagen, die man beim suchenden Unternehmen einreicht, „Bewerbungsunterlagen“ und nicht „Beschreibungsunterlagen“, nicht war? Und in der Werbung ist doch das Aufpolieren, das Schmücken, das Schönmachen des Produktes erlaubt. Warum soll also nicht beim eigenen beruflichen Werdegang Vergleichbares gelten?

Doch schon wird es schwierig. Denn wie viel Kosmetik ist erlaubt? Wo endet das Aufpolieren und beginnt die Schönheitsoperation und damit die Lüge?

Es gibt berufliche Entwicklungen, die vertragen jede Art der Darstellung. Eine zügig und gut absolvierte Ausbildung, zwei oder drei berufliche Stationen – bei jeder erkennbar ein Schritt in Richtung einer Ausweitung des Verantwortungsbereiches – dazu vielleicht noch Sprachkenntnisse, das „richtige“ Alter und eine gesuchte Qualifikation … so jemand braucht keine Kosmetik. Der braucht höchstens ein bisschen Sorgfalt bei der Darstellung seiner Entwicklung. Der sieht auch ungeschminkt gut aus! Obwohl …

Wenn man die Fotos von ungeschminkten Top Models betrachtet, dann sieht man hübsche Gesichter. Die volle Dramatik (und damit all die Möglichkeiten, die darin stecken), entfaltet sich erst, wenn der Visagist sein Werk vollendet hat. Glamour für den Abend, dezentes Makeup für den Businessalltag – passgenau für die verschiedenen Gelegenheiten.

Gleiches gilt für Lebensläufe. Wer sich mit den Anforderungen des Unternehmens auseinander gesetzt hat, wer also weiß, welche Erfahrungen und Kompetenzen gesucht werden, der weiß auch, was er besonders in Szene setzen möchte. Konsequent durchführt erhält so ein Lebenslauf Glanz – und die Informationen, die der Empfänger braucht, um die Eignung des Kandidaten für den Job festzustellen. Denn eines ist klar: Gedanken lesen kann der Empfänger Ihrer Bewerbung nicht. Was man ihm nicht im Anschreiben oder im Lebenslauf mitteilt, das wird er nie erfahren, sei es noch so relevant für seine Entscheidung, den Bewerber zur persönlichen Vorstellung einzuladen oder nicht.

Fast jedes berufliche Leben gibt eine Anpassung an die unterschiedlichen Anforderungsprofile her. Das würde allerdings zusätzliche Arbeit bedeuten. Jede interessante Stellenanzeige analysieren, zu jedem dieser Unternehmen Informationen suchen, jedes Mal neu überlegen, welche Informationen für die konkrete Stelle wohl interessant sind und welche weniger … Man könnte also, wenn man nur wollte. Aber kaum einer will. Copy & paste ist bequemer – vergibt jedoch eindeutig Chancen.

Und was macht jemand mit einer ungeordneten, bewegten, ja chaotischen beruflichen Vergangenheit? Bekommt der überhaupt eine Chance? Hilft da noch Kosmetik? Oder braucht es in solch einem Fall den beherzten Schnitt, mit dem der Autor Schwieriges entfernt? Und statt dessen eine attraktivere Vergangenheit implantiert? Denn schließlich will und muss man ja trotz der gemachten Fehler bis zur Rente seine Brötchen verdienen …

Mehr dazu beim nächsten Mal!

Ihre
Sabine Kanzler

10.03.2011

2016-10-24T13:14:21+00:00 24. Oktober 2016|Sabine Kanzler - Karrierecoach|