Sabine Kanzler - Karrierecoach

Vertrieb – Nichts für Langschläfer

„Sind Sie um 7.30 Uhr beim ersten Kunden?“ fragt Reinhold Würth in einem viel beachteten und noch mehr diskutierten Brief seine Außendienstmitarbeiter. Und er wird weiter zitiert mit der alt hergebrachten Weisheit, dass Morgenstund Gold im Munde habe.

Ganz klar: Eine Stelle im Außendienst des Unternehmens ist nichts für Langschläfer!

Zu Ansprüchen, die gerade junge Mitarbeiter an einen Job stellen oder zum Thema Arbeitszufriedenheit findet man Veröffentlichungen in unglaublichen Mengen. Geht man jedoch der Frage nach, wie viel Motivation ein Arbeitgeber vom „normalen“ Mitarbeiter (also nicht von Führungskräften) mit Fug und Recht erwarten kann, dann sieht es mager aus.

Wer einen neuen Arbeitsplatz sucht, der muss sich wirkungsvoll präsentieren. Dem Bewerber wird also in einschlägigen Ratgebern gerne empfohlen, er solle bei seiner Bewerbung überzeugend darlegen, warum er gerade in diesem speziellen Unternehmen arbeiten wolle. Was ihn dort begeistere. Dass er brenne für den Job. Solch eine Einstellung werde von den Arbeitgebern erwartet.

Natürlich kann und soll klar sein, dass ein Mitarbeiter seinen Job ordentlich, sachlich und fachlich richtig erledigt. Ebenso natürlich kann erwartet werden, dass jemand seine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit auch leistet.

Aber: Wer brennt, der verbrennt auch irgendwann. Und über die durchschnittliche „Brenndauer“ eines Mitarbeiters war nirgends etwas zu finden. Wann kann, wann soll man also mit dem Brennen anfangen? Wann aufhören damit? Schließlich dauert ein durchschnittliches Arbeitsleben etwa 40 Jahre. Damit gleicht es eher einem Marathon als einem Sprint. Da sollte man seine Kräfte gut einteilen, um nicht auf der Hälfte der Strecke aufgeben zu müssen. Denn man startet doch, um das Ziel auch zu erreichen, oder?

Anders gefragt: Reicht ein mit Engagement und durchschnittlicher Energie verbrachter Arbeitstag aus, um seinen Arbeitgeber zufrieden zu stellen? Was ist, wenn die Menge der geplanten Arbeit sich dauerhaft nicht innerhalb der Arbeitszeit erledigen lässt? Wenn man die geplante Anzahl der Kontakte hat, der Kunde sich aber weigert, im vorgesehenen Umfang zu kaufen? Sollte man dann noch früher aufstehen? Noch mehr Kunden besuchen?

Zu meiner Grundschulzeit gab es „Fleißbildchen“. Die konnte man sich erarbeiten, indem man Sternchen sammelte. Man bekam sie für eine gute Note beim Schönschreiben, ein sorgfältig gezeichnetes Bild im Heimatkundeunterricht beispielsweise. Zehn Stück musste man davon haben, um sie für ein Fleißbildchen eintauschen zu können. Die Grundschuljahre hindurch war das Motivation genug, denn die Lehrerin war fair genug, für ein gutes Ergebnis auch Sternchen zu verteilen.

„Ohne Fleiß kein Preis!“ Richtig so!

Die leistungsstärkste, die gesündeste, die schönste Zeit des Lebens verbringt der Mensch im Beruf. Für die erbrachte Leistung bezieht er ein hoffentlich angemessenes Gehalt. Da jedoch ein Arbeitsvertrag nicht fürs gesamte Leben gilt, da es Firmenpleiten und Kündigungen gibt, sollte von Gesundheit und Leistungsfähigkeit noch etwas übrig bleiben, wenn man mit 40+ den Arbeitsplatz wechseln muss zum Beispiel. Passen Sie auf, dass Sie sich Ihre Ressourcen gut einteilen. Damit nicht irgendwann ein verbrannter Mitarbeiter in seiner Bewerbung schreiben muss, dass er leider sich hat verheizen lassen! Vielleicht arbeiten Sie auch einfach nur gut und manchmal auch viel – das aber, ohne gleich für den Job zu brennen.

Ihre

Sabine Kanzler

14.09.2012

2017-03-24T14:32:15+00:00 24. Oktober 2016|Sabine Kanzler - Karrierecoach|