Vertriebstipps

Vorgesetzte Mitarbeitermotivation 2

Welche Möglichkeiten haben Chefs von mittelständischen Firmen, ihre Mitarbeiter zu motivieren? Ist das überhaupt machbar – schließlich haben die meisten Vorgesetzten wenig Zeit.

Das ist sehr gut machbar. Gerade bei kleinen- und mittelständischen Händlern ist es beispielsweise ein großes Manko, dass die Inhaber und Führungskräfte oft nicht loslassen können. Die Chefs sind selbst erfahrene Handwerker und glauben nun, dass sie überall mitreden und jede Arbeit bis ins Kleinste mitbestimmen müssen. Als Berater bekommt man im Gespräch dann zu hören: „Die Mitarbeiter können das einfach nicht so gut wie ich“.

Für Angestellte ist es natürlich sehr demotivierend, einen Chef zu haben, der ihrem Wissen und ihrer Fachkompetenz nicht vertraut, und ständig sagt: „Ihr könnt ja sowieso nichts, ihr habt nichts drauf, bald muss ich alle entlassen“. Die größte Motivation für Mitarbeiter ist deshalb, sie nicht zu demotivieren. Denn die Menschen sind von Natur aus motiviert. Gerade im Handel bzw Verkauf kann man seine Talente entfalten, man ist neugierig und an der Arbeit bzw dem Menschen interessiert. Wichtig ist es auch, dass Führungskräfte klare und transparente Regeln aufzustellen, damit die Mitarbeiter wissen, was im Unternehmen erlaubt ist und was nicht.

Darüber hinaus müssen Unternehmens- und Arbeitsziele für die Mitarbeiter transparent und nachvollziehbar sein. Viele Chefs verteilen einfach die Aufgaben, ohne ihren Mitarbeitern zu erklären, warum etwas getan werden muss. Bei den Angestellten entstehen dann große Fragezeichen. Als Chef muss ich meine Mitarbeiter nicht ständig nach ihrer Meinung fragen. Aber ich sollte sie informieren und in gewissem Umfang mitbestimmen lassen. Ich kenne beispielsweise einen Provider, dort praktiziert der Chef so genanntes „Management by Helikopter“. Kommen, rotieren und wieder abhauen. Er rennt von einer Niederlassung zur anderen und verunsichert durch seine operative Hektik und unqualifizierte und nicht überlegte Maßnahmen seine Mitarbeiter. Ist er mit deren Arbeit unzufrieden, droht er mit Kündigung, macht seine Drohung in der Konsequenz aber nie wahr. Seine Mitarbeiter sind völlig verstört, ständig am Jammern, haben psychische Probleme und viele verlassen das Unternehmen. So ein Zustand ist für ein Unternehmen nicht tragbar, wird allerdings selten erkannt geschweige denn behoben.

Manche Chefs denken, wenn sie keine Kritik üben, ist es schon ein großes Lob?

Das ist definitiv falsch. Man muss loben. Nur wer lobt, schafft es auch, andere zu motivieren. Ein Vorgesetzter sollte auch nette Worte fallen lassen, dabei aber nicht übertreiben. Ich höre von Angestellten immer wieder: „Unser Chef ist total lieb und ein Zustand ist für ein Unternehmen nicht tragbar, wird allerdings selten erkannt nett, aber der müsste uns mal in den Hintern treten“. Supernette Chefs, bei denen die Mitarbeiter alles dürfen, sind ebenfalls demotivierend.

Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Kontrolle. Denn der Mensch ist im Grunde sehr bequem und geht den Weg des geringsten Widerstands. Spüren die Mitarbeiter, dass ihre Arbeitsergebnisse nicht kontrolliert werden, dann tauchen Gedanken auf, wie „Warum soll ich das überhaupt erledigen, prüft ja sowieso niemand“. Wir brauchen keine Diktatoren oder Patriarchen als Vorgesetzte, aber es muss regelmäßig kontrolliert werden und die Mitarbeiter müssen es wissen. Ein Lob zählt dann wesentlich mehr und der Mitarbeiter ist viel motivierter. Ich persönlich halte nachhaltige Kontrolle deshalb für eines der wichtigsten Werkzeuge in der Führung.

Wie kann man Mitarbeiter sonst noch motivieren?

Vorgesetzte sollten regelmäßig Mitarbeiterentwicklungsgespräche führen. Einmal pro Jahr setzt man sich mit dem Mitarbeiter zusammen und zieht Bilanz. Dabei kommt zur Sprache, wie Vorgesetzte, Kollegen und Kunden den Mitarbeiter von seinen fachlichen Leistungen und seinem Verhalten her einstufen und wie der Mitarbeiter das Unternehmen und sich selbst sieht. Was ist sehr gut gelaufen? Wo gibt es Schwierigkeiten und Verbesserungsmöglichkeiten? Welche Noten kann man den Leistungen geben?

Für das Mitarbeitergespräch nützt das Unternehmen ein Formular, das sowohl der Vorgesetzte als auch der Mitarbeiter jeweils allein ausfüllen. Im Gespräch entsteht daraus dann eine ausführliche Mitarbeiterbeurteilung und eine Zielvereinbarung für das kommende Arbeitsjahr. Das ist ein absolut motivierendes Werkzeug. Zudem sollten Führungskräfte einmal wöchentlich oder mindestens einmal im Monat ein Meeting mit ihren Mitarbeitern durchführen. Wichtig ist, dass solche Sitzungen klar strukturiert sind und ein konkretes Ergebnis bringen. Es darf dabei nicht nur um technische Fragen gehen. Der Vorgesetzte muss seine Führungsaufgabe wahrnehmen und mit den Mitarbeitern besprechen, wie sich die geplanten Arbeitsziele verwirklichen lassen. Von Bedeutung ist auch ein positives Arbeitsumfeld. Alte Aktenordner oder große Papierstapel sollte man wegschaffen, das ist alles Ballast, der die Mitarbeiter beim Arbeiten stört und demotiviert.

Das heißt, für die Motivation der Mitarbeiter sind eher „weiche“ Faktoren entscheidend und weniger die Höhe des Gehalts oder Extras, wie Prämienzahlungen?

Ich halte eine leistungsgerechte Bezahlung für wichtig, aber für die Motivation absolut nicht entscheidend. Prämienzahlungen sind schöne Beiwerke, aber nicht dauerhaft motivierend. Vor allem Prämien, die einmal im Jahr ausgeschüttet werden, haben eigentlich keinen direkten Bezug zu bestimmten Leistungen mehr und sind als Motivationsanreiz schnell wieder vergessen.

Wenn Prämien bezahlt werden, müssen die Mitarbeiter sie monatlich oder quartalsweise erhalten und auch permanent erfahren, inwieweit sie ihre Ziele erreicht haben. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Angestellten erst kurz vor der Auszahlung der Prämien ins Zeug legen. Mitarbeiter arbeiten auch ohne Prämien gerne, wenn sie mit den Arbeitsbedingungen zufrieden sind. Von vielen Teilnehmern an meinen Seminaren höre ich: „Bei uns verdient man nicht so viel, aber wir sind dafür ein richtig tolles Team“.

Eine andere Möglichkeit, Mitarbeiter mit Extras zu motivieren, sind Teamtrainings. Das muss nicht immer das Survival-Training im Wald sein, sondern kann auch ein Strategie-Workshop sein, bei dem die Mitarbeiter gemeinsam überlegen: „Wie soll es im Unternehmen weitergehen?“. Sehr motivierend sind auch Weiterbildungsmaßnahmen, wie etwa ein Excel-Kurs für die Sekretärin. Das kommt immer gut an. Und natürlich kann ein Chef auch so genannte Incentives ausloben, das heißt, herausragende Leistungen außergewöhnlich belohnen, zum Beispiel durch ein vom Unternehmen bezahltes Wochenende in Nizza. Das bleibt noch lange in Erinnerung.

Ihr
Wolfgang Wienen

Lesen sie auch Teil 1.

05.09.2010

2017-03-30T13:53:32+00:00 24. Oktober 2016|Vertriebstipps|