Der gute Mitarbeiter - manchmal ein "störrischer Esel"?

14.09.2009

Um den "störrischen Esel" aus der letzten Folge soll es heute gehen…, den in Menschengestalt. Um den, der erst mal verweigert, wenn sein Chef ihm eine klare Anweisung gibt. Und mit seiner Sturheit nicht genug: Er sei außerdem dumm, der Esel. Sagt der Volksmund. Und faul!

Selbst Eselhalter seufzen, so hört man bisweilen. Manchmal sei es schwer, die Eigenwilligkeit des Esels als besonderen Charme zu akzeptieren. Da der richtige Esel heute als Arbeitstier ausgedient hat und nur noch Liebhaber ihn halten, bekommen die Eselhalter dieses Verhalten ja "nur" im Freizeitbereich zu spüren. Ganz anders der Vorgesetzte, der solch einen menschlichen Esel im Team seiner Mitarbeiter hat. Und der soll ein "guter Mitarbeiter" sein? Ich höre so manchen Chef jetzt seufzen...

Dabei könnte es so einfach sein, man müsste z.B. nur Johannes XXIII glauben, und der war doch ein kluger Mann. "Wo die Pferde versagen, da schaffen es die Esel" wird er zitiert! Oder sich auf die Suche machen. Wer ein bisschen recherchiert, findet Hinweise zur besonderen Genügsamkeit von Eseln. Mit Hitze und Trockenheit kämen sie gut zurecht, auch im Futter seien sie anspruchslos. Römer und auch die Griechen hätten den Esel als Lasttier entdeckt, was an seiner Zähigkeit liege, könne er doch viel länger als ein Pferd ohne Wasser und Nahrung auskommen. In der griechischen und römischen Mythologie taucht der Esel auch immer wieder als Symbol für Fruchtbarkeit und Potenz auf. Aber das ist wohl im Berufsleben weniger relevant.

Weiterhin seien Esel klug und gutmütig. Ihre scheinbare Sturheit sei vielmehr ein Abwägen gefahrvoller Situationen und habe nichts mit Dummheit zu tun. Statt wie ein Pferd mit Fluchtinstinkt zu reagieren, bleibe der Esel lieber stehen und wäge die Situation ab.

Genau besehen haben wir hier also alle Eigenschaften des beliebten Kollegen und des geschätzten Mitarbeiters. Jedes Team braucht einen, der die Ruhe bewahrt, der nicht jedem Trend blind folgt. Der seinen eigenen Kopf hat und den auch benutzt. Einen, der in kritischen Situationen erst mal überlegt, statt loszurennen, gleich, ob nach vorne hinein in die Katastrophe oder nach hinten, erst mal nur weg. Der sich traut, Widerstand zu leisten, sogar gegen den Chef...

Ob man allerdings das mit der Genügsamkeit auf die Gehaltseinstufung übertragen sollte? Wohl besser nicht. Klug war er ja auch!

Falsche Handhabung durch seine Besitzer habe vermutlich zu den Vorurteilen gegenüber Eseln geführt. Denn bei richtiger Erziehung sei der Esel ein verlässlicher Gefährte des Menschen. Wenn wir einige Begriffe in diesem Satz austauschen und durch "Mitarbeiterführung und Vorgesetzter" ersetzen, dann sind wir wieder eng am Thema, finden Sie nicht auch?

Der Mitarbeiter, der "störrische Esel" - sollte der sich jetzt durch diese Beschreibung geschmeichelt fühlen können? Irgendwie ja, oder? Und da er ja nicht wie das Tier nur seinen Instinkten ausgeliefert ist, kennt er sich ja selber und kann sich einschätzen. Er kann und wird (weil er ja klug ist!) von Zeit zu Zeit seiner Seele einen Stoß geben, wenn er wieder mal reflexartig verweigert. Er wird lachen können über sich selbst und einfach "Sorry, war nicht so gemeint ..." sagen oder einfach aufstehen und das tun, was er soll. Grundsatzdiskussionen lohnen sich nicht immer und der Klügere gibt sowieso nach.

"Der Esel sei, so meint doch jeder,
verbissen, stur und dumm;
doch, so meint der Mann der Feder:
Er zeigt ganz einfach Mumm!"

(Verfasser unbekannt, im Netz gefunden)

Mit besten Grüßen
Ihre Sabine Kanzler

 

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