Das Kreuz mit den "richtigen" Reaktionen

08.04.2008

Im Arbeitsalltag - komplex, kompliziert, kommunikationsintensiv, manchmal chaotisch - müssen wir Situationen beurteilen und dann auch reagieren. "Richtig" oder "falsch" sind für die Beurteilung unseres Handelns häufig gar nicht die passenden Begriffe, denn so eindeutig ist das meistens gar nicht feststellbar. Seien wir also bescheiden: Differenzieren wir nach "angemessen", "unangemessen" und "dumm".

Was macht den Unterschied, ob man sich "angemessen" oder "richtig" verhält? Welcher Anspruch steckt hinter diesen beiden Begriffen? Ein Blick ins Wörterbuch hilft weiter. Zu "angemessen" findet man Synonyme wie "angebracht, stimmig, treffend, recht und billig", zu "richtig" Begriffe wie "fehlerfrei, korrekt, perfekt". "Falsch" ist auch "unecht, erfunden, unwahr", "dumm" ist, so denke ich, selbsterklärend. Wenn wir uns also um angemessenes Verhalten bemühten, hätten wir zweifellos mehr Spielraum. Aber auch den nutzen nicht alle. Dabei müssten wir nur mit offenen Augen und neugierigem Geist durchs Leben gehen.

Lassen Sie uns konkreter werden und Beispiele nennen ...

Dass Erwin L. einen Kollegen zurechtweist und angreift, dessen Meinung konträr zur seinigen ist, ist unangemessen. Unhöflich eigentlich auch, aber das ist hier nicht das Thema... Dass er sich nicht wenigstens im stillen Kämmerlein fragt, ob hinter dieser Meinung eine Wahrheit stecken könnte, die unter Umständen hilfreich oder wichtig für ihn ist, ist dumm.

Wenn Isolde G. ein höheres Gehalt will und dafür die notwendigen Gespräche mit ihrem Vorgesetzten führt, ist das angemessen, vor allem dann, wenn in vergleichbaren Positionen mit ähnlicher Berufserfahrung erheblich mehr bezahlt wird. Dass sie ihren Chef bei diesem Gespräch mit "Entweder mehr Geld, oder ich gehe!" erpresst, ist dumm.

Friedrich M. genießt die augenblicklich gute Situation für Bewerber am Arbeitsmarkt und versucht, das Bestmögliche für sich bei einem Stellenwechsel herauszuholen. Das ist angemessen. Dass er jedoch denkt, das werde jetzt immer so weiter gehen, ist ...! Richtig: dumm.

Was verbindet Erwin, Friedrich und Isolde? Sie scheinen ungemein überzeugt von sich. Sie halten sich für den Mittelpunkt, um den sich alles dreht und nach dem sich alles richtet. Dass andere die Dinge von einer anderen Warte sehen und beurteilen könnten, dieser Gedanke liegt ihnen fern. Sie gehen ihren Weg und sind überzeugt von seiner Richtigkeit. Sie hätten sich gegen alle Widerstände durchgesetzt, wird man vielleicht später von ihnen sagen und sie als visionäre Persönlichkeiten, als herausragende Begabungen beschreiben. Aber wer weiß schon so sicher von sich (vor allem am Anfang des Berufslebens), ob man ein Leuchtfeuer ist, nach dem sich alle richten werden, oder doch nur eine kleine Laterne, die grade mal den Gehweg zum Eingang erleuchtet.

Aus einer Reihe mühseliger Jahre des Lateinlernens ist mir nicht allzu viel geblieben. Aber das folgende Sprichwort kenne ich noch "Quidquid agis, prudenter agas et respice finem." - was so viel heißt wie "Was du auch tust, tue es vorsichtig und bedenke das Ende." Recht haben sie, die alten Römer ...

Mit den besten Grüßen

Ihre
Sabine Kanzler

 

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