Gar nicht komisch dieses Mal

31.10.2006

Dieses Mal also die Bundeswehr. Einige junge Männer haben jeglichen Anstand vermissen lassen, sicher auch aus einem Gruppendruck heraus, weil keiner ein "Weichei" sein wollte. Niemand hat vorher etwas geahnt, sonst hätte man natürlich...! Wirklich niemand?

Herr Hartz hat vor kurzem eingeräumt, die Zahlungen an den früheren Betriebsratschef eigenmächtig veranlasst zu haben. Hat er die Beträge eigenhändig verbucht? Ist bei der Durchsicht der Belege niemandem aufgefallen, dass das für einen Personalvorstand nicht grade übliche Betätigungen sind?

Der Chef eines Automobilzulieferes - Faurecia - hat eine jahrelange Mitwisserschaft zur Zahlung von Bestechungsgeldern an deutsche Autobauer eingeräumt. Nur er? Stand da irgendwo eine Kiste mit Geld, zu der nur ausgewählte Mitarbeiter Zutritt hatten, wenn sie Termine mit den entsprechenden Einkäufern dieser Konzerne hatten?

Gammelfleisch zum wiederholten Mal, es nimmt kein Ende! Wer etikettiert die Fleischpakete um? Eine Verpackungsmaschine? Und wer gibt da die Daten ein?

Die Fälle sind nun doch nicht vergleichbar, meinen Sie? Sie haben Recht, das sind sie nicht. Das Augenmerk soll hier auch nicht auf diejenigen gerichtet sein, die sich daneben benehmen oder sich solche Deals ausdenken und abwickeln. Interessant ist doch, warum so regelmäßig und über lange Zeiträume niemand etwas davon merkt. Oder merken will.

Wann geht Fehlverhalten los? Wie lange darf man seine Augen davor verschließen, dass da etwas nicht stimmt? Wo läuft die Grenze zwischen Mitwisserschaft, Anstand und dem Wunsch, nicht verwickelt zu werden in solch unappetitliche Vorfälle? Interne Audit-Prozesse in Unternehmen sollen solche Missstände verhindern bzw. aufdecken. Aber man liebt ja bekanntermaßen den Verrat, jedoch wurde der Überbringer der schlechten Nachricht früher vom Herrscher schon mal geköpft. Heute ist, wenn es schlecht läuft, die eigene Karriere im Eimer. Ein Arbeitsrecht, das Treuepflicht dem Arbeitgeber gegenüber hoch bewertet und so Anzeigen verhindert, ist dann nicht hilfreich.

Offenbar gibt es kaum einen Bereich im Leben, in dem man davor gefeit ist, Mitwisser zu werden. Hinsehen heißt stark sein. Ein Fass aufmachen. Ein Ärgernis darstellen. Einschränkungen in Kauf nehmen. Vielleicht sogar existenzielle Bedrohungen. Man tut offensichtlich gut daran, sich rechtzeitig - bevor irgendetwas passiert - Gedanken darüber zu machen, wie man sich in solch einem Fall wohl verhalten könnte.

Ihre Sabine Kanzler

 

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