Geht es auch ohne Sie? Wenigstens zwei bis drei Wochen?

24.07.2007

Sie sind Chef und gehen in Urlaub ... Endlich!!! Und doch: der Laptop muss mit. Und die Mailumleitung ... nun ja, es sind gerade wichtige Entscheidungen zu treffen. "Ich schau nur ab und an mal rein ...!" Die Gattin vernimmt es und denkt sich ihren Teil.

Natürlich bleibt es nicht beim Schauen, da wird auch mal eine Antwort getippt und noch eine. Bis eine Mail von einem der Mitarbeiter kommt. "Eigentlich bin ich doch zuständig. Und Du (man duzte sich in diesem Falle!) hast Urlaub! Kannst Du Dich also nicht vielleicht bitte raushalten?"

Nicht jeder Mitarbeiter wird sich trauen, seinem Chef so etwas zu schreiben. Aber jeder Chef sollte sich freuen, wenn er so einen in der Truppe hat. Die Gattin lachte jedenfalls schallend. Der urlaubende Chef blickte in einer Mischung von amüsiert und leicht betreten vor sich hin.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Kategorien von Vorgesetzten. Der Übersichtlichkeit halber sollen hier nur die Extreme beschrieben werden.

Die einen sind Vorgesetzte, die sich alles nachschicken lassen, die täglich ihre Post abrufen und auch beantworten, die zwischendurch immer mal wieder von der Liege am Pool aufspringen, weil sie jetzt gleich eine dringende Telefonkonferenz haben. Gott sei Dank geht wenigstens die Post über den Computer. Früher verstopfte die Menge der nachgesandten Faxe im Hotel schon mal alle Möglichkeiten für einen "normalen" Nachrichteneingang des Hauses.

Das andere sind die Delegierer, die keine Mühe haben, auch nach erst kurzer Einarbeitungszeit den Mitarbeiter ins kalte Wasser zu werfen nach dem Motto "Ein gut geführtes Unternehmen / eine gut geführte Abteilung läuft auch drei Wochen ohne den Chef. Machen Sie was draus!" Mit Glück hinterlassen sie eine Telefonnummer, unter der sie im Notfall erreichbar sind oder rufen ab und zu mal an um sich zu erkundigen, ob der Laden noch steht.

Weder mit dem einen noch mit dem anderen Verhalten werden Sie Ihre Mitarbeiter motiviert und zufrieden machen. Denn verantwortliches Handeln von Mitarbeitern, das Sie tatsächlich entlastet, erreichen Sie weder durch deren Überforderung und damit Angst, Fehler zu machen noch durch ständige (virtuelle) Anwesenheit und Kontrolle. Die Chance der Mitarbeiter auf eigene Entscheidungen treibt das gegen Null und es verhindert, dass Sie herausfinden, wer tatsächlich in der Lage ist, selbständig richtig und in Ihrem Sinne zu entscheiden. Es ist dann wie in der Geschichte vom Hasen und dem Igel: Sie sind immer schon da und haben alles selbst geregelt.

Dranbleiben am Tagesgeschäft oder loslassen und Fehler riskieren, diese Frage muss sich jeder stellen, der als Führungskraft Verantwortung trägt. Unabhängig von allen Theorien, was gut und richtig ist, müssen Sie als Vorgesetzter einen Weg finden, mit dem Sie sich wohl fühlen und auch entspannen können. Das kann bedeuten, dass Sie sich darauf verlassen, es werde Sie schon einer anrufen, wenn die Hütte brennt. Es kann aber auch heißen, dass Sie regelmäßig telefonische Rücksprache mit Ihrem Vertreter halten oder täglich für eine Viertelstunde in Ihre Post schauen. Im zweiten Fall müssen dann nur noch die Gattin (oder, falls Sie eine weibliche Führungskraft sein sollten) den Gatten von der Sinnhaftigkeit solchen Vorgehens überzeugen. Denn sonst sind Sie zwar ganz entspannt, was den Job angeht, haben aber dafür Stress am Urlaubsort.

Ihre Sabine Kanzler

 

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