Gute Vorgesetzte [Teil 2]

27.08.2009

"Wissen Sie …", so meinte ein Kunde kürzlich im Gespräch, "ich bin offenbar immer so gewesen … Schon als Kind habe ich immer dann wie ein störrischer Esel verweigert, sobald ich gemerkt habe, dass jemand Leistungen von mir erwartet hat. Ich konnte beispielsweise schon vor der Schule einigermaßen lesen, aber als man das bemerkt hat und mich fördern wollte, war das vorbei. Ich konnte auf einmal gar nix mehr. Jedenfalls hätte ich mich so verhalten, hat mir meine Mutter mal erzählt! Im Job reagiere ich ähnlich. Wenn ich nicht zufällig einen Chef habe, der das durchschaut und damit umgehen kann, dann habe ich ein echtes Problem damit! "

"Wissen Sie …", so begann ein anderer Kunde, Leiter einer Abteilung, "ich habe immer wieder Mitarbeiter, die sich völlig verweigern, sobald ich ihnen eine eindeutige Arbeitsanweisung gebe. Und wenn ich dann noch aus Versehen – schließlich kenne ich ja meine Pappenheimer! – das Wort 'müssen' in den Mund nehme, dann machen die endgültig dicht! Ich kann doch nicht immer jedes Wort auf die Goldwaage legen! Und schließlich und endlich müssen sie ja wirklich, sie sind ja abhängig beschäftigt und ICH bin der Chef! Speziell einen Mitarbeiter schätze ich wegen seiner Kompetenzen und seiner Leistungen, die er sehr kontinuierlich bringt, sehr, aber er reagiert wirklich auf Anweisungen wie ein Pawlowscher Hund vor dem Futternapf" – er grinst ein bisschen – "nein, er sabbert nicht, wenn ich ihm eine Anweisung gebe, aber er reagiert reflexartig mit 'Ich muss erst mal gar nichts …' Ehrlich, manchmal geht mir das ganz schön auf die Nerven!"

Die beiden kennen sich nicht, aber sie würden gut zueinander passen, nicht?

Was tut in so einem Falle der "gute Vorgesetzte"? Folgende Möglichkeiten, gerne zu ergänzen, fallen mir ein …

  • Er stellt – ganz vorbildlich nach dem Kommunikationsmodell von Schulz von Thun - auf der Sachebene klar, was er gemeint hat … oder er sendet, wenn ihm danach ist, eine Ich-Botschaft.
  • Er reagiert emotional spontan "Ich weiß, Sie müssen erst mal gar nichts. Tun Sie es einfach trotzdem, ja?"
  • Er beginnt ein Personalgespräch – oder stellt mindestens einen Termin dazu in Aussicht.
  • Er geht aus dem Raum … und hofft das Beste!
  • Er beißt (innerlich natürlich!!) in die Tischkante, entschuldigt sich und formuliert das Ganze noch mal als Bitte.
  • Er hat die Faxen dicke und schreibt eine Abmahnung.
  • Er verzweifelt und sucht sich irgendwo einen Job als Sachbearbeiter mit dem entschlossenen Gedanken, es dann seinem Chef auch mal so richtig zu zeigen … einfach um zu wissen, wie sich so ein Verhalten anfühlt!


Wofür auch immer er sich entscheidet, er hat als Vorgesetzter eindeutig den Schwarzen Peter! "Richtig" machen – jedenfalls in den Augen seiner Umgebung - kann er eigentlich nichts, denn er agiert ja nicht mit diesem einen Mitarbeiter im luftleeren Raum! Vorgesetzte werden beäugt: von den anderen Mitarbeitern, von den Kollegen auf gleicher hierarchischer Ebene, von den eigenen Vorgesetzten. Einer davon wird bestimmt etwas zu mäkeln finden bzw. es besser wissen. Vielleicht entlastet es ja zu wissen, dass es DEN Königsweg nicht gibt? Aber einen machbaren. Und der wäre? Luft holen und bis 10 zählen, sich bei nächster Gelegenheit mal grundsätzliche Gedanken zum Thema "Mitarbeiterkommunikation" machen – und (ganz wichtig!!) sich selbst und die eigene Befindlichkeit nicht aus dem Auge verlieren. Ganz nebenbei hilft vielleicht auch noch, auf die eigene Gehaltsabrechnung und dann auf die des Mitarbeiters zu schauen. Der Unterschied lässt sich dann als "Schmerzensgeld" verbuchen.

Was der "gute Mitarbeiter" tut, soll Thema einer weiteren Folge sein!

Mit besten Grüßen
Ihre Sabine Kanzler

Zum Blogbeitrag Gute Vorgesetzte [Teil 1]

 

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