Warum es manchmal schön sein kann, nicht die große Karriere zu machen

02.07.2009

Jetzt ist er wer, der Horst Hrubesch, nachdem er mit der U21 die Europameisterschaft im Fußball gewonnen hat. Jahrelang hatte er eher unscheinbar im Verborgenen gewirkt. Der Klinsmann, der war auch mal wer, besonders, nachdem die deutsche Nationalmannschaft den dritten Platz bei der Fußball erspielt hatte. Vor ein paar Wochen war er dann auf einmal niemand mehr, bloß noch ein vor die Tür gesetzter Trainer. Ottmar Hitzfeld war mal der Beste, dann war er zeitweise nur irgend so ein Mathematiklehrer, dann war er wieder der Retter und Held. Und Magath, der es ja nicht gerissen hat, ist in der Zwischenzeit mal eben mit den popeligen Wolfsburgern Deutscher Meister geworden. So schnell kann das gehen mit den Auf- und Abstiegen!

"Wenn wir alle schlagen, können wir es schaffen!" meinte Horst Hrubesch einmal zu seinen aktiven Zeiten. Es ist schon eine leidige Sache mit dem Erfolg ..., denn wie oft muss man alle schlagen und gewinnen? Einmal? Zweimal? Immer?

Was das alles mit unserem Thema "Job und berufliche Entwicklung" zu tun hat, liegt auf der Hand. Die Zeiten sind stürmisch, auch für Führungskräfte aller Hierarchiestufen. Wer früher befördert wurde, der hatte gute Chancen, seine Position zu behalten. Heute ist Scheitern fast "normal" geworden. Das heißt nicht, dass man gerne oder auch nur halbwegs offen darüber spricht, nur, dass man mit einem Bruch in der Karriere kein Einzelfall ist. Und kann man wirklich immer von "Scheitern" sprechen? Diese Bewertung setzt ja eigene Fehler voraus. Wenn aber Vorstände bei einbrechenden Märkten in Panik (und weil man meint, irgendwie sichtbar agieren zu müssen) ganze Führungsmannschaften austauschen, selbst wenn nur Bereiche umstrukturiert oder outgesourcet werden und damit der eigene Arbeitsplatz wegfällt, dann kann man persönlich alles richtig gemacht haben - inklusive der erzielten und auch nachweisbaren Erfolge. Hilft dann alles nichts!

Da steht man da... wie Magath oder Klinsmann oder Hitzfeld, finanziell leider nicht so gut abgepolstert, aber mit einem ebenso großen Knick im Ego. In der Folgezeit wird sich zeigen, wer Steherqualitäten hat und wen nur die Wellen guter wirtschaftlicher Rahmendaten und eine große Portion Selbstbewusstsein ohne die dazugehörige Substanz nach oben gespült hatten... Eine anstrengende Zeit!

"Bei mir hier läuft alles wie gewohnt ..." schrieb mir neulich eine ehemalige Kundin, "die Manager und Verkaufsleiter um mich herum werden alle im Rahmen der 'Rezession' ausgetauscht oder entlassen. Mein neuer Vorgesetzter bezieht mich sehr in die Planung für die Abteilung ein und das gefällt mir. Auch macht es mir richtig Spaß, in diesem Rahmen Schulungen zu halten. Wissen Sie noch, wie wütend ich war, als ein externer Mitarbeiter mir vorgezogen wurde, als es um die Führungsposition in der Abteilung ging? Und das, obwohl ich gute Arbeit geleistet habe in der Zeit von Aufbau und Erweiterung! Er ist längst wieder aus dem Unternehmen ausgeschieden, ich bin aber noch da, mache meinen Job gut und alle sind zufrieden. Ich auch!"

Warum ich das schreibe? Weil ich finde, dass man manche Entwicklungen, so ärgerlich oder schmerzlich sie im ersten Augenblick empfunden werden, mit ein bisschen Gelassenheit sehen sollte. Oder zumindest versuchen sollte, diese Gelassenheit zu entwickeln. Denn wer weiß schon, wozu es letztendlich gut ist!

Herzlichst
Sabine Kanzler

 

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