Über den Wahnsinn, alles auf einer Seite unterbringen zu müssen

07.03.2006

Komplexität versus Überschaubarkeit

Wenn wir interessiert sind und wenn wir nicht aufpassen, dann ersticken wir in Informationen. Im Berufsleben, wo Entscheidungen getroffen werden sollen und müssen, erhält das eine besondere Relevanz. Themen sollen so aufbereitet werden, dass Entscheider in kurzer Zeit Entscheidungen treffen können, dass die Alternativen klar sind und, last but not least, dass sie wissen was sie entscheiden. Je mehr man allerdings von einem Thema versteht, je tiefer man in die Materie eingetaucht ist, umso schwerer fällt das. Denn eigentlich ist ja alles wichtig.

Sachverhalte, Informationen zu verdichten, zu fokussieren, das Wesentliche aus dem Informationswust auf den Punkt zu bringen, das gilt als unabdingbare Voraussetzung, wenn man es zu etwas bringen will. Wer in der Lage ist, Komplexität angemessen zu reduzieren, dem gehört die Zukunft, heißt es. Wer das nicht kann, dem wird unterstellt, Dinge nicht verstanden zu haben, problembehaftet zu sein, detailverliebt und ohne den großen Überblick. Und diesen Überblick braucht man, will man Karriere machen.

Derjenige, der die Vorlage erstellen soll, ist in einem Dilemma: Sein Chef ist häufig nicht bereit, mehr als zwei Seiten zu lesen. Das ginge ja noch, wenn diese Seiten mit Schriftgröße 8 und ohne Absatz gefüllt werden dürften. Aber da gibt es außerdem noch die Anforderung an gute Lesbarkeit und optisch einigermaßen ansprechende Aufbereitung. Denn wenn es ganz dumm läuft, ist der Chef auch noch Brillenträger.

Was also tun? Wie begründen, dass z.B. ein EDV-Projekt so teuer ist, damit es die gewünschten Prozesse abbilden kann, wenn die Entscheider mangels Detailwissen die sachliche und technische Komplexität überhaupt nicht nachvollziehen können?

„Vier Seiten PowerPoint-Präsentation verkleinert auf eine Seite kopieren, das geht!“ versichern einschlägig Bewanderte und Erfahrene. Das löst aber das Dilemma nicht, ein komplexes Thema in wenigen Worten darzustellen.

Wenn Sie Glück haben, dann steht Ihr Chef grundsätzlich in der Thematik. Sie können gleich zum Punkt kommen, das Problem benennen und den Lösungsvorschlag unterbreiten. Denn er wird Ihre Abstraktionen verstehen.

Wenn Sie vor Entscheidern präsentieren, die mit der Thematik seit längerem eher aus der Helikopterperspektive befasst sind - lästige, aber störende Details verwischen sich ja, wenn man weit genug oben ist - haben Sie im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Sie machen Ihren Onepager so brisant, dass alle geködert werden und dann doch Details nachfragen. Oder Sie strahlen geballte Kompetenz aus und bekommen so einen Freibrief: „Müller, das können doch am besten Sie selbst beurteilen. Entscheiden Sie!“ Trauen Sie sich es dann zu, mit dieser Verantwortung klarzukommen?

Ihre Sabine Kanzler

 

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