Über die Kunst, die richtige Entscheidung zu treffen ...

04.04.2006

Früher war das Leben einfach! Der Burgherr hatte eine Kemenate für sich, das gemeine Volk teilte sich das Strohlager in der Halle. Man wusste, wer aus der Kemenate kommt, das ist der Boss auf der Burg.

Heute in Zeiten teurer Büroflächen in Innenstädten, von Großraumbüros und Kommunikationskonzepten in Unternehmen, die sich in der Architektur niederschlagen, ist das gar nicht mehr so einfach. Die räumliche Unterbringung von Mitarbeitern spiegelt häufig deren Position wider, macht Zusammenarbeit sichtbar, ist Statussymbol...Neben der schlichten Tatsache, dass ein Mitarbeiter in der Regel einen Schreibtisch mit Stuhl benötigt, hat ein Büro also auch eine kommunikative Bedeutung.

Da wird also eine neue Abteilung installiert und so bekommt ein junger, aufstrebender Mitarbeiter von seinem neuen Chef die Frage gestellt: „Sie wissen ja, es kommen noch zwei neue Kollegen dazu. Wir haben für Sie drei ein Einzelbüro und ein Doppelbüro. Sie haben die Wahl, wo Sie hinwollen.“

Und nun? Einfach sagen, worauf man am meisten Lust hat? So einfach ist das nicht, denn mit jeder Wahl kommuniziert man: gegenüber dem Vorgesetzten, gegenüber den neuen Kollegen, ins Unternehmen hinein. Je mehr Potential die neue Stelle bietet, je höher man bisher im Unternehmen gehandelt wurde, je zielgerichteter man seine berufliche Entwicklung verfolgt, umso mehr kommt es doch darauf an, wie man sich positioniert, oder?

Einzelbüro also! Das bekommt nicht jeder, folglich gibt das Status, das stellt einen auf die gleiche Stufe wie der Chef - raummäßig wenigstens. Und jeder sieht es, der einfach mal auf dem Flur entlanggeht. Einzelbüro also ist gut.

Aber wenn der neue Vorgesetzte jetzt auf Teamplayer steht? Wenn diese Frage an mich nur ein Test war und er mich, wenn ich mich für ein Büro für mich alleine entscheide, als egomanen Einzelkämpfer einschätzt? Und wieso überhaupt fragt er mich als ersten?

Also doch lieber das Doppelbüro! Aber ich kenne keinen der beiden Kollegen besonders gut. Wenn ich mich nun überhaupt nicht mit meinem Büropartner verstehe? Jeden Tag mit jemandem zusammen zu sitzen, den ich nicht ausstehen kann? Brauche ich das wirklich?

Dann doch das Einzelbüro... Vielleicht sieht mein Chef die Bürowahl als Zeichen von selbstbewusstem Auftreten? Als Zeichen von Stärke und Bedeutung, die ich auch nach außen zeigen will? Wenn er mich in seiner Gruppe haben will, dann hält er ja auch etwas von mir. Und das kann ja sowieso nicht schaden. Vielleicht ist es ihm ja egal, wie ich mich entscheide...

Wenn jetzt aber die beiden anderen jeder gerne alleine gesessen hätten? Und sich dann gegen mich verbünden, weil sie denken, ich werde bevorzugt? Geht ja ganz leicht, die brauchen dann bloß ein paar wichtige Informationen nicht weiterzugeben, schon bin ich außen vor und der Dumme ... Irgendwie kann ich in dieser Situation nichts wirklich richtig machen!

Wie schön wäre es, wenn jetzt der erlösende Anruf vom Chef käme: „Sie können aufhören mit Ihren Überlegungen. Wir gehen in ein anderes Stockwerk und da haben wir nur noch so etwas Ähnliches wie ein Großraumbüro!“

Ihre Sabine Kanzler

 

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