Von allerlei Getier...und seinem Bezug zur Arbeitswelt!

28.08.2007

Es gibt Lerchen und es gibt Eulen. Eulen bekommt man fast nie zu Gesicht, höchstens im Vogelpark, und selbst da verstecken sie sich häufig im Hintergrund der Voliere. Dagegen sind Lerchen wenigstens im Sommer in der Natur regelmäßig und zahlreich zu finden, im täglichen Leben zählen sie allerdings eher zur seltenen Art. Zumindest in meinem Leben. Sie ahnen es: Es geht nicht um die Vögel mit ihrem Gezwitscher, sondern um Menschen und die unterschiedlichen Zeiten, in denen sie zur Höchstform auflaufen.

Ich gestehe, ich bin nicht als Lerche geboren. Natürlich schaffe ich den morgendlichen Aufbruch ins Tagesgeschäft, aber er geht mir nicht wirklich leicht von der Hand und wer morgens mit mir intensive Gespräche führen will, muss entweder ein wirklich gutes Thema oder exorbitante Motivationskünste haben. Der Gatte (auch keine Lerche) löst das Problem durch offensichtlich zur Schau getragenes Beeilen und verbreitet damit eine gewisse Hektik. Zum wirklich pünktlichen Verlassen des Hauses führt das jedoch auch nicht.

Dagegen machen Lerchen morgens die Augen auf und sind einfach wach. Viele tragen in sich die tiefe Überzeugung, die besseren und tüchtigeren Menschen zu sein. Keine wissenschaftliche Untersuchung kann sie davon überzeugen, dass dem nicht so ist. Der Volksmund gibt ihnen Recht. Fast jeder kennt mindestens ein Sprichwort, das die Morgenstunde, die bekanntlich Gold im Munde hat, lobt. Kennen Sie etwas Vergleichbares für den Abend? Oder gar für die Liebe zum Ausschlafen? Sehen Sie!!

Um es mal festzuhalten: Lerche zu sein ist kein Verdienst, es ist eher eine Gnade. Leider sehen das die meisten Lerchen anders. Sie sind der Meinung, mit ein bisschen guten Willen könne jeder morgens gut gelaunt und fit sein. Sie sind um 7.30 Uhr im Büro... , um erst einmal genüsslich die Bild-Zeitung zu lesen. Es ist ja noch kaum einer da, der das mitbekommt!

Im Arbeitsleben prallen diese beiden "Getiere" häufig ungebremst aufeinander und auch die Einführung von Gleitzeit kann das dahinter liegende Konfliktpotential nicht wirklich entschärfen. Denn die Verteilung der Aufgaben und die damit verbundene Notwendigkeit der Zusammenarbeit nimmt auf solche persönlichen Befindlichkeiten keine Rücksicht. Wenn sich das Ganze dann noch in Ballungsräumen mit hohem Verkehrsaufkommen abspielt, die Lerchen verkehrstechnisch günstig zum Arbeitsplatz wohnen und die Eulen sich durch eine regelmäßigen Dauerbaustellenstau quälen müssen... Die Zeiten, in denen alle da und auch mit den gleichen Voraussetzungen kommunikationsbereit sind, schrumpfen so einfach zusammen.

Ein Vorgesetzter mit einem anderen Arbeitsrhythmus als dem eigenen kann auf die Dauer zu einer echten Herausforderung werden, wenn der z.B. ohne mit der Wimper zu zucken Meetings morgens um 7.30 Uhr ansetzt. Oder der von der anderen Fraktion, der den Mitarbeiter, nach vollbrachtem Tagwerk kurz nach 16.00 Uhr auf dem Weg zum Ausgang, halb ernst, halb belustigt fragt "Wie! Sie gehen schon? Ich wollte eigentlich noch etwas von Ihnen zum Stand Ihres Projektes hören. Haben Sie denn heute einen halben Tag frei?" Gibt es eigentlich Statistiken, wie sich Karrieren entwickeln, wenn man so etwas als beeinflussenden Faktor berücksichtigt?

"Der frühe Vogel fängt den Wurm" heißt es ... aber sagen Sie mal ganz im Ernst: Was will man denn damit? Muss man Würmer wirklich mögen? Man kann es doch auch mit Robert Lemke halten, dem der früher bei "Was bin ich?" immer die Frage gestellt hat, welches Schweinderl man denn wolle! Der meinte nämlich "Wer zu spät zu Bett geht und früh heraus muss, weiß, woher das Wort Morgengrauen kommt."

Der Gatte meinte übrigens nach der Lektüre dieser Kolumne "Ja, ok, aber kann es sein, dass ich da kein wirklich gutes Bild abgebe? Irgendwie könntest Du doch auch erwähnen, dass ich dafür bis in die Nacht hinein usw ... " Was ich hiermit tue! Denn die Eulen sind ja wirklich nicht weniger leistungsfähig und fleißig als die Lerchen. Ihre beste Zeit kommt eben nur etwa zwei Stunden später.

Es ist jetzt 23.50 Uhr. Gute Nacht!

Ihre Sabine Kanzler

 

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