You can say you to me...

04.11.2009

Die neue Innigkeit zwischen Guido und Horst bringt mich drauf! Und zwar auf mehrere Fragen: Von wem die Initiative dazu wohl ausging. Ob sie zwangsverordnet wurde! Von Angela beispielsweise. Oder besser "Aindschi". Vertrag geschlossen, ab sofort haben wir uns lieb und der Beweis, den wir nach außen und innen dafür liefern, ist die Tatsache, dass wir uns duzen. Vielleicht sind ja aber die beiden wirklich so locker drauf, wie damit suggeriert werden soll? Oder sie haben sich neuerdings so gern? Oder wertschätzen sich doch wenigstens so sehr, dass ein Du damit gerechtfertigt wäre. Oder sie haben die neue Anrede gewählt haben, weil sie sich damit leichter (und besser) beschimpfen können, weil sich ja bekannterweise "Du Idiot!" (um mal drastischere Ausdrücke außen vor zu lassen) leichter sagen lässt als "Sie Idiot!" Man könnte sich damit auch besser rausreden, es sei einem einfach so rausgerutscht. Und last, but not least: Ob das wirklich sein musste?

Das Du im beruflichen Umfeld ist mittlerweile weit verbreitet. In manchen Unternehmen entwickelt es sich von selbst zwischen den Kollegen, in manchen, zum Beispiel in dem mit dem Elch, ist es zwangsverordnet. Unternehmen mit sehr junger Belegschaft nutzen das Du ganz selbstverständlich: Man ist in etwa in einem Alter, man hat das Argument dafür: Es sei einfach unkomplizierter.

Unkomplizierter? Mal im Ernst: Wollen Sie jeden duzen? Oder von jedem geduzt werden?

Es gibt Menschen, denen geht dieses Du leicht von den Lippen. Es gibt auch Menschen, die atmen erst mal tief durch, wenn sie von relativ Fremden das Du angeboten bekommen oder, noch irritierender, einfach geduzt werden. Ich gehöre zugegebenermaßen zur zweiten Kategorie und frage mich in solchen Situationen, wie es eigentlich kommt, dass die Begeisterung fürs Duzen immer wieder als Begründung für ein besseres Verhältnis zwischen Kollegen herangezogen wird. "Sie" sei kühler, unpersönlicher. Ach wirklich? Kollegialität und Spaß gehen mit "Sie" ebenso und ein allgemeines "Du" unter den Kollegen hat noch kein Mobbing verhindert. Und vertragen sich jetzt F.D.P. und CSU besser, weil ihre jeweiligen Vorsitzenden in innigem Du verbunden sind? Wenn ich so die Nachrichten verfolge...

Es geht doch in der Arbeitswelt nicht vorrangig darum, Sympathiepunkte zu sammeln, indem man sich mit dem Rest der Welt verbrüdert und überall freundschaftliche Verhältnisse entwickelt. Wir sind mit unseren Kollegen weder verheiratet noch leben wir in einer WG zusammen. Es geht darum, möglichst gut seinen Job zu machen. Dazu gehören Übereinstimmungen und Spaß ebenso wie inhaltliche Auseinandersetzungen und gelegentlicher Ärger. Es ist normal, im Team zusammenzuarbeiten. Es ist ebenso normal, um attraktive Aufgaben und Jobs zu konkurrieren. Und ob das möglichst reibungslos klappt, hat weniger mit der Anredeform zu tun, sondern mit grundsätzlicher Wertschätzung, Höflichkeit und Respekt seinen Kollegen und Vorgesetzten gegenüber. Wenn die Stimmung sinkt, Konflikte nicht mehr gelöst werden können und überhand nehmen, wenn Hauen und Stechen ausbricht, dann hilft auch das Du nicht mehr weiter. Vielleicht aber ein Sie, um sich ein bisschen Distanz zum Geschehen zu bewahren.

Zudem bietet ein gepflegtes "Sie" noch ganz andere, weit reichende Möglichkeiten einer vielschichtigen Kommunikation. Oder können Sie sich folgenden Satz, den unser aller Joschka F. zum ehemaligen Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen sagte, mit einem Du vorstellen? "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein A...!"

Mit den besten Grüßen

Ihre Sabine Kanzler

 

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