Berufsanfängerin sucht erste Anstellung - eine Bewerbungstelenovela [Folge 4]

12.09.2006

Gar nicht geht es weiter. Jedenfalls bekomme ich nichts davon mit. (Und wenn Sie jetzt Schwierigkeiten haben, meinen Gedankengängen zu folgen, dann empfehle ich die Lektüre der Folgen 1 bis 3!). Ein Anruf kommt noch, ca. drei Wochen, nachdem wir „unsere“ erste Bewerbung fertig gemacht haben. Sie habe eine Anzeige eines Verbandes gefunden, zu dessen Thematik sie mit gutem Gewissen nun wirklich gar keinen Bezug habe. Was ich meine, ob sie sich denn trotzdem drauf bewerben solle, so mit dem Tenor im Anschreiben „Von Ihrer Thematik habe ich nun wirklich keine Ahnung, aber nach längerem Nachdenken und etwas Einarbeitung könnte mir der Job trotzdem Spaß machen“?

Von solch einem Vorgehen rät jedes Bewerbungsbuch und auch (fast) jeder Coach energisch ab. Ich auch. Normalerweise! Denn Firmen werden überschwemmt mit Unterlagen, die nicht im geringsten auf die beschriebenen Anforderungen eingehen, die die geforderten Kenntnisse gar nicht oder nur unzureichend nachweisen können. Eine Zumutung für jeden, der so etwas bearbeiten muss und dann noch eine höfliche, nicht kränkende Absage schreiben soll! Andererseits: Wovon haben Berufsanfänger mit einer eher generalistischen Ausbildung wie Juristen denn wirklich vertieft Ahnung? Über ihr Promotionsthema! Aber auch das ist ja eher abstrakt und behandelt keine Themen aus dem Tagesgeschäft.

„Wenn Dir etwas Nettes als Begründung einfällt, dann mach es. Im schlimmsten Fall landet Deine Bewerbung eben im Schredder... Aber dichte nicht irgendetwas zusammen von wahrer Berufung oder schon immer gehegten Wünschen, Dich gerade mit dieser Thematik zu beschäftigen. Solchen Sätzen sieht man an, dass sie nicht ehrlich sein können...“

Die Antwort auf die Frage nach dem Rücklauf der bisher verschickten Bewerbungen ist nicht wirklich ermutigend: eine Absage, eine Einladung zum Gespräch von einer wirklich sehr kleinen Kanzlei. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hier um eine Stelle mit der Vergütungsgruppe „Ein Appel und ein Ei“ handelt. Aber immerhin, ein Gespräch ist nie schlecht, und wenn es zum Üben ist!

Wenn von Kunden längere Zeit keine Rückmeldung kommt, dann gehen einem auch als Coach Phantasien durch den Kopf, was denn alles passiert sein könnte. Hat man den Ansatzpunkt gefunden, um hilfreiche Prozesse in Gang zu setzen? War die eigene Analyse über die Ursachen eines schleppend laufenden Bewerbungsverfahrens richtig? Hat die Einschätzung gestimmt, welche Form der Kommunikation in der Branche und speziell im Hinblick auf die angestrebte Stelle „ankommt“? Hat der Kunde die gegebenen Anregungen verstanden und setzt sie auch weiter richtig um? Was ist überhaupt „richtig“? Schließlich sollen das Denken des Kunden durch die Bewerbung transportiert werden, seine Erfahrungen, seine Art zu arbeiten, nicht mein Stil. Denn jeder Coach, der behauptet, den einzigen perfekten Weg zum neuen Job zu kennen, übertreibt oder neigt (wenn er wirklich daran glaubt) zum Größenwahn!

Nachfragen also? Die Anzahl der geschriebenen Bewerbungen nachprüfen? Nachlesen, ob sie denn wirklich in Ordnung sind, obwohl das im Vertrag so nicht vereinbart war? Kontrolle behalten? Oder loslassen? Vertrauen, dass der gemeinsame Weg lang genug war und die bisherigen Gespräche und Kommentare genügend Impulse gegeben haben, damit der Kunde seinen Weg erfolgreich gehen kann? Schließlich muss ja auch jeder die entscheidenden Situationen des Vorstellungsgespräches und des Neuanfangs in der Firma alleine bestehen.

Der Vater „meiner“ Juristin, der ursprüngliche Auftraggeber, jedenfalls hält sich an die Absprachen: keine Nachfragen bei mir „hintenherum“, kein Kontakt an ihr vorbei. Also warten ...

Fortsetzung folgt...

Ihr Sabine Kanzler

 

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