Fleißbildchen aus der Grundschulzeit ...

11.11.2008

...will sicher kein Arbeitgeber sehen, wenn in einer Stellenausschreibung von "aussagekräftigen und vollständigen" Bewerbungsunterlagen die Rede ist. Aber was dann? Will er alle Zeugnisse sehen, die man jemals bekommen hat? Will er die sehen, die sich inhaltlich auf die angestrebte Stelle beziehen? Und was ist in diesem Zusammenhang überhaupt ein Zeugnis?

Fangen wir mit der letzten Frage an. Mit einigen Jahren Berufserfahrung und ein paar Stellenwechseln hat man u. U. einen richtigen Stapel an Unterlagen vorliegen: mehrere Arbeitszeugnisse, eventuell sogar noch Zwischenzeugnisse aus einigen Unternehmen, Ausbildungszeugnisse, Universitätsabschlüsse, Schulabschlüsse plus diverse Nachweise für Weiterbildungen. Es gilt also, die Menge möglicher Anlagen so zu reduzieren, dass der Empfänger die Unterlagen nach wie vor als "vollständig" empfindet, ohne jedoch von einem Berg Papier oder einem umfänglichen Dateianhang erschlagen zu werden.

Da ein Zeugnis nach allgemeinem Verständnis eine Leistungsbeurteilung ist, können Sie alle Bescheinigungen über die Teilnahme an einer Weiterbildung aussortieren. Sie legen hier also nur inhaltlich relevante Bescheinigungen bei, die zudem relativ aktuell sind und Kurse belegen, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt haben. Tagesseminare erwähnen Sie am besten zusammenfassend in Ihrem Lebenslauf (z. B. Weiterbildungen zu den Themen ...). Ist Ihr Stapel schon kleiner geworden?

Kommen wir zu den Arbeitszeugnissen! Da ein Zwischenzeugnis mit der Erstellung des Endzeugnisses, das ja den gesamten Zeitraum bei einem Unternehmen beschreibt, seine Gültigkeit verliert, fallen auch die weg.

Aber weiter ... Ist es legitim, Arbeitszeugnisse wegzulassen? Wenn ja, welche? Die ältesten oder die, die am wenigsten mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun haben?

Nun, neben der Aussagekraft über die Leistungsfähigkeit eines Bewerbers dienen Zeugnissen auch dazu, den zeitlichen Ablauf und die beruflichen Stationen, den man im Lebenslauf angibt, zu belegen. Fehlt ein Zeugnis, kann das gewaltige Irritation auslösen. Warum fehlt es? Weil es so schlecht ist und z.B. auf arbeitgeberseitige Kündigung hinweist? Weil dort die Arbeitsinhalte lange nicht so anspruchsvoll beschrieben sind wie im Lebenslauf? War der Bewerber in dieser Zeit arbeitslos? Krank? Oder gar im Knast? Der Phantasie öffnen sich hier Tür und Tor! Dummerweise oft in die negative Richtung ... Die Konsequenz? Sie legen alle Arbeitszeugnisse bei! Ausnahmen bilden Zeugnisse über Praktika, wenn Sie schon einige Jahre im Job sind.

Aber das Schulzeugnisse? Wer will das wirklich noch von einem 40-jährigen sehen? Was sagen das nach so langer Zeit noch aus? Viele Personaler vertreten immer noch die Meinung, dass der höchste Abschluss einer allgemein bildenden Schule in die Bewerbungsmappe gehört ... egal, ob dieser Abschluss jetzt zwei oder zwanzig Jahre zurückliegt.

Und glauben Sie, jemand mit einem Notendurchschnitt zwischen 1 und 2 würde sein Schulzeugnis nicht mitschicken, gleich, ob es ein Hauptschul-, Realschul- oder Abiturzeugnis ist? Jemand mit guten Noten betont die eher noch, entweder indem er sie in den Lebenslauf aufnimmt oder indem er sie im Rahmen seines Bestrebens, sich ständig und erfolgreich weiter zu entwickeln, erwähnt. Auch hier könnte der Leser der Unterlagen ins Grübeln kommen, warum Sie hier eine Lücke präsentieren. Und vermuten, dass Ihre Noten weitaus schlechter sind als es den Tatsachen entspricht.

Gerade beim Schulzeugnis scheiden sich die Geister und es werden leidenschaftliche und entsprechend konträre Diskussionen geführt, ob man es wirklich beilegen soll und muss. Aber vollständig ist eben vollständig und wer hat schon Lust, mit jedem Bewerber im Einzelnen klären, welche Unterlage er denn schicken soll und welche nicht.

Jetzt mal ganz unter uns ... was hindert eigentlich Bewerber, die Sache mit den Unterlagen pragmatisch zu sehen? Unter "vollständige Unterlagen" versteht man gemeinhin alle Zeugnisse inklusive des höchsten Schulabschlusses. Und wenn die gefordert werden, um eine Bewerbung zu bearbeiten und mich der Job interessiert, dann schicke ich mein Abschlusszeugnis eben mit. Oder wie sehen Sie das?

Ihre
Sabine Kanzler

 

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