Hinfallen ist keine Schande ... [Teil 1]

18.09.2007

Wer sich nach einer Zeit der Selbständigkeit auf eine "ganz normale Stelle" mit einem Angestelltenvertrag bewerben will, der beschreibt das eigentlich fast immer als schwieriges Unterfangen. Kunden zu akquirieren, die eigene Leistung beschreiben, für sich und sein Unternehmen zu werben, das alles gehörte in der Selbständigkeit zum täglichen Brot. Nun, im eigenen Bewerbungsverfahren, fehlen die Ideen.

Wie belegt man, was man getan und geleistet hat? Es gibt ja keine Arbeitszeugnisse und vielleicht hat man auch versäumt, regelmäßig von zufriedenen Kunden Referenzen zu erbitten. Ist das eigene Leistungsprofil interessant für den Arbeitsmarkt? Und vor allem: Wie will man diesen Schritt raus aus der Selbständigkeit dem zukünftigen Arbeitgeber gegenüber begründen?

Natürlich gibt es (Vor-)Urteile. Die Frage, ob eine Selbständigkeit nicht deshalb aufgegeben werden soll, weil es nicht so gut läuft damit, weil man es satt hat, hinter Aufträgen herzujagen, weil man müde ist und es im Grund nicht "gepackt" hat, ist immer da. Man wirkt in diesem Zusammenhang wenig überzeugend, wenn man mit der fehlenden Einbindung in eine Arbeitsgruppe, in ein Team argumentiert. Denn bei Erfolg wäre es ja möglich gewesen, Mitarbeiter einzustellen, und schon hätte man seinen Kreis zum Austausch, zur Zusammenarbeit gehabt. So bleibt die Unterstellung, zurück ins warme Nest eines Angestelltenverhältnisses zu wollen mit regelmäßig auf dem Konto eingehendem Gehalt und mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Kein besonders überzeugendes Argument für den zukünftigen Arbeitgeber.

Auch dass man nach langer Selbständigkeit Schwierigkeiten haben könnte, sich in Zukunft mal etwas von seinem Chef sagen zu lassen, ist eine gängige Meinung. Und damit verbunden ist der mehr oder minder versteckten "Vorwurf", sicher "schwer zu führen" zu sein. Es ist schon etwas dran an dieser Befürchtung, wenn wir mal ganz ehrlich sind, oder ...? Wer holt sich so jemanden schon gerne und freiwillig ins Haus?

All diese Vermutungen müssen nicht stimmen, die Phantasien über die genannten Punkte und noch einige mehr existieren aber, und mit denen muss sich der Selbständige, der zum Bewerber wird, befassen. Er muss sich dieses Rollenwechsels bewusst sein, mehr noch, er muss sich damit auseinandersetzen und ihn akzeptieren.

Gerade Menschen, die entweder noch nie oder schon lange nicht mehr abhängig beschäftigt waren, müssen lernen, sich in Organisationen angemessen als Angestellte zu bewegen, müssen Hierarchien erkennen und müssen akzeptieren, was sie für ihr Verhalten bedeuten. Sie müssen einfach ein Gespür dafür entwickeln, was geht, was vielleicht geht und was ganz und gar unmöglich ist.

Was also tun? Wie vorgehen? Denn irgendetwas müssen ja auch diejenigen machen, bei denen es mit der Selbständigkeit nicht so gut gelaufen ist. Mit Hartz IV alt werden ist ja keine wirklich gute Lösung! Was Sie auf keinen Fall tun sollten: sich ohne Vorbereitungen wild auf alle möglichen Stellen bewerben!

Recherchieren Sie Ihren persönlichen Arbeitsmarkt, versuchen Sie vor allem auch herauszubekommen, ob nur Sie Absagen erhalten, oder ob Menschen mit vergleichbarer Qualifikation und Erfahrung UND einer Vergangenheit im Angestelltenverhältnis AUCH Absagen bekommen.

Arbeiten Sie Ihre USP heraus, Ihre Unic Selling Proposition, Ihren KKV (Komperativer Konkurrenzvorteil), Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, nicht schön gefärbt, sondern realistisch und durchaus auch selbstbewusst.

Machen Sie sich eine Liste von den Befürchtungen, die man gegenüber Selbständigen, die ins Angestelltenverhältnis zurück wollen, im Allgemeinen und Ihnen gegenüber mit Ihrer individuellen beruflichen Geschichte im Besonderen hat. Überlegen Sie bei jedem einzelnen Punkt, wie Sie den entkräften können und vor allem, welche Belege Sie dafür haben. Vermeiden Sie solche Sätze wie "Sie können davon ausgehen, dass ich flexibel, leistungsbereit und teamfähig bin." Sprechblasen überzeugen niemanden wirklich.

Und dann gehen Sie es an - mit viel Durchhaltevermögen und einer soliden Portion Optimismus!

Fortsetzung folgt ...

Ihre Sabine Kanzler

 

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