Hinfallen ist keine Schande ... aber wie kommt man bloß wieder hoch? [Teil 2]

Wer nur von der Selbständigkeit in ein Angestelltenverhältnis wechseln möchte, der hat sicher einen gewissen Spielraum in der Argumentation, warum er das tun möchte. Wer sein Unternehmen aufgeben muss, weil es insolvent geworden ist, hat keine Chancen, etwas schön zu reden: Pleite ist in den Augen der Umwelt pleite, und das ohne Wenn und Aber. Es ist ein harter Weg, den Ausspruch "Hinfallen ist keine Schande, aber liegen bleiben!" als Ansporn zu nehmen und sich wieder aufzurappeln

Theoretisch und entsprechend abstrakt wird vieles nicht so deutlich. Deshalb ein Beispiel aus dem richtigen Leben, das zeigt, dass es möglich ist. Und wie es möglich ist.

Vor ziemlich genau vier Jahren bekam ich Kontakt zu einer Dame, damals Ende 30, die auf der vergeblichen Suche nach einer neuen Tätigkeit ziemlich entmutigt war. Ihr Unternehmen, ein Betrieb im Bereich Hotel / Gastronomie, hatte Insolvenz anmelden müssen. Und das nicht deshalb, weil ihre Arbeit dort nicht erfolgreich gewesen wäre, sondern weil die Finanzdecke von vorn herein zu dünn kalkuliert war und die Banken trotz einer positiven Entwicklung nicht weiter in ein in ihren Augen unsicheres Geschäft investieren wollten. Sie hat alles vorbildlich abgewickelt, alle Verbindlichkeiten waren beglichen. Allerdings stand sie nun vor dem finanziellen Nichts, zwar mit vielen Kenntnissen und Erfahrungen, als Hotelkauffrau eher Praktikerin (ohne Studium). Dazu hatte sie nur während ihrer Ausbildung und kurz danach als Arbeitnehmerin gearbeitet. Also genau die Art von Mitarbeiterin, die die meisten Unternehmen scheuen, vor denen sie irgendwie Angst haben.

Die übliche Arbeit bei einem Coaching: Bestandsaufnahme, Optimierung des Lebenslaufes, Herausarbeiten der Fähigkeiten, Erfolge benennen, "Beweise" dafür sammeln, ein Brainstorming für mögliche Arbeitsfelder, Bewerbungsstrategien entwerfen und Anzeigen suchen, Bewerbungsschreiben entwickeln etc. Währenddessen jobbt sie, um sich finanziell über Wasser zu halten.

Natürlich ergeben sich Möglichkeiten. Aber die sind entweder so schlecht bezahlt, dass sie damit nie wieder finanziell auf die Beine käme, oder das berufliche Umfeld erscheint so chaotisch, dass die Schließung des zu übernehmenden Betriebes nur eine Frage der Zeit zu sein scheint. "Und 7 Tage die Woche mindestens 12 Stunden am Tag arbeiten, nur um den Laden für jemand anderen wieder in Ordnung zu bringen, und das für dieses Gehalt ... nein, also so verzweifelt bin ich noch nicht!" Und bei manchen Telefonaten im Vorfeld ist man ganz angetan von ihren Erfahrungen und ihren guten Referenzen, aber "Es ist wirklich schade, dass Sie keinen Studienabschluss haben, Frau X, aber in unserem Umfeld..." Also neu überlegen, Vorgehensweisen ändern und gemeinsam Kundin und Coach nicht den Glauben verlieren, dass es in absehbarer Zukunft klappen wird. Denn an dieser Frau ist nichts falsch: Sie ist kompetent, sie will arbeiten und zupacken, sie verfügt über soziale Fähigkeiten, sie ist sehr sympathisch ... und ganz sicher auch teamfähig!

Die regionale Suche ist längst auf eine überregionale, deutschlandweite ausgedehnt. Und auf das deutschsprachige Ausland. Aus der Schweiz kommt nach 7 Monaten irgendwann das Angebot, das zum Erfolg, zum neuen Job führt. Zufall? Oder geht man dort mit solchen beruflichen Entwicklungen anders um? Als sie mich anruft und sagt, sie habe gerade den Vertrag unterschrieben, kommen mir fast die Freudentränen.

Und heute, vier Jahre später? Vor einigen Tagen bekam ich eine Mail. Es geht ihr gut. "Meine Jobsituation kennst du ja jetzt: Tolle Firma, sehr sozial, relativ viel Freizeit, mäßiger Verdienst, Langeweile bei der Arbeit. Ich bin aber immer noch brav da ... obwohl es mir manchmal schon stinkt, mit wie vielen Trotteln als Vorgesetzte man sich rumärgern muss ... aber das ist wohl so. Mein Wunsch nach einer beruflichen Veränderung ist da. Aber ich genieße auch die geregelte Arbeitszeit, den Urlaub, das pünktlich eingehende Gehalt. Und ich habe Zeit für eine Beziehung. Das ist auch schön! Letztens bin ich sogar für 10 Tage nach Thailand geflogen ... so einfach nur mit Flugticket und dann durchs Land gereist mit Zug und Bus ... wie man das normal mit 20 macht ... bin halt ein bisschen verkehrtrum in meinem Leben."

Alles ist ziemlich gut geworden. Und bestimmt wird sich bei ihr noch einiges im Leben und im Job ändern. Sie ist der Typ dafür. Da wir in Verbindung bleiben, werde ich davon hören!

Ihre Sabine Kanzler

 

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