Passen Recruiter und Jobsuchende einfach nicht zueinander? [Teil1]

21.02.2006

Über enttäuschte Erwartungen, trügerische Grundannahmen und irrige Begrifflichkeiten

Es gibt auf der Seite der Bewerber ganz sicher Ekelpakete. Ebenso sicher gibt es unter den Personalern und Recruitern grenzwertiges Verhalten: Inkompetenz und Unhöflichkeit, manchmal bis hin zur regelrechten Unverschämtheit. So sind Menschen eben manchmal.

Wenn man sich umhört, scheinen jedoch die Vertreter dieser oben beschriebenen Gattung so gut wie nie aufeinander zu treffen. Schade eigentlich, denn dann würde auf den groben Klotz doch endlich mal der grobe Keil treffen. Nein, in der öffentlichen Diskussion finden wir in der Regel Opfer und Täter. Und die Täter sind immer die anderen.

Vermutlich wäre es leichter, wenn alle am Spiel Beteiligten sich immer bewusst machen würden, dass sie erst einmal unterschiedliche Interessen im Gespräch haben: Der Bewerber will einen optimalen Eindruck hinterlassen (selbst auf die Gefahr der mehr oder weniger starken Übertreibung seiner Kenntnisse und Fähigkeiten), die Unternehmensseite (Personaler oder beauftragter Recruiter) will wissen, ob da alles Gold ist, was glänzt, will überprüfen, was hinter der Fassade steckt. Dass dieser Prozess des gegenseitigen Abgleichs nicht reibungs- und konfliktlos ablaufen kann, ist eigentlich klar.

Eine Flut von Bewerbungsratgebern druckt alle gängigen Fragen des Vorstellungsgespräches ab, teilweise sogar mit Empfehlungen für „richtige“ Antworten. Selbst Aufgabenstellungen aus Assessmentcentern sind zu bekommen. Der Bewerber hat also die Chance, sich vorzubereiten. Und das tut er in der Regel bis hin zum Auswendiglernen von Antworten auf die leidige Frage nach den persönlichen Schwächen. Was die Unternehmen zu sehen bekommen, ist deshalb immer seltener authentisches Verhalten, sondern "eingeübte Reaktion" mit dem Ziel, das zu zeigen, was der Arbeitgeber vermutlich sehen will.

Es kann gar nicht oft genug gesagt und geschrieben werden: Im Bewerbungsgespräch will und muss man den Kandidaten in möglichst kurzer Zeit - in der Regel ein bis maximal zwei Stunden - möglichst gut kennen lernen. Das geht nicht beim Kaffeeplausch mit Smalltalk. Man muss in solch einem Gespräch überraschen, verblüffen, aus dem Takt bringen, um hinter die vorbereitete Maske zu sehen. Ungewöhnliche Fragen, Nachhaken, auf Widersprüche hinweisen ist also eher das normale Interviewverhalten. Keine Unhöflichkeit also und auch keine Bosheit. Es signalisiert Neugier und Interesse an der Person des Bewerbers.

Die Bewertung, was ein „gutes“ Gespräch war, wird der Bewerber so beantworten: „Wenn ich das Bild von mir als idealer Kandidat, das ich vorbereitet habe, glaubhaft rübergebracht habe“. Für denjenigen, der einstellt wäre das eher ein Beweis von Unvermögen oder Unerfahrenheit. „Wenn ich das Bild als idealer Kandidat, das der von sich vorbereitet hat, im Gespräch so abgeklopft habe, dass ich Wahrheit von schönem Schein trennen kann, dann bin ich zufrieden.“

So gesehen, ist unsere Ausgangsfrage dann doch eher eine Aussage: Jobsuchende und Recruiter passen im Grunde wirklich nicht zueinander..., sie müssen aber irgendwie miteinander auskommen!

Fortsetzung folgt...

Ihre Sabine Kanzler

 

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