Passen Recruiter und Jobsuchende einfach nicht zueinander? [Teil3]

18.04.2006

Und wie es vielleicht doch etwas werden kann miteinander ...

Wenden wir uns heute hauptsächlich der Bewerberseite zu. Die hat häufig dann doch die (etwas) schlechteren Karten.

Wie schon geschrieben: Ein Vorstellungsgespräch ist kein gemütliches Beisammensein - vor allem für den Bewerber. Denn hier treffen die unterschiedlichen Interessen im „richtigen Leben“ aufeinander, nicht abgepuffert durch die Schriftform oder durch das Telefon. Es hilft einem Bewerber viel, diese Grundwahrheit zu akzeptieren. Dazu gehört aber auch die Einsicht, dass er hier oft die einzige Möglichkeit hat, hinter die Hochglanzbroschüren der Unternehmen zu schauen.

Der Personalleiter von Peek & Cloppenburg berichtet in der ZEIT (Nr. 4/19.01.06), man würde dort beim Recruiting von Hochschulabsolventen eine Party veranstalten: Im lockeren Umfeld könne man besser feststellen, ob jemand zum Unternehmen passe. Überhaupt würde er am liebsten jeden Bewerber zu Hause besuchen. Das Wohnzimmer, der Partner sagten einfach mehr über einen Menschen aus als alle Unterlagen. Warum? Rollen spielen falle in einem wenig definierten Rahmen schwerer als in der vergleichsweise kontrollierbaren Gesprächssituation, in der Vorstellungsgespräche normalerweise stattfänden.

Also zur Lässigkeit verführende Situationen schaffen? Grenzüberschreitungen im Auswahlverfahren als ultimatives diagnostisches Instrument einsetzen? Wirklich nicht jedermanns Sache. Dennoch: Will man als Bewerber im Spiel bleiben, muss man einen Weg finden, mit dem Informationsbedürfnis der Recruiter (das ja durchaus seine Berechtigung hat!) umzugehen. Natürlich gibt es Regeln, was gefragt werden darf und was nicht. Religion und politische Überzeugung, das Privatleben allgemein sind tabu, die leidige Kinderfrage an Frauen darf mit einer Lüge beantwortet werden. Aber dieses Wissen hilft nicht wirklich weiter. Denn wenn eine Frage gestellt ist, dann steht sie erst mal im Raum und man muss etwas mir ihr machen, ganz gleich, ob sie erlaubt ist oder nicht!

Die Schmerzgrenze, was als Zumutung empfunden wird, ist bei Bewerbern sehr unterschiedlich ausgeprägt. Für manche ist schon die Frage zuviel, wie man denn mit schwierigen Menschen im Bekanntenkreis umgehe, andere lassen sich ausgewachsene Unverschämtheiten gefallen, entweder weil diese an ihnen einfach abprallen oder weil sie hilflos sind.

Was also tun? Wie sich verhalten? Zwei kleine Geschichten aus dem Leben können vielleicht Entscheidungshilfe geben...

Eine Sekretärin (mit eher chaotischem Ausbildungsverlauf in ihren „wilden“ jungen Jahren, danach jedoch mit sehr qualifizierter beruflicher Tätigkeit und ausgezeichneten Referenzen) wird, als es ums Gehalt geht, vom Geschäftsführer gefragt, warum er denn, sinnbildlich, einen Porsche bezahlen solle, wenn er doch mit ihr eher einen alten Polo bekäme. Sie stand auf, forderte ihre Unterlagen zurück mit den Worten „Dann suchen Sie Ihren Porsche mal weiter!“ und ging. Der Herr sei doch sehr verblüfft gewesen, hörte man.

Die zweite Geschichte handelt ebenfalls von einer jungen Frau, die im Rahmen eines Seminars mal so ein richtig hartes Gespräch durchspielen wollte, auch gerne mit „gemeinen“ Fragen, einfach, um gewappnet zu sein. Der Seminarleiter gab sich alle Mühe. Nach einer halben Stunde gab er entnervt auf. Sie war, nachdem sie freundlich und offen und spontan geantwortet hatte, überrascht: „Schon vorbei? Das war doch noch gar nicht so schlimm!“ Gefragt, wie man denn so viel Gelassenheit vorbereiten könne, meinte sie, sie könne die Personaler schon verstehen. Sie wäre ja auch neugierig, wenn sie jemanden einstellen würde! Warum also diese Neugier nicht befriedigen? Und für die ein, zwei Sachen, die nun wirklich niemanden etwas angingen, habe sie sich vorher eine plausible Antwort überlegt.

Gibt es eine Quintessenz aus all dem? Ein Verhalten, das zum Erfolg führt? Folgendes gehört sicher dazu: Die Akzeptanz, dass es unterschiedliche Interessen im Recruitingprozess gibt, dass immer nur eine(r) die ausgeschriebene Stelle bekommen kann, sich so vorbereiten, dass man sich selbst keine Versäumnisse vorwerfen muss, selbstbewusst in sich ruhen – und auf das notwendige Quäntchen Glück hoffen, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Denn das braucht es auch!

Über die Leiden von Personalverantwortlichen und Recruitern bei der Stellenbesetzung soll ein andermal die Rede sein.

Ihre Sabine Kanzler

 

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