Sie verfolgen uns ... Zeugnisse [Teil 1]

01.07.2008

Haben Sie gedacht, es sei vorbei, als Sie Ihr Ausbildungs- oder Studienzeugnis überreicht bekommen haben? Vorbei mit manchmal undurchschaubarer Notengebung - die in der Regel doch immerhin auf sachlichen Fragen beruhte, bei denen sich nach klaren Kriterien "richtig" oder "falsch" urteilen ließ. Gut, Deutschaufsätze, Referate ... aber im Großen und Ganzen ... Haben Sie damals geahnt, dass es jetzt im Berufsleben mit den Beurteilungen erst so richtig losgehen würde? Dass neben der Bewertung Ihrer sachlichen und fachlichen Kenntnisse auch noch Eigenschaften, die ganz, ganz früher in der Schule unter "Fleiß" und "Betragen" liefen, quasi zensiert würden! Wo wir solche Bewertungen in der Schule doch hinter uns gelassen hatten! Ich jedenfalls habe nicht damit gerechnet.

Und so war ich an alte Zeiten erinnert, als ich mein erstes Arbeitszeugnis erhielt. Es war in Ordnung, jedenfalls hatte ich den Eindruck, aber richtig Ahnung, was ich da in den Händen hielt, hatte ich nicht. Auch nicht, ob und - wenn ja - welche Auswirkungen es auf mein weiteres berufliches Leben haben würde. Ich war also reichlich blauäugig. Und trotz unendlicher Informationsmöglichkeiten in Zeitungen und Büchern, trotz Internet mit all seinen Suchmaschinen scheint es einigen zu diesem Thema immer noch so zu gehen. Das Dumme: diese Ausführungen treffen nicht nur Arbeitnehmer zu, nein, auch Zeugnis ausstellende Firmen scheinen nicht immer genau zu wissen, was sie tun ... nicht nur der Kleinstbetrieb um die Ecke, sondern ebenso große Unternehmen.

Ein Zeugnis soll Auskunft geben über das, was ein Arbeitnehmer in der Zeit seiner Anstellung getan hat und darüber, wie er es getan hat, dazu auch noch, wie sein Verhalten Vorgesetzten, Kollegen und Externen (Kooperationspartner, Kunden ...) gegenüber war. Und weil deutsches Recht, deutsche Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind, wie sie sind, hat sich durch unzählige Arbeitsgerichtsverfahren eine differenzierte (manche sagen auch: unsägliche) Zeugnissprache entwickelt, die immer wieder bei allen Beteiligten für Missverständnisse sorgen kann. So weit, so gut. Oder auch: so schlecht.

Unzulänglichkeiten bei der Zeugniserstellung eröffnen weite Interpretationsmöglichkeiten der Texte. Manchmal schon fast skurrile Geschichten, worin verschlüsselte Botschaften im Zeugnis bestehen könnten (Häufung von Leerzeichen zwischen zwei Worten, Häkchen an bestimmten Stellen, die darauf hinweisen würden, der Empfänger solle doch den Kollegen Personaler mal anrufen ...) tun ein Übriges, Unsicherheit oder Misstrauen zu schüren. Und: Wer weiß so genau, ob das vorliegende Zeugnis vom Fachvorgesetzten entworfen wurde? Oder von der Personalabteilung, die den betreffenden Mitarbeiter kaum kennt? Wahlweise mit einer professionellen Zeugnissoftware, für die es eine ganze Reihe guter Anbieter gibt, oder aber, gut gemeint, jedoch laienhaft, selbst gedichtet! Vielleicht wurde es ja vom Mitarbeiter selbst geschrieben? Von einem externen Fachmann im Rahmen einer Zeugniserteilungsklage erstellt? Vielleicht wurden auch nur die gewünschten Noten in einem der im Internet frei zugänglichen und kostenfreien Zeugnisgeneratoren eingegeben und dann - klick - als fertiges und "perfektes" Zeugnis ausgedruckt. Der Möglichkeiten sind gar viele ...

Es ändert sich demzufolge bei manchem der Umgang mit Arbeitszeugnissen und auch die Wertschätzung dieser Dokumente. Eine Meinung: "Wer nimmt denn wirklich Ernst, was da drin steht?" Eine andere, sich aus dieser Einschätzung durchaus logisch entwickelnd: "Ich lege meinen Bewerbungen sowieso nur das letzte und vielleicht noch das vorletzte Zeugnis bei. Alles, was weiter zurück liegt, interessiert doch keinen!"

Also, was sagen Zeugnisse heute tatsächlich noch aus? Bieten Sie dem Leser wirkliche Informationen? Dazu ein paar Eindrücke ... das nächste Mal!

Ihre
Sabine Kanzler

Bitte beachten Sie auch den Beitrag "Das Arbeitszeugnis" von Edmund Hellmich.

 

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