Spielregeln

16.07.2009

Ein junger Mann, nennen wir ihn der Einfachheit halber "Müller", sucht ein Praktikum. Ganz besonders und ganz heftig bei einem namhaften Konzern. Erstens verspricht er sich davon erhöhte Chancen, nach seinem Studium dort eine Stelle zu bekommen. Das Unternehmen gilt als hochattraktiver Arbeitgeber mit "sexy" Produkten, attraktiven Aufgabenstellungen und last but not least: Es zahlt gut! Und selbst, wenn es mit der Festanstellung nichts werden sollte, der Name des Unternehmens würde sich richtig gut in seinem Lebenslauf machen, meint Müller. Und wir kommen zur Spielaufstellung!

Wir haben

  • ein Spielfeld: ein attraktives Unternehmen, einen Arbeitsmarkt, welcher Absolventen für einen ersten Job auch nach den bisher abgeleisteten Praktika beurteilt
  • eine Praktikumsstelle: das Ziel
  • mehrere Fachvorgesetzte, sozusagen die Mitspieler mit Ereigniskarten und Jokern, die sie nach ihrem Gusto einsetzen können
  • eine Personalerin, die würfelt und die Kandidaten übers Spielfeld schickt
  • und Herrn Müller. Der steht auf "Los" und bewirbt sich


Alle zusammen spielen nach unterschiedlichen Gesichtspunkten und Interessenslagen das Spiel "Wie besetze ich eine Praktikantenstelle?“ Jeder hat seine Vorstellungen und seine (Wunsch-)Regeln, wie das alles laufen sollte. Nicht jeder kennt genau die Regeln des anderen. Nun gehen alle auf "Los“ und fangen an. Herr Müller bekommt von der Personalabteilung eine Einladung und läuft los, hat ein ausführliches Vorstellungsgespräch, spielt mit Leib und Seele, erhält eine Absage ... ... zu wenig Erfahrung im Bereich, aber gut, das kann passieren ... ! Er wird vom Fachvorgesetzten-Männchen rausgeworfen. Sagt die Personalerin. Müller muss ihr glauben. Dabei - beim Rauswurf - war er nämlich nicht.

Kurze Zeit später eine erneute Einladung durch die Personalerin: gleiches Thema, gleicher Ablauf mit neuen Personen in einer anderen Fachabteilung, Absage durch den Fachvorgesetzten wegen zu wenig Erfahrung. Nach dieser zweiten Spielrunde (nahezu identisch mit der ersten) Spielrunde kommt Müller ins Grübeln, ob ihm dieses Spiel noch Spaß macht. Dem Unternehmen macht es offensichtlich noch Spaß, denn es lädt ihn zu einer dritten Runde ein. Müller ist zwar hochgradig verwirrt, fährt aber hin, weil er soooo gerne ins Zielfeld kommen will. Er spielt ein drittes Mal –- the same procedure as last year –- und hat jetzt, nach der dritten, nahezu wortgleichen Absage, die Faxen dicke. Er fragt sich allerdings, welches Spiel da eigentlich gespielt wird und ob es da irgendwelche Spielregeln gibtgäbe, die ihm bislang unbekannt waren. Versuchen wir uns also in hilfreichen Interpretationen ...

Eine Möglichkeit: Das Unternehmen arbeitet bei der Personalbeschaffung unprofessionell. Es findet intern zwischen Personal- und Fachabteilung wenig und/oder ungenügende Kommunikation statt.

Eine andere: Die Fachvorgesetzten, offenbar kleine Landesfürsten im Unternehmen, haben die Personalerin öffentlich regelrecht vorgeführt und ihr - und Herrn Müller - gezeigt, was sie von ihr halten, nämlich nichts.

Oder Personalabteilung und Fachabteilungen haben grundsätzlich unterschiedliche Vorstellungen, was ein Praktikant an Vorerfahrungen schon mitbringen sollte.solle. Das spricht allerdings wieder für eine mangelnde interne Kommunikation.

Vielleicht hat es ja auch Herr Müller in allen Gesprächen so richtig verhauen? Aber wie kann eine qualifizierte Personalerin zu derartig falschen Einschätzungen kommen und ihn nach einem ersten Desaster noch zwei weiteren Abteilungen vorschlagen?

Auf alle Fälle scheint Müller ganz schön scharf auf einen Job in diesem Unternehmen gewesen zu sein, dass er sich derart angepasst und alle Gespräche bis zum bitteren Ende durchgestanden hat. Oder er hat sich irgendwie geschmeichelt gefühlt durch so viel Interesse ...

Was bleibt, ist sein Gefühl, herumgeschubst worden zu sein. Aber hätte es für ihn Alternativen gegeben? Und wenn ja, welche?

Müller hätte von seiner Seite aus die Spielregeln verändern können. Zum Beispiel vor dem dritten Gespräch sagen, er habe jetzt die Nase voll., Auf die die alte Weisheit der Dakota-Indianer zurückgreifen: "Wenn das Pferd tot ist, sollte man absteigen." Die Art und Weise des Auswahlprozesses mit Personalerin und Fachvorgesetzten thematisieren. Es gibt da bestimmt noch weitere Möglichkeiten! Im Verhältnis Unternehmen –- Bewerber wäre so ein Verhalten ein klarer Regelbruch. So etwas ist immer risikoreich. Aber vielleicht hätte man dadurch in Müller den künftigen Vorstandsvorsitzenden erkannt!?

 

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Sabine Kanzler-Magrit
 

Sabine Kanzler-Magrit

Blogautorin zu den Themen Bewerbung und Kommunikation

 

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