"Stuttgart ist viel schöner als Berlin..."

11.07.2006

...und mal ganz ehrlich: Wer findet das nicht, nachdem wir abends das Endspiel zwischen Italien und Frankreich gesehen haben? Denn wie man aus dem Spiel um den dritten Platz das eigentliche Finale macht, das haben die deutsche Nationalmannschaft und ihre Fangemeinde (wer gehört da eigentlich nicht dazu?) ja eindrucksvoll bewiesen!

In Paris war auf den Champs Élysées nach dem Spiel auch nicht besonders viel los, und der Trainer Raymond Domenech hat sich gegen ein Defilee heute Abend ausgesprochen. Im Gegensatz zu der Megafete in Berlin. Ist es also emotional besser, das kleine Finale zu gewinnen als das große zu verlieren? Obwohl man dann ja „nur“ Dritter ist? Man geht am Schluss immerhin als Sieger vom Platz.

Ehrgeizig sein, seine berufliche Entwicklung voran zu treiben, Erfolg haben und Karrieremachen ... all das ist der Wunsch vieler. Ziele zu erreichen, diesen Flow zu spüren, als ob einem die ganze Welt offen steht, ist zweifellos eine feine Sache. Jeder sollte das irgendwann spüren dürfen! Doch die Selbstverständlichkeit des Aufstiegs früherer Jahre ist dahin, selbst wenn die entsprechenden fachlichen und persönlichen Qualifikationen vorhanden sind. Es ist noch nicht einmal selbstverständlich, den schon erreichten Level zu halten. Das muss gar nicht an einer persönlichen Minderleistung liegen. Die Zusammenlegung von Abteilungen beispielsweise, die Entscheidung, eine Position nicht mit vorhandenem Personal zu besetzen, sondern extern frische Kompetenz einzukaufen, die Rückkehr aus einem Auslandseinsatz zu einem ungünstigen Zeitpunkt ... das alles kann dazu führen, dass in dem Augenblick, in dem ein interner Wechsel ansteht, keine hierarchisch entsprechende Position frei ist. Gehen oder bleiben, ist dann die Entscheidung.

Mit Mitte 30 ist das nicht wirklich eine Frage. Man hat die ersten Erfolge vorzuweisen, ist im besten Wechselalter ... warum also mit mangelnden Aufstiegsmöglichkeiten leben? Wenn nicht persönliche Gründe an den Arbeitsort binden, fällt die Entscheidung für einen Wechsel nicht schwer.

Ab Mitte 40 ist solch eine Entscheidung schon schwerer zu fällen. Gerade im mittleren Management sind die Positionen ja anderswo auch nicht so dicht gesät. Und in den 50ern bleibt häufig nur das „Gehen“ und der frühzeitige Eintritt in den Ruhestand übrig.

Wirklich? Was wäre, wenn man offen für Alternativen wäre? Ein verändertes Arbeitsgebiet, verbunden mit einer Rückstufung? Der Verlust von Privilegien? Wie hoch wäre der Preis? Und wie verkraftet das eigene Ego diese Veränderung?

Gerade die letzte Frage entpuppt sich oft als die entscheidende. Im Glauben an die eigene Unersetzlichkeit neigen manche zu Kraftproben mit dem Unternehmen, die sie nicht gewinnen können und die mit dem Angebot eines Aufhebungsvertrages enden. Vor (!!!) einer Eskalation einen prüfenden Blick auf die eigene Vermögenslage, den Rentenverlauf und eine mögliche Abfindung zu werfen, würde manchen vor voreiligen und ruinösen Schritten bewahren.

Wenn also die verletzte Eitelkeit verwunden werden kann, dann werden oft neue Möglichkeiten sichtbar. Ein großes Projekt, für das gerade Sie die notwendigen Kenntnisse und informellen Kontakte mitbringen, die Integration eines Firmenteils in den europäischen Markt, das Management einer Ausgründung... alles Aufgaben, die zwar einen formellen „Abstieg“ bedeuten, aber Ihnen alles neu eröffnen. Sie gehen dann nur als Dritter vom Platz, aber Sie gewinnen Ihr letztes Spiel. Sie gewinnen Aufbruchstimmung, die Möglichkeit, sich (wieder einmal) zu beweisen, Einfluss, eine neue Art von Wertschätzung..., vermutlich auch ein neues Maß an Freiheit, jenseits von Machtbehauptung und Rücksichtnahme.

Und vielleicht auch den grenzenlosen Jubel Ihrer wahren Fans - auch wenn es nicht ganz so viele sind wie am Sonntag am Brandenburger Tor!

Ihre Sabine Kanzler

 

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