Wenn der Headhunter dreimal klingelt ...

13.05.2009

"Ist es nicht wunderbar? Endlich den Spieß umdrehen!!! Nicht Bewerbungen schreiben müssen, sondern einen Job angeboten bekommen - und das in diesen Zeiten! Da fühlt man sich doch gleich richtig gut!!"

Was veranlasst jemanden zu solcher Begeisterung? Was da passiert ist? Nun, ein Kopfjäger hat sich gemeldet. Und während zu anderen Zeiten und in anderen Kulturen es diesem Menschen bei dieser Vorstellung noch kalt den Rücken hinauf- und hinuntergelaufen wäre und er sich bzw. seinen Kopf wahlweise als keltische Trinkschale oder als Schrumpfkopf in einem Langhaus auf Borneo gesehen hätte, ist er heute glücklich. Denn wer vom Headhunter (was so eine Übersetzung ins Englische doch gleich für einen Bedeutungswandel einleitet!) kontaktiert wird, der gehört zu einer gefragten Spezies, der ist bedeutend, der ist wer!

Denken auf alle Fälle ganz viele. Dabei ist Headhunter eigentlich ein ganz normaler Beruf. Und er klingt wesentlich unspektakulärer, wenn man dafür die richtige Berufsbezeichnung wählt, nämlich Personalberater. Wobei wir knapp vor dem nächsten Irrtum stehen. Ein Personalberater berät nicht das Personal eines Unternehmens – also Sie oder mich – er berät Unternehmen in Sachen Personal. Er übernimmt die Personalbeschaffung für ausgewählte Positionen. Da solche Suchaufträge natürlich aufwändig sind, das beauftragende Unternehmen Geld kosten und somit (speziell die, bei denen potentielle Kandidaten direkt angesprochen werden) in der Regel nur Positionen so besetzt werden, für die es nicht so leicht ist, jemanden zu finden, ist natürlich schon ein bisschen was dran am "bedeutend sein".

Ganz ohne Frage: Viele dieser Personalberater arbeiten seriös, machen verantwortungsbewusst einen guten Job und ein Bewerber ist gut bei ihnen aufgehoben. Aber manche scheinen doch das Köpfe jagen nicht ganz abgestreift zu haben oder in alten Vorstellungswelten stecken geblieben zu sein. Denn wenn ich bei Wikipedia lese, dass in vielen Völkern ein Junge einen Kopf erbeuten musste, um als Mann zu gelten und in die Gesellschaft aufgenommen zu werden, dass eine Heirat nur gegen Vorzeigen eines oder mehrerer Schädel möglich war und dass, um die Häuptlingswürde zu erlangen, man bei einigen Völkern eine bestimmte Anzahl an erbeuteten Köpfen brauchte, dann drängen sich für den folgenden Fall gewisse Assoziationen auf. Bei mir wenigstens ... aber lesen Sie die folgende wahre Geschichte ...

Eine Dame, nennen wir sie Frau Schmidt, ist von einem Headhunter kontaktiert worden. Sie ist über ihren Vor- und Nachnamen zusammen mit dem Firmennamen problemlos zu googeln – inkl. der dienstlichen Durchwahl. Also eigentlich kein Problem, sie direkt zu anzurufen. Und da die Firmenwebsite nicht nur sie für bestimmte Bereiche als Ansprechpartnerin benennt, sondern auch die Vorgesetzten, ist es keine Schwierigkeit, den entsprechenden Chef samt Telefonnummer zu identifizieren und ihr zuzuordnen.

Es kommt, wie es bei einem "echten" Kopfjäger kommen muss. Das Telefon des Vorgesetzten von Frau Schmidt klingelt, ein Herr Namens Meier ist dran, ob er wohl bitte Frau Schmidt mal sprechen könne. Und heute, in Zeiten schnurloser Telefone und höflicher Vorgesetzter, bringt der natürlich Frau Schmidt sein Telefon. Er sei Headhunter der xy Personalberatung, stellt sich der Anrufer Frau Schmidt vor, und er hätte da eine interessante Position. Auf ihre Frage, warum er denn nicht direkt, sondern über die Nummer Ihres Chefs angerufen habe, kommt Ausweichendes. Man könne ja in Zukunft über andere Kanäle – er nennt ihre private Mailadresse, die sie bisher mit keiner Silbe erwähnt hat – Kontakt halten.

Der Vorgesetzte verlässt währenddessen das Büro, nicht ohne notgedrungen einen Teil des Gespräches mitgehört zu haben. Und fragt Frau Schmidt, als sie ihm sein Telefon zurück bringt, ob sie den Herrn denn gekannt habe.

Frau Schmidt ist durch das Vorgehen von Herrn Meier nun eher verärgert als geschmeichelt und hat im Anschluss ein wenig recherchiert. Sie wurde offensichtlich über ein Social Network recherchiert. Den Namen des Headhunters findet sie auch im Netz - in sehr unerfreulichen Zusammenhängen. Er ist offensichtlich bekannt für sein aggressives Abwerbeverhalten. An der "interessanten Vakanz", die er ihr in Aussicht gestellt hat, hat sie natürlich überhaupt kein Interesse mehr.

Also ist letztendlich alles gut? Nicht ganz! Das Verhältnis zu ihrem Chef ist seither anders. Nichts ist beweisbar, aber es fallen Bemerkungen über Wechselwünsche ...

So kann es auch gehen, wenn der Headhunter dreimal klingelt – der falsche Headhunter im falschen Augenblick und unter der falschen Telefonnummer ...

Ihre
Sabine Kanzler

 

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