Gefangen im Netz? [Teil1]

16.05.2006

Über die schöne neue Welt des Networking und ihre Fallen im realen Leben...

Netze fangen auf. Netze schaffen Verbindungen. Ohne Networking (um auch endlich den entsprechenden englischsprachigen Begriff ins Spiel zu bringen) läuft nichts im Berufsleben. Die interessanten Jobs ergattert man sowieso nur über Beziehungsnetze, heißt es. "Geh´ lieber nach Hause und mache ein Netz, als dass du im Teich nach Fischen tauchst." sagt ein Sprichwort aus China.
Alle Menschen der Erde kennen sich über sechs Ecken. Das behauptete der US-Psychologe Stanley Milgram schon 1967. Businessnetzwerke wie z.B. openBC zeigen das in beeindruckender Weise. Was liegt also näher, als diese Tatsache zu nutzen? Millionen von Nutzern solcher Netze können doch nicht irren!

Kein Zweifel: Netzwerken ist in, die ganze Welt ist vom Virus Networking befallen und jeder versucht, die daraus entstehenden Vorteile zu nutzen. Die ganze Welt? Nein! Eine paar Unbeugsame hören nicht auf, dem Virus Widerstand zu leisten, zumindest vorsichtig zu sein. Weil sie entweder bei sich oder anderen erlebt haben, dass so ein Netz nicht nur auffangen, sondern auch einfangen und bis zur Bewegungsunfähigkeit einwickeln kann. Weil es auch das Bild der Spinne gibt, die im Netz auf ihre Beute wartet. Und weil es in den Sprüchen Salomos heißt „Wer seinem Nächsten schmeichelt, breitet ihm ein Netz über den Weg.“

Sie haben also durch so ein Netz, durch so eine Beziehung, einen Job bekommen und sind heilfroh darüber. Auch in gewissem Maße dankbar. Sie fangen an, sich einzuarbeiten und geben sich alle Mühe. Schließlich soll niemand es bereuen, so hilfreich gewesen zu sein. Welche Irritation, wenn man plötzlich merkt: „Irgendetwas läuft hier schief!“ Da freut sich der gute Bekannte, der Fritz Müller, der nun auch Kollege ist, auf einmal nur sehr verhalten darüber, dass der gemeinsame Chef einen schon nach so kurzer Zeit positiv vor versammelter Mannschaft erwähnt. Da hat die gemeinsame Sekretärin, die in den ersten Wochen doch so nett und hilfsbereit war, plötzlich keine Zeit, die für die Präsentation so dringend notwendigen Dokumente zu bearbeiten, und sagt Ihnen erst kurzfristig vorher, dass sie leider für Herrn Müller unaufschiebbar etwas habe erledigen müssen. Und gemeinsame Kaffeepausen, immer gut für den Austausch informeller Informationen, finden nur noch ab und zu statt.

Was ist passiert? Verschiedene Szenarien sind denkbar......

Alle Beteiligten haben keinen Gedanken daran verschwendet, dass durch die Zusammenarbeit das persönliche Verhältnis sich völlig verändern kann. Man lernt sich neu und anders kennen. Vorher bestand ein mehr oder weniger lockerer Kontakt, manchmal intensiver, dann wieder eher sporadisch. Sich jetzt, als Kollege, aus dem Weg zu gehen, ist praktisch unmöglich geworden. Das verändert erst einmal alles und bedarf neuer Formen, Nähe zu regeln.

Herr Müller wollte Ihnen einen Gefallen tun, und ein bisschen – nicht ganz uneigennützig – von Ihrer Dankbarkeit profitieren. Anerkennung, Unterstützung der eigenen Position, so etwas in dieser Richtung. Dass Sie sich so schnell frei schwimmen, eigene Kontakte knüpfen und unabhängig werden, war so nicht gedacht.

„Wie Du mir, so ich Dir“ – warum sollte das nicht umgekehrt genau so gelten? „Wie ich Dir geholfen habe, so solltest Du jetzt auch mir Unterstützung gewähren!“ Zum Beispiel, wenn es darum geht, das berufliche Formtief zu kaschieren!

Sie, dem man zum Job verholfen hat, sind inhaltlich äußerst fit und erfolgreich und entpuppen sich auf einmal als Konkurrenz um attraktive Aufgaben, Anerkennung des Vorgesetzten, Beförderung auf einflussreiche oder besser bezahlte Positionen. Hätte Müller das geahnt ...

Fortsetzung folgt ...

Ihre Sabine Kanzler

 

Empfehlen

 
später lesen
 

top jobs

Alle ansehen

Autor

Unsere Autoren

 
 
 

Pfadnavigation

Sie befinden sich hier:
  1. Startseite
  2. » Vertriebsinfo
  3. » Magazin
  4. » Blogs
  5. » Kanzlerin
  6. » Fit für den Arbeitsmarkt bleiben
  7. » Gefangen im Netz? [Teil1]
 

Impressum | Datenschutz | © salesjob