Gefangen im Netz? [Teil2]

13.06.2006

Über die schöne neue Welt des Networking und ihre Fallen im realen Leben...

Je besser so ein Netz geknüpft ist, je stärker – und damit belastbarer – die Verbindungen zwischen den einzelnen Knotenpunkten sind, umso attraktiver und nützlicher ist es für seine Mitglieder. Die funktionierendsten Netze zeichnen sich durch ein hohes Maß an Exklusivität aus. Das Opus Dei zum Beispiel erfährt im Film „Der Da Vinci Code“ gerade eine neue Berühmtheit. Oder sie glänzen durch ein noch höheres Maß an krimineller Energie. Stabil über Jahrzehnte: die Mafia. Erfolgreich in dem von ihnen definierten Sinne sind sie, diese Netze, aber leider mit erheblichen Schönheitsfehlern behaftet. Denn wer sich in ihnen verfangen hat, hat nun wirklich die besten Chancen, von ihnen auch stranguliert zu werden.

Dass Networking das nicht meinen kann, ist klar. Was aber dann? Warum suchen Menschen Netze, gerade auch im beruflichen Leben? Weil das Zuknöpfen einer Bluse mit zwei Händen bedeutend schneller und leichter geht als mit einer? Weil man (emotionale) Gemeinschaft sucht? Unterstützung? Informationen oder eine Erweiterung des eigenen Erfahrungsrahmens? Oder ausschließlich den eigenen Vorteil?

Die ZEIT (Nr. 23, 1. Juni 2006) titelt „Der sanfte Pate“ und beschreibt dort das Geflecht freundschaftlicher und geschäftlicher Beziehungen von Franz Beckenbauer. Der, so steht es da, organisiere die Welt um sich herum für seine Ziele. In all seinen Gruppen und Teams überrage er jedes Mal die anderen. Er habe immer seine Leute, die ihn glänzen ließen, die in der zweiten Reihe blieben, die aber – warum sollten sie sich sonst über Jahre hinweg auf dieses System einlassen? – in hohem Maße davon profitierten.

Auch kein wirkliches Netzwerk, eher eine geschlossene Veranstaltung mit sehr persönlichen Zugangsvoraussetzungen!

Im idealen Fall kann Networking alles das sein, was Andreas Lutz in seinem Buch "Praxisbuch Networking" benennt: Spaß und Freundschaft, persönliche Unterstützung, Informations- und Wissensaustausch, Zusammenarbeit und Kooperation, Karriere machen ....

Aber Netzwerke bestehen aus Menschen, mit ihren Stärken genauso wie mit ihren Schwächen. Und dazu gehört eben auch der Wunsch, Vorteile für sich zu erringen, Einfluss, vielleicht sogar Macht auszuüben.

Wenn Sie also Netzwerke für sich nutzen wollen, dann ist es hilfreich, einige Überlegungen – ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit – anzustellen und sich an ein paar Grundsätze zu halten:

Tun Sie alles dafür, weder selbst in Abhängigkeit zu geraten noch Abhängigkeiten herzustellen. Das ist das Ende eines offenen und demokratischen Miteinanders.

Überprüfen Sie, ob Sie im Grundsatz offen über die verschiedenen Verbindungen in Ihrem Netzwerk sprechen können. Geheimnisse, über die nicht gesprochen werden darf, führen zu verzerrter Wahrnehmung und machen ein System krank.

Ist Ihr Netzwerk tendenziell offen für alle, die sich an seine Regeln halten und die darin einen Beitrag leisten wollen? Hat jedes Mitglied eine Chance, die Beziehungen mitzuprägen?

Gibt es eine Tendenz, nur mit den „wichtigen“ Leuten zu kommunizieren? Denen am Ende nach dem Mund zu reden? Das ist dann kein Netzwerk mehr...!

Gibt es in Ihrem Netzwerk einen gesunden Austausch zwischen Geben und Nehmen? Wenn nicht, gibt es früher oder später böses Blut, das die ganze Atmosphäre vergiftet. Jedes gesunde Netzwerk füttert zwar auch mit Leichtigkeit einen Schmarotzer mit durch. Aber: Sind Sie immer derjenige, der füttert? Sozusagen als Cash Cow Ihres beruflichen Umfeldes?

Und zum Schluss bedenken Sie auch: Schon mancher, der für seine Karriere ausschließlich auf Beziehungen zu einflussreichen Leuten im Unternehmen gesetzt hat, findet sich in der Situation wieder, dass sein Förderer plötzlich auf einem Posten am anderen Ende der Welt sitzt. Gerade in Konzernen sind plötzliche Versetzungen ja keine Seltenheit. Wenn dann Leistung und Wissen nicht stimmen, soll es da schon heftige Karriereknicke gegeben haben.

Fortsetzung folgt...

Ihre Sabine Kanzler

 

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