Holeradidudeldö: Das Jodeldiplom...da hat man was Eigenes! [1]

06.11.2007

"Berufliche Weiterbildung, auch als Fortbildung bezeichnet, ist eine Form der Erwachsenenbildung, die dazu dient, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erhalten und anzupassen oder zu erweitern und beruflich aufzusteigen." So weit Wikipedia. Gut zu wissen! Nur ist dieses Wissen nicht die Lösung aller Fragen, denn die Schwierigkeiten fangen für den Bildungswilligen nun erst an. Wer hat schon klare Vorstellungen, welche Fähigkeiten zukünftig gefragt sein werden oder welche aufbauenden Qualifikationen zum beruflichen Lebenslauf passen?

Eine beliebte Frage in der Beratung ist denn auch "Ich würde gern wissen, was wirklich wichtig für einen zukünftigen Arbeitgeber ist. Ist es z.B. ein Computer Führerschein, ein SAP Zertifikat? Oder vielleicht ein Rhetorikkurs? Denn das persönliche Auftreten ist ja auch unheimlich wichtig..."

Aus diesen zwei bis drei Sätzen lässt sich eine Menge an Fragen ableiten. "Wichtig" wofür genau ... welche Art von Arbeitgeber ... welche Branche ... in welchem Zeithorizont ... Fachzertifikate in welcher Tiefe und Breite der erworbenen Fachkenntnisse... verbunden mit welcher praktischen Anwendung... Rhetorik bei welcher Art von Trainer... persönliches Auftreten in welchem Umfeld... wichtig, um was zu erreichen...? Man könnte die Fragen ohne große Mühe noch weiter aufsplittern!

Die Fortbildungsbereitschaft gibt einen Hinweis auf Zielorientierung und Leistungsbereitschaft eines Menschen, sie kann es zumindest geben, wenn der Leser einen logischen Aufbau, eine Linie in den absolvierten Fortbildungen erkennt. Aber: von einem Hochschulabsolventen erwartet man beispielsweise, dass er mit dem Computer umgehen kann. Mit der Vorlage eines Zertifikats über einen elementaren Computerkurs würde dieser Absolvent zeigen, dass er keine realitätsgerechte Einschätzung hat, was in seiner Rolle wichtig oder selbstverständlich ist, wenn er so einen Kurs schon als erwähnenswerte und damit als besondere Leistung einschätzt.

Es kommt also (wieder mal!) "darauf an", ob eine Fortbildung also positiv bewertet wird, als überflüssig oder ob man gar darüber schmunzelt.

Der Anfang ist eigentlich immer der gleiche: Sie sollten einfach mal überlegen, was Sie beruflich vorhaben und welche Kenntnisse / welchen Ausbildungsgrad Sie dafür brauchen. Eine weitere Frage: wann wollen oder müssen Sie in welchem Zusammenhang dokumentieren, wie Sie sich fachlich fit halten. Klassischerweise sind die Bewerbungsunterlagen der Ort dafür, beim geplanten Stellenwechsel. In dieser Situation will man positiv auf sich aufmerksam machen. Reicht es da, das notwendige Wissen erworben zu haben? Manchmal - je nach angestrebter Position und gewünschtem Arbeitgeber - ist auch der Name des Weiterbildungsanbieters wichtig: betriebswirtschaftliche Fortbildung bei der IHK versus Weiterbildung bei der Management Academy St. Gallen...

Sprachen zum Beispiel muss man langfristig erlernen, nicht dann erst, wenn man sie braucht. Es ist in erster Linie wichtig, eine Sprache im Arbeitsalltag zu beherrschen, nicht zu belegen, wie viele Kurse man wo gemacht hat.

Am Anfang eines beruflichen Lebens sich stark zu spezialisieren zu Lasten einer breiten und soliden Basis an Kenntnissen birgt die Gefahr, wirklich nur für ganz wenige Arbeitgeber ein attraktiver Mitarbeiter zu sein, die eben diese Spezialisierung suchen. Die Breite im Erwerb von Wissen auf die Spitze zu treiben und Seminar auf Seminar zu den unterschiedlichsten Themen aneinander zu reihen, erweckt den Eindruck, dass da jemand Fortbildungen sammelt wie andere Leute Briefmarken. Wenn man dann zu einem Lebenslauf von zwei Seiten eine Anlage von drei Seiten über die absolvierten Fortbildungen liest, dann drängt sich schon der Gedanke auf, wann dieser Mensch wohl noch Zeit hatte zu arbeiten...

Dann gibt es auch noch Leute, die sind interessiert. An allem! Sie bilden sich folgerichtig auch in allem fort ... Sprachen, Marketing, Übungsleiter für Qi Gong... und sie schreiben auch alles in ihre Unterlagen. "Wissen Sie, das mache ich, um meine Vielseitigkeit und Flexibilität zu belegen..." Ich frage mich dann, ob das wirklich sein muss. Nicht, dass Sie mich jetzt falsch verstehen - es soll jeder die Kurse machen, zu denen er Lust hat. Aber will die Welt wirklich alles wissen? Und vor allem: muss sie das wissen?

Andererseits: Für Evelyn Hamann war das Jodeldiplom ein Baustein in einer beispielhaften Karriere. Also muss ja auch an solchen Fortbildungen wohl was dran sein, oder?

 

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