Über den Effekt von Kinderstuben und Zauberwörtern

16.01.2007

Bei manchen läuft es einfach wie geschmiert. Sie bekommen den Ausbildungsplatz, den sie sich wünschen, sie kommen mit den unterschiedlichsten Vorgesetzten zurecht, sie erhalten Unterstützung, sobald sie danach fragen, sie sind in Bewerbungsverfahren, ja eigentlich in fast allen Gesprächen, denen es darauf ankommt erfolgreich. Durch excellente Leistungen ließe sich das erklären, aber das ist es nicht wirklich. Diese eben beschriebenen Personen kochen auch nur mit Wasser!

Vielleicht könnten Erfolg und Mißerfolg im Beruf auch mit so schlichten Dingen wie einer guten Kinderstube zusammenhängen? Nehmen wir als Beispiel ein eher "unkonvetionelles" Auftreten: immer cool drauf, Wünsche bloß nicht mit einem "bitte" verzieren, eine lockere Sprache, manchmal bis zur Flappsigkeit degeneriert ... das alles findet sich oft bei Berufsanfängern. Sicher ist das häufig eine Folge von Unerfahrenheit und damit ein Merkmal und auch ein Vorrecht junger Menschen. Auch dass diese Flappsigkeit in Situationen angewendet wird, wo sie so angemessen eigentlich nicht ist. Was passt, was ankommt und was nicht, das lernt man sehr schnell. Dann kann man den eigenen Stil verändern und sich korrigieren. Oder auch nicht! Speziell im Bewerbungsverfahren hat solch ein Mangel an Anpassungsbereitschaft Folgen. Wobei eines klar gesagt werden muss: es geht nicht um ein kurzfristiges Aufpolieren von Manieren als Mittel zum Zweck, es geht darum, das eigene Verhalten und damit auch die langfristige Wirkung zu überdenken.

Jedem jungen Menschen sollte und müsste klar sein, dass Entscheider - Recruiter, Personaler, Chefs - in der Regel nicht der eigenen Generation angehören und (im besten Falle) verwirrt auf solche Verhaltensweisen reagieren. Im Normalfall jedoch finden sie, dass sie es nicht nötig haben, sich solchen Verbal- und Verhaltensattacken auch noch im Berufsleben auszusetzen, wo man doch schon zuhause die pubertären Ergüsse der eigenen Brut aushalten muss. Und ziehen ihre Konsequenzen daraus, suchen nach einem anderen Kandidaten oder fördern dann doch einen anderen Mitarbeiter, der die normal-höflichen Umgangsformen etwas besser beherrscht.

Nun ist alt sein (ode wenigstens älter sein) kein Verdienst. So etwas passiert einfach. Jedem! Früher oder später. Und deswegen ist jung sein ebeneso wenig ein Verdienst. Und berechtigt per definitionem nicht zu Unhöflichkeiten, Gedankenlosigkeiten oder Pöbeleien jeder Art. Denn eines ist klar: was fürher schlicht "Höflichkeit" genannt wurde, umschreibt man heute mit "sozialer Kompetenz" und "Kommunikationsfähigkeit".

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.
Was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.
Oder, um es mit einem russischen Sprichwort zu sagen: Eine Verbeugung wird den Kopf nicht abfallen lassen.

Altmodisch, nicht? Aber irgendwie langweilig wahr!

Für diejenigen, die es moderner mögen: es gibt ein Bild, da sitzt jemand auf einem Baum und sägt einen Ast ab. Dummerweise sitzt er auf diesem Ast und sägt eifrig an der falschen Seite.

Ihre Sabine Kanzler

 

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