Warum man von Mainz 05 ebenso viel lernen kann wie von Bayern München

30.05.2006

Zu sagen, dass der FC Bayern der erfolgreichste deutsche Fußballclub ist, von dem man lernen kann, wie’s geht, ist banal. Außerdem gab es dazu im letzten Jahr schon einen Artikel im ManagerMagazin!

Man möge mir verzeihen, dass ich mich hier einem Fußballthema nähere. Denn meine Begeisterung und meine fachlichen Kompetenzen halten sich bei diesem Thema in einem durchaus überschaubaren Rahmen. Dennoch kann ich es nicht verhehlen: Ich freue mich schon gewaltig darüber, dass die Meenzer in der ersten Liga bleiben. Über die genauen Gründe, warum das klappt, kann ich nur spekulieren. Da nehme ich, sozusagen, nur die Kundensicht ein – und damit passt es doch wieder: Denn in all den Vertriebsthemen und bei all den Vertriebsarbeitsplätzen geht es doch in erster und in letzter Linie darum, den Kunden zu erreichen. Denn der soll ja bitte irgendwann kaufen.

Ich habe Mainz 05 gekauft – im Herzen. Ich würde mir ja sogar deren Spiele ab und zu gerne live im Stadion anschauen. Aber keine Chance. An Karten kommt man nur mit Glück und großer Anstrengung. Die Verknappung des Gutes und damit die luxuriöse Situation, immer mehr Kunden als Ware zu haben, haben die Jungs schon mal gut gemeistert!

Und sonst? Was macht diesen Verein außerdem noch zu etwas Besonderem über die Grenzen des Lokalpatriotismus hinaus? Und vor allem: Was, zur Hölle, hat das mit Fragen zu Bewerbung und Karriere zu tun? Gemach, gemach.

Mainz hat weder ein besonders großes noch ein besonders schönes oder gar schickes Stadion. Der Verein verfügt nur über begrenzte finanzielle Mittel. Den Beinamen „Karnevalsverein“ würden die Bayern oder der HSV vermutlich nur sehr einschränkt als schmeichelhaft empfinden. Mainz schwebt seit Jahren immer wieder zeitweise am Rande der fußballerischen Katastrophe: zweimal hintereinander den Aufstieg in letzter Minute verpasst und die gesamte fußballinteressierte Region in Tränen aufgelöst, in dieser Saison die ersten fünf Spiele ohne Sieg und mit soliden 0 Punkten am Tabellenende....

Und was steht auf der Habenseite? Ein ziemlich unerschütterlicher Wille, nicht aufzugeben und immer wieder aufzustehen, Fans, die sich auch nach verlorenen Spielen den Spaß über gute Spielzüge ihres Vereins nicht vermiesen lassen, ein Trainer – als Typ und damit als „Marke“ sehr erfolgreich – der im Frühjahr kund tut, er werde bei den 05ern bleiben auch wenn man absteige, die Teilnahme am UEFA-Cup ehrenhalber, aufgrund von Fairness von Spielern und Fans....

Sie mahnen jetzt endgültig den Bezug zum Thema an?

Der erste: Was macht einen Arbeitsplatz attraktiv? Jeder will zu den erfolgreichen Konzernen, nicht wahr? Weil da einfach mehr Möglichkeiten bestehen! Wer als Spieler nicht schon ein Star ist oder zumindest das Potential zeigt, der sitzt bei den Bayern den größten Teil der Saison auf der Ersatzbank und hofft auf Verletzungen der Kollegen. Bei Mainz 05 spielt er regelmäßig, kann seine Fähigkeiten zeigen und weiterentwickeln und dadurch vielleicht irgendwann „aufsteigen“ zu einem richtig finanzstarken Verein.

Ein weiterer Bezug? Die Menge der echten Highpotentials unter den Arbeitnehmern ist beschränkt. Auch hier gilt nun mal die Gauß’sche Normalverteilung. Erfolgreich und zufrieden kann man aber auch dann werden, wenn man dem Mittelfeld angehört. Also akzeptieren, wer und was man ist, sich auf die eigenen Stärken besinnen und sie weiterentwickeln, nicht um jeden Preis cool und tough sein wollen, sich Fähigkeiten zuschreiben, die mit der eigenen Person nichts zu tun haben und die nur einem vermeintlichen Idealbild folgen, den eigenen Arbeitsmarkt mit seinen ganz speziellen Chancen entdecken... Denn eines ist klar: Wer Star, wer Erster sein will, der muss auf Dauer bestehen. Wie gut man es auf einer exponierten Stelle tatsächlich aushält, das kann kaum einer vorher wirklich sagen. Wenn Sie nach ein oder zwei Jahren ausgepowert aufgeben oder gar ausgewechselt werden, wo ist dann Ihre Rückfallposition?

Also gratulieren wir dem FC Bayern und allen Großen und Erfolgreichen. Ihre Leistungen sollen nicht kleingeredet werden! Aber freuen wir uns für all diejenigen, die es trotz mancher widriger Umstände schaffen, die uns begeistern und die wir gerade deswegen lieb haben!

Ihre Sabine Kanzler

 

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