Katzen

08.09.2010

Keiner kauft Katzen im Sack! Sie auch nicht. Da werden vor einer größeren Anschaffung Bekannte befragt, Kataloge gewälzt, Testberichte verglichen, Verkäufer gelöchert. "Ganz normal!" sagen Sie. "Schließlich will ich etwas Vernünftiges für mein Geld bekommen!" Recht haben Sie!

Sobald es aber um Bewerbungsverfahren geht und die Unternehmensvertreter dem Kandidaten im Vorstellungsgespräch auf den Zahn fühlen und auch einmal unangenehme Fragen stellen, dann fühlt der sich leicht unter Druck gesetzt und wie in einer Prüfungssituation. Und das findet er erst mal gar nicht gut. Dabei wollen Personaler und zukünftiger Vorgesetzter doch nur das gleiche wie jeder andere auch: Die Katze nicht im Sack kaufen.

Wer sich das klar macht und auch akzeptiert, der kann gelassener in die Interviews gehen. Man hat Sie eingeladen, Sie können also davon ausgehen, dass man Ihnen nach Ihrer Papierform den Job zutraut. Sie haben in Ihren Unterlagen attraktives und auch realistisches Bild von sich gezeichnet? Natürlich etwas aufpoliert, das ist legitim, denn Sie beWERBEN sich ja. Jeder weiß, dass Werbebotschaften das Positive herausstreichen, das wird auch akzeptiert. Dann wissen Sie, was Sie können.

Wer Gespräche führt, hat ein Interesse daran, die ausgeschriebene Stelle zu besetzen. Es sitzen Ihnen also keine Feinde gegenüber, die grundsätzlich Übles im Sinn haben.

Sie sind trotzdem nervös? Auch das wird man verstehen und Ihnen keinen Strick draus drehen. Denn die Nervosität der Anfangsphase vergeht ja normalerweise im Laufe eines Gespräches, je vertrauter man mit der Situation wird. Denn dann steigt die Sicherheit.

Bei manchen Leuten vergeht die Nervosität allerdings auch nicht, sie wird im Gegenteil immer stärker. Die haben Sprachkenntnisse angegeben, die sie so nicht haben und sehen sich auf einmal völlig überraschend in ein Gespräch in dieser Fremdsprache verwickelt. Oder die sich als Fachmann in Sachen Projektmanagement dargestellt haben und müssen nun zugeben, dass die Projekte gar nicht so international und das verwaltete Budget eher überschaubar war. Vielleicht haben sie sich auch als begnadeten Vertriebsmitarbeiter mit besonderen Fähigkeiten in der Telefonakquise ausgegeben und schauen nun entsetzt auf das Telefon, zu dem sie gebeten werden, um dieses Versprechen unter Beweis zu stellen. Möglicherweise werden sie auch nur gebeten, etwas über die Darstellung des Produktspektrums auf der Unternehmenswebsite zu sagen …

"Selber schuld!" werden Sie sagen, denn Ihnen passiert so etwas nicht. Sie informieren sich vorher und haben immer noch den Satz von Oma im Ohr "Kind, ehrlich währt am längsten!" Und ergänzen den, lebenserfahren und abgehärtet durch so manche berufliche Begebenheit: "… jedenfalls so ehrlich, dass ich nicht schon beim ersten scharfen Blick der schamlosen Übertreibung überführt werde!"

Alles wird gut!

Ihre
Sabine Kanzler

 

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Sabine Kanzler-Magrit
 

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