Rote Natter im Erdloch
 

Paradiesische Zustände

22.02.2013

Fast wie im Paradies würde man sich doch fühlen, wenn man bei der Einstellung oder auch im Verlauf eines Beschäftigungsverhältnisses in einem Unternehmen immer mal wieder gefragt würde, welches Gehalt man sich denn so vorstelle. Und wenn man dieses gewünschte Gehalt dann auch noch bekommen würde ... Paradiesisch, nicht wahr?

Es gibt Unternehmer, die ihren Mitarbeitern solche Möglichkeiten der Gehaltsbestimmung geben. Der bekannteste ist wohl der Brasilianer Ricardo Semmler, der in den neunziger Jahren damit berühmt wurde. Sein Buch „Das Semco System“ wurde ein Bestseller – und er reich. Nicht unbedingt durch das Buch, sondern mit dem Familienunternehmen. Unter seiner Regie steigerte das nämlich seinen Umsatz um das 500fache.

Aber wäre solch ein Unternehmen für die berühmte Generation Y überhaupt interessant? Diese Ypsiloner – geboren zwischen 1980 und 1990 -, die allenthalben durch die Presse geistern! Die die berufliche Herausforderung suchen, nette Kollegen um sich herum haben möchten und einen Chef, der lobt und motiviert. Geld kommt in diesem Katalog nicht vor.

Nun hat eine Studie von Accenture herausgefunden, dass Geld wohl doch eine Rolle spielt. Wer hat an dieser Tatsache wirklich je gezweifelt? Viele junge Leute machten die ernüchternde Erfahrung, dass sie gar nicht zu diesen gesuchten und umworbenen Fachkräften gehören. Denn wirklich umworben sind nur wenige Berufsgruppen wie beispielsweise die knappen MINT- und Gesundheitsberufe. Und auch da wachsen die Gehälter nicht in den Himmel – oder jedenfalls nur für wenige. Viele konnten folgerichtig beim Berufseinstieg ihre Einkommenserwartungen nicht durchsetzen, auch nicht in den folgenden Jahren.

Man ist also unzufrieden mit dem Einkommen.  Die Kosten steigen, die gefühlte Arbeitsbelastung und Verantwortung nimmt zu und überhaupt ist man der eigenen Einschätzung nach „jetzt einfach dran mit einer Gehaltserhöhung“!

Die Zeit der Beurteilungsgespräche und Zielvereinbarungen bietet sich für Gehaltsgespräche an. Da die Unternehmen im vergangenen Jahr gut verdient haben und die Gehälter durchschnittlich nur um 1,8 Prozent (bei Akademikern) bis 2,3 Prozent (bei Nichtakademikern) gestiegen sind, sei es jetzt nicht zu spät dazu – so meint der Geschäftsführer von „Personalmarkt“ in der FAZ vom 2./3. Februar. Der sollte es wissen, denn das Unternehmen ist auf Beratung in Vergütungsfragen spezialisiert.

Und damit kommen wir zu den eingangs beschriebenen paradiesischen Zuständen, zu den Unternehmen, in denen man seine Gehaltswünsche nennen kann und sie erfüllt bekommt. Was würden sie tun, die Ypsiloner? Sich freuen und kräftig zulangen?

Wer schon länger im Job ist, der weiß: „Was zu gut klingt, um wahr zu sein, das ist nicht wahr!“ Wer darüber hinaus noch ein bisschen bibelfest ist, der weiß auch: „Kein Paradies ohne Schlange!“

Unternehmen, die solch ein System der Gehaltsmitbestimmung anwenden (denn es gibt sie!), haben die Schlange in Form von Transparenz im Unternehmen etabliert: Über Geld wird gesprochen! Wer mehr verdienen will, der sagt das öffentlich. Und muss sich dann mit den Kollegen darüber auseinandersetzen und sich deren Urteil bezüglich der eigenen gezeigten Performance stellen. Selbstüberschätzung kann da sehr peinlich werden.

Wenn Sie also ein Gehaltsgespräch mit Ihrem Chef planen, dann wäre es keine schlecht Vorbereitung, sich solche Offenheit im eigenen Unternehmen vorzustellen. Und sich ein paar Fragen wie diese zu stellen: Würden Ihre Kollegen Ihnen mehr Geld gönnen? Würden Sie ohne Neid sagen, Sie hätten es verdient? Würden Ihre Argumente dem Urteil und der sozialen Kontrolle standhalten? Würden Sie die Gründe benennen können?

Haben Sie alle Fragen positiv beantworten können? Dann haben Sie einen guten Teil der notwendigen Vorbereitung geleistet. Fehlt nur noch, eine überzeugende Argumentationskette aufzubauen!

Viel Glück!

Ihre
Sabine Kanzler

Bild: Nadja  / pixelio.de 

 

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Sabine Kanzler-Magrit
 

Sabine Kanzler-Magrit

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