Schuld oder Nichtschuld ...

17.07.2012

..., das ist hier (frei nach Shakespeares „Hamlet“) die Frage. Wer hat die Antwort?

Die Unternehmensberatung Towers Watson hat, so eine Meldung in der FAZ vom vergangenen Samstag, weltweit 32000 Arbeitnehmer befragt (1000 davon waren aus Deutschland), welche Kriterien für sie bei der Auswahl eines Arbeitgebers relevant seien. An erster Stelle stehen die Sicherheit des Arbeitsplatzes, an zweiter Stelle die Höhe des Grundgehaltes.

Weiterhin steht bei der Folgefrage, was Arbeitnehmer im Unternehmen hält, an erster Stelle das Grundgehalt, dann erst folgen die Karriereperspektiven.

Die Stimmung ist von der Krise um den Euro geprägt, die wirtschaftliche Lage in Deutschland scheint im europäischen Vergleich jedoch immer noch eine Insel der Glückseeligen zu sein. Der ifo Geschäftsklimaindex, der 2008 tief, tief im Keller war, ist seither kräftig gestiegen und pendelt nun auf vergleichsweise hohem Niveau hin und her. Die Gesamtbeurteilung der Geschäftslage ist nach einer Grafik des Institutes seit 2000 neun Mal schlechter gewesen als zurzeit. Das Gefühl der Arbeitsplatzsicherheit müsste demnach also relativ stabil ausgeprägt sein.

Arbeitszufriedenheit ist eine feine Sache. In Deutschland sinkt sie laut Angaben von Gallup.
„Rund jeder vierte Arbeitnehmer (23 Prozent) hat innerlich bereits mit seinem Job abgeschlossen. Das ist das Ergebnis der jährlich stattfindenden Umfrage des Gallupinstituts, dem sogenannten Engagement-Index. Was sich zunächst als Prozentzahl noch ein wenig abstrakt anhört, wird deutlicher, wenn man die Zahl auf die Anzahl aller Erwerbstätigen überträgt. Dann sind es mehr als 7,8 Millionen Deutsche, die sich montagmorgens zur Arbeit quälen und gedanklich schon im nächsten Wochenende sind.“

Vor dem Hintergrund der beschriebenen Fakten betrachtet stellen sich Fragen nach der vergleichsweise niedrigen Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitern vor einem flirrenden Hintergrund. Vor allem nach den Ursachen, sollte sie nicht im erhofften Umfang vorhanden sein.

Bisher sind die schnell ausgemacht: Das Management ist schuld! Oder besser: der einzelne Manager. Er lobe zu wenig, er sei nicht teamorientiert genug, er unterstütze und fördere seine Mitarbeiter nicht im ausreichenden Maße – er solle mehr Sozialkompetenz haben, sich um die Belange der Mitarbeiter kümmern, „Coach“ und „Motivator“ sein.

Gerade Letzteres ist eine Forderung, die viele Befürworter hat - in der Literatur, in allgemeinen Überlegungen zur Rolle von Vorgesetzten. Und eine ganze Reihe von Trainern hat das Thema gerade auch im Vertrieb für sich entdeckt und bietet Seminare an, in denen der Vorgesetzte all das lernen kann.

So weit, so gut. All das gibt aber keine Antwort auf Fragen wie die folgenden:

  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Lage und allgemeiner Arbeitszufriedenheit? Zwischen wirtschaftlicher Lage und Zufriedenheit mit „dem Management“? Gibt es Zeiten, in denen allein die Tatsache, einen halbwegs vernünftigen und ordentlich bezahlten Job zu haben, schon diese Zufriedenheit auslöst?
  • Warum ist „Zufriedenheit mit dem Management“ kein Kriterium bei der Auswahl des Arbeitsplatzes?
  • Sind die eigenen Erwartungen und Ansprüche an Arbeitsplatzzufriedenheit vielleicht so vielfältig und nicht genügend durchdacht, dass die „Unfähigkeit des Managers“ als Sammelbecken für alles herhalten muss?
  • Und last, but not least: Ist wirklich die Mehrzahl aller Mitarbeiter eines einzigen Vorgesetzten mit diesem unzufrieden? Dann würde sich im konkreten Fall die behauptete Unfähigkeit bestätigen und der Manager wäre die Stellschraube zur Verbesserung der Situation.

Keine Frage, es gibt cholerische, unhöfliche, ja unfähige Vorgesetzte. Das kann und soll hier nicht infrage gestellt werden. Auch nicht die Tatsache, dass die ihr Verhalten überdenken und verändern sollten. Aber es gibt auch eine andere Seite: Wünsche, Hoffnungen, Anforderungen von Mitarbeitern. Sind die realistisch? Oder haben wir hier eher ein Luxusproblem? Die Studie dazu fehlt noch. Zumindest steht sie nicht regelmäßig in der Presse.

In diesem Sinne frohes Schaffen, hilfreiche Vorgesetzte und in der Regel gut gelaunte Mitarbeiter.

 

 

Ihre
Sabine Kanzler

Bildquelle: flatearththeatre / flickr.com

 

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Sabine Kanzler-Magrit
 

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