Straßenschild: Mann und Frau laufen

Bild: Keoni Cabral | flickr.com | CC BY 2.0 | Ausschnitt

 

Wahrheiten über Frauen

... oder das zweite X als Karrierebremse?

Sokrates war ein Mann. Ob ihm wohl aus diesem schlichten Grunde sein „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ nicht geschadet hat, ja sogar zu seinem Ruhm als zitierfähiger Philosoph beigetragen hat? Denn wenn eine Frau das gesagt hätte, dann hätten Ratgeber aller Art ihr sicher empfohlen, ihre Kenntnisse positiv darzulegen und keine Eingeständnisse solche Art zu machen.

Frauen sind anders als Männer – irgendwie. Das ist nun wirklich keine umwerfend neue Erkenntnis. Was das für Folgen hat, dazu stellt „die Wissenschaft“ mit schöner Regelmäßigkeit etwas fest, was dann ebenso regelmäßig von Beratern aller Art in Tipps umgearbeitet wird.

Frauen würden, so wird immer wieder berichtet, sich ganz allgemein und speziell in Situationen, in denen es um etwas geht (Vorstellungsgespräche, Gehaltsverhandlungen, Präsentationen von Ergebnissen) vielleicht nicht gerade um Kopf und Kragen, auf alle Fälle aber um ihre Karriere reden. Und nicht so verhalten, dass man ihnen weiterführende Aufgaben zutraue. Eine kleine, nicht repräsentative Auswahl solcher Aussagen finden Sie im Folgenden:

  • Frauen kommunizieren anders als Männer. Sie stellen mehr die Information ins Zentrum, auf den Austausch persönlicher Informationen, sind zurückhaltender in der Selbstdarstellung. Das schadet ihnen bei ihrem Fortkommen.
  • Frauen werden anders wahrgenommen und damit anders eingeschätzt als Männer. Von Männern aber auch von Frauen. Wenn Frau und Mann dasselbe tun, dann hat das noch lange nicht dieselbe Wirkung. Taff und selbstbewusst auftretende Frauen gelten daher oft als aggressiv (oder wahlweise als zickig), Männer mit dem gleichen Verhalten als selbstbewusst und durchsetzungsstark.
  • Die Gehirnregion, die auf soziale Interaktion anspricht, reagiert bei Frauen früher als bei Männern. Im Klartext: Sie können mit weniger Informationen soziale Interaktion erkennen und auch einschätzen. Das nützt ihnen aber ganz offensichtlich nichts in eigener Sache. Denn wenn man Untersuchungen über das geschlechtsspezifische Sprachverhalten betrachtet, nehmen Frauen offenbar nur wahr, das sie nicht so leicht zum Zuge kommen wie männliche Kollegen, die sich in rein sprachlich ins rechte (und vor allem strahlende) Licht zu rücken vermögen.
  • Führungskräfte sollen – so ein weiteres Stereotyp – durchsetzungsstark, dominant und hart sein, Frauen gelten dagegen als ausgleichend, freundlich, sozial und zeigen somit kein rollenadäquates Verhalten
  • Frauen, die vor allem fröhlich wirken, wird aufgrund dieses Verhaltens weniger Führungswille zugetraut. Wer sich dagegen so verhält, dass er stolz auf seine Leistung wirkt (und das würde eher zu männlichem Verhalten gehören), der wird als führungswillig beurteilt. Und bekommt dann auch die entsprechenden Jobs und/oder mehr Gehalt.

Was soll Frau aus all dem schließen? Der Empfehlung folgen „Schauen Sie sich erfolgreiche männliche Kollegen an, schauen Sie sich Führungskräfte an und lernen Sie von diesen!“ Was dann wohl für die Kommunikation im Alltag bedeutet „Passen Sie sich an! Lernen Sie die (männlichen) Zeichen von Demonstration von Macht, Einfluss und Durchsetzungsvermögen kennen und machen sie sich zu Eigen! Lächeln Sie bloß nicht im falschen Augenblick und wirken Sie nicht allzu gut gelaunt. Dann mag man Sie zwar, aber bringt Sie das karrieremäßig weiter?“

Eine kleine Umfrage im Bekanntenkreis, welche Gemeinsamkeiten denn bei Frauen im eigenen Unternehmen sichtbar würden, die so etwas wie Karriere gemacht haben, ergab kein klares Bild, aus dem sich eindeutige Empfehlungen ableiten ließen. Die Frauen waren in ihrer Position, obwohl sie gut gelaunt waren, sehr weiblich auftraten, es mit jedem Kerl aufnehmen konnten, was brüskes Verhalten oder Rücksichtslosigkeit anging oder auch besonders kompetent waren. Sie waren so unterschiedlich, wie es auch Männer sind, die im Job erfolgreich sind.

Es scheint also doch nicht ganz so einfach zu sein. Schade eigentlich, denn dann wüsste frau doch, was zu tun ist!

Es gibt ihn, den Unterschied. Frauen sind nun mal anders als Männer. Nicht einmal alle Männer sind gleich! Und das ist auch gut so! Dennoch wollen sie „gleich“ behandelt werden. „Gleich“ im Sinne von „gerecht“ und nicht reduziert auf das zweite X im Chromosomensatz. Die Lösung kann nicht sein, sich anzugleichen. Vielleicht braucht es eher Mut? Mut, etwas anders zu machen als man es bisher für angemessen gehalten hat, Mut, sich Klischees zu widersetzen. Mut zu überlegen, welches Verhalten denn passt – zu unterschiedlichen Situationen, zu einem selbst. Mut, sich zu verändern. Was dann aber gar kein so spezifischer Ratschlag nur für Frauen wäre!

Ihre
Sabine Kanzler

 

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Sabine Kanzler-Magrit
 

Sabine Kanzler-Magrit

Blogautorin zu den Themen Bewerbung und Kommunikation

 

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