Das Arbeitszeugnis - Einführung [Teil 2]

29.08.2008

Grundsätzlich wird zwischen dem einfachen Zeugnis und dem Zeugnis, das sich über die Leistung und Führung des Arbeitnehmers auslässt (qualifiziertes Zeugnis bzw. Vollzeugnis), differenziert. In der Regel sollten man auf einem qualifizierten Zeugnis bestehen, da ein einfaches Zeugnis immer die Frage beinhaltet, ob hier etwas verschwiegen werden soll. In der Praxis sind 2/3 der erteilten Arbeitszeugnisse qualifizierte Zeugnisse; in leitenden Funktionen und bei Hochschulabsolventen sind es gar über 90 %. Ferner wird zwischen dem Endzeugnis und dem Zwischenzeugnis unterschieden. Im ungekündigten Arbeitsverhältnis hat der Arbeitnehmer Anspruch auf ein Zwischenzeugnis, wenn er einen triftigen Grund behaupten kann (Bewerbung um einen neuen Arbeitsplatz, Stellung eines Kreditantrages etc.). In der Regel wird dem Zwischenzeugniserteilungswunsch unproblematisch entsprochen.

Anspruch auf ein Zeugnis hat grundsätzlich jeder Arbeitnehmer unabhängig von der Dauer seiner Beschäftigung. Für Auszubildende ist dieser Anspruch in § 16 BBiG geregelt. Der Zeugnisanspruch besteht auch beim mündlichen Arbeitsvertrag, bei geringfügiger Beschäftigung, bei einer Nebentätigkeit oder im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Auch im Leiharbeitsverhältnis besteht ein Anspruch gegen den Verleiher (z.B. die Zeitarbeitsfirma) mit einer entsprechenden Mitwirkungspflicht des Entleihers. Auch für Praktikanten, Volontäre und Hospitanten ist der Anspruch mittlerweile anerkannt und sollte auch geltend gemacht werden. Hier ist es oftmals hilfreich, schon vor Praktikumsbeginn darauf hinzuweisen, dass man ein Zeugnis benötigt und dies ggf. auch in den Praktikumsvertrag schreibt. Gleiches gilt auch für den "freien Mitarbeiter". Zwar haben (echte) Selbständige keinen Zeugnisanspruch; ein solcher kann beim freien Mitarbeiter aber unter Umständen vertraglich vereinbart werden. Ohne jetzt auf das Thema Scheinselbständigkeit einzugehen, kann man sagen, dass die Zeugniserteilung bei freien Mitarbeitern in vielen Berufszweigen mittlerweile auch üblich ist.

Das Zeugnis ist unverzüglich zu erteilen. Der Arbeitnehmer kann erwarten, dass der Arbeitgeber das qualifizierte Zeugnis innerhalb von zwei Wochen zu Papier gebracht hat. Der Anspruch auf ein Endzeugnis besteht auch unabhängig davon, ob die Kündigung Gegenstand einer Kündigungsschutzklage ist. Grundsätzlich kann der Arbeitnehmer den Anspruch bis zur Grenze der Verjährung geltend machen. Etwas anderes gilt beim Zeugnisberichtigungsanspruch. Hat man Zweifel an der Ordnungsgemäßheit des Zeugnisses, muss man rasch reagieren. Hier nimmt auch das Bundesarbeitsgericht teilweise Fristen von nur 6 Monaten an.

Den Arbeitgebern kann nur geraten werden, den Zeugnisanspruch immer und unverzüglich zu erfüllen. Ein "Zurückbehaltungsrecht" ist hier ausgeschlossen. Und auch wenn man sich über den Arbeitnehmer ärgert, sollte man hier über seinen Schatten springen, da der Arbeitnehmer den Rechtsstreit um die Zeugniserteilung immer gewinnt. An dieser Stelle zu mauern, ist vollständig vergeblich und bringt einem nur Abzüge in der Sympathienote vor Gericht bei.

Zum Selbststudium kann ich interessierten Leserinnen und Lesern das Standardwerk "Arbeitszeugnisse in Textbausteinen" von Weuster/Scheer empfehlen, das mittlerweile in der 11. Auflage erschienen ist. Abgesehen von der Möglichkeit, dieses Werk als Leitfaden für die Zeugniserstellung heran zu ziehen, hilft es auch, das eigene Zeugnis einmal zu prüfen und zu verstehen.

Ihr
Edmund Hellmich

 

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