Ein Schreibtisch mit Bildschirmarbeitsplatz, Ablagefächern und Akten.
 

Frau Kanzler - wie kann ein junger Mann mit Behinderung seine Chancen erhöhen einen Job zu bekommen?

Bewerbung konkret

„Im letzten Beitrag von „Bewerbung konkret“ haben Sie darauf hingewiesen, dass es über unübliche Wege nicht unmöglich sein muss, ins Berufsleben einzutreten. Manch einem fällt es trotz abgeschlossener Berufsausbildung schwer einen passenden Arbeitsplatz zu bekommen. Ein gelernter Bürokaufmann, Alter 25 Jahre,  ist seit zwei Jahren auf der Suche. Sein Handicap ist eine körperliche Behinderung, die ihn aber bei der Lehre nicht beeinträchtigt hat (sonst hätte er ja keinen Abschluss machen können). Mit seinen Bewerbungsunterlagen schickt er auch seinen Behindertenausweis, woraus aber nicht erkenntlich wird, welche Behinderung er hat. Sollte er das im Anschreiben formulieren? Große Unternehmen müssen ja ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl eine Art „Behindertenquote“ erfüllen, entweder Behinderte beschäftigen oder von Behindertenwerkstätten Produkte/Dienstleistungen beziehen. Wie sieht das mit Klein- und mittelständischen Unternehmen aus? Wie kann der junge Mann seine Chancen erhöhen trotz körperlichen Makels einen Job zu bekommen? Was wäre hierfür ein unüblicher Weg, denn der normale (viele Bewerbungen abschicken und nur Absagen erhalten) hat bis jetzt keinen Erfolg gezeigt hat?“

Frage: Wie kann ein junger Mann mit Behinderung seine Chancen erhöhen einen Job zu bekommen?

Stellen wir allen Überlegungen voran, dass es nicht darum geht, ob dieser junge Mann etwas für die Situation kann, ob er „schuld“ ist. Es ist ein schwieriges Thema und keines, für das es eine einfache Lösung gibt. Aber das hat Ihr Bekannter vermutlich schon selber bemerkt. Versuchen wir uns trotzdem daran:

  1. Zwei Jahre Arbeitslosigkeit sind für sich schon problematisch, diese zwei Jahre aber direkt nach der Ausbildung im Lebenslauf zu haben, das ist doppelt schwierig. Denn das Gelernte konnte sich nicht an normalen Aufgaben an einem Arbeitsplatz einüben und festigen, sondern liegt seither brach. Und natürlich geht Wissen, das nicht genutzt wird, auch leicht verloren.
    Erste Ansatzpunkt: Aktualisierung der Kenntnisse!
  2. Bürokaufmann ist ein Berufsbild, was erst mal sehr breite Einsatzmöglichkeiten bietet. Außerdem ist es ein Ausbildungsgang, den viele wählen. Damit konkurriert man mir vielen Mitbewerbern um einen Arbeitsplatz, unabhängig davon, ob man nun schwerbehindert ist oder nicht.
    Zweiter Ansatzpunkt: Über eine gefragte Spezialisierung nachdenken!
  3. Viele Unternehmen scheinen Bewerbungen von Menschen mit einem Handicap nur mit einer Kneifzange anzufassen und das dann nur, um sie gleich wieder auszusortieren. Wenn das so ist, dann kann man das natürlich nicht beweisen. Der junge Mann müsste also experimentieren, mit welchen Mitteln er diese Scheu durchbrechen kann.
    Weitere Ansatzpunkte könnten zum Beispiel sein, die Behinderung zu konkretisieren und zu beschreiben, wie er im Alltag damit umgeht, sachlich aufzuzählen, welche Hilfsmittel er braucht im Unternehmen und wie die von der Integrationsstelle finanziert werden, lokale Jobmessen zu besuchen und sich dort persönlich vorzustellen, überhaupt die persönliche Begegnung zu suchen, um die vielleicht vorhandene Scheu vor dem „Anders-Sein“ zu nehmen – und vor allem nicht auf der Schiene „Mitleid“ zu fahren. Und natürlich gehört dazu, gute und fehlerfreie Bewerbungsunterlagen zu präsentieren, damit die nicht das erste  K.O.-Kriterium darstellen.
 

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Sabine Kanzler-Magrit
 

Sabine Kanzler-Magrit

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