Frau Kanzler - kann ich eine Zusage beim Arbeitgeber rückgängig machen, wenn ich den Arbeitsvertrag noch nicht unterschrieben habe?

Bewerbung konkret

„Das Unternehmen, bei dem ich vor zwei Wochen zum Bewerbungsgespräch war, hat mir eine Absage erteilt. Somit nehme ich das Angebot einer anderen Firma an. Dort könnte ich im nächsten Monat anfangen. Ich möchte ja nicht, dass ich im Endeffekt weiter ohne Job bin. Wie reagiere ich jedoch, wenn mein favorisiertes Unternehmen nach der Absage nun doch der Meinung ist mich einstellen zu wollen (weil der erste Kandidat abgesprungen ist)? Solange ich noch keinen Arbeitsvertrag unterschrieben habe, kann ich meine Zusage bei dem zweiten Betrieb noch ohne Konsequenzen rückgängig machen?“

Frage: Kann ich eine Zusage beim Arbeitgeber rückgängig machen, wenn ich den Arbeitsvertrag noch nicht unterschrieben habe?

Ihre Frage geht von zwei Voraussetzungen aus, nämlich dass zwei Bewerbungsverfahren zeitnah zum Abschluss kommen und dass Unternehmen auf die Unterschrift eines Arbeitsvertrages ausreichend lange warten, weil sich der Bewerber gerne Zeit lassen möchte mit seiner Unterschrift. Weiterhin bringen Sie den Begriff „Konsequenzen für den Bewerber“ ins Spiel. Arbeiten wir also die Fragestellungen eine nach der anderen ab.

Sie bekommen von Unternehmen A (dem favorisierten Unternehmen) eine Absage. Mit Unternehmen B (dem „Notnagel“) sind Sie schon so weit im Gespräch, dass Sie einen Arbeitsbeginn schon besprochen haben. Es fehlt also nur noch der Vertrag.

Normalerweise ist es ja so, dass es sich bei Arbeitsverträgen eher um Standardverträge handelt, die durch Tarife oder durch interne betriebliche Vereinbarungen ziemlich festgeschrieben sind. Kaum jemand wird so einen Vertrag anwaltlich prüfen lassen wollen oder Verständnis finden, wenn er ankündigt, das tun zu wollen. Anders ist das bei Individualverträgen für obere Führungskräfte oder bei Geschäftsführerverträgen. Wer so etwas unterschreibt, ohne dass ein Fachanwalt drauf geschaut hat, der hat die Brisanz solcher Verträge inklusive aller möglichen Stolpersteine darin noch nicht wirklich verstanden.

Eine anwaltliche Prüfung eines Vertrages nimmt ein paar Tage in Anspruch. Beim „normalen“ Vertrag geht man davon aus, dass der Bewerber ein oder zwei Nächte „drüber schläft“ und dann unterschreibt. Oder auch nicht.

Zurück zur konkreten Fragestellung!
Die erneute Anfrage von Unternehmen A, ob Sie nicht doch Lust hätten, dort anzufangen, müsste also in jenen doch sehr knappen Zeitraum fallen. Wenn Sie noch nichts unterschrieben haben, dann können Sie dem anderen Unternehmen natürlich absagen und das hat auch keine rechtlichen Konsequenzen – außer beide Parteien haben unter Zeugen eine eindeutige Absichtserklärung abgegeben, dass ein Arbeitsverhältnis geschlossen wurde. Arbeitsverträge bedürfen nämlich nicht zwingend der Schriftform.

Sobald ein Arbeitsvertrag geschlossen wurde, haben Sie (wie übrigens auch das Unternehmen) die Möglichkeit, den innerhalb der gesetzlichen Kündigungsfrist zu kündigen. Für genauere Auskünfte bemühen Sie bitte einen Juristen. Ich bin keiner, daher kann und will ich auch keine Rechtsberatung geben.

Was die Konsequenzen für Sie als Bewerber angeht: Es gibt rechtliche und finanzielle Konsequenzen, es gibt allerdings auch Konsequenzen auf der persönlichen Ebene. Wenn Sie in einem Ort wohnen, in dem es nur zwei oder drei Arbeitgeber gibt, wenn Sie ferner unbedingt vor Ort arbeiten wollen und nicht zu Pendelstrecken bereit sind, dann würde ich das oben beschriebene Spiel nicht spielen. Es könnte nämlich sein, dass Arbeitgeber B, Ihr Notnagel, verärgert ist über Ihr Verhalten und Sie bei zukünftigen Bewerbungsverfahren nicht mehr berücksichtigt. Das wäre fatal, falls Arbeitgeber A sich doch nicht als das große Los herausstellt.

 

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Sabine Kanzler-Magrit
 

Sabine Kanzler-Magrit

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